Bundestag diskutiert über „Desinformation vor Wahl“: Chef der steuerfinanzierten Deutschen Welle will X wegen Elon Musk „hart regulieren“
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Nachdem die Präsidentschaftswahl in Rumänien fragwürdig annulliert wurde, ist auch in Deutschland eine Debatte über mögliche Wahlbeeinflussung durch „Desinformation“ auf Plattformen wie TikTok und X angelaufen. Im Bundestag forderte am Mittwoch ausgerechnet der Chef der Deutschen Welle (DW), die mit Steuermitteln finanziert wird, X „hart zu regulieren“. Mehr noch: Elon Musk würde seine „Macht ausnutzen“, behauptete er.
Am 6. Dezember stand zum ersten Mal der „Digital Services Act“ (DSA) der EU in einem gewissen Zusammenhang mit einer Wahlannullierung (NIUS berichtete). Aufgrund eines Verdachts von Wahlbeeinflussung im Netz wurde die Präsidentschaftswahl in Rumänien annulliert. Kritiker warfen die Frage in den Raum, ob die Wahl abgesagt wurde, weil ein nicht genehmes Ergebnis drohte.
Für Irritationen sorgte in Rumänien vor allem folgendes:
- Das Verfassungsgericht hatte das erste Wahlergebnis der Präsidentschaftswahl bestätigt. Es ließ die Stimmen neu auszählen – die Wahl sei rechtmäßig abgelaufen. Formelle Fehler: gab es nicht.
- Stattdessen wurde behauptet, dass eine Beeinflussung der Wahl auf Onlineplattformen stattgefunden habe – und staatliche Akteure, also Russland, eine Rolle spielen würden. Denn der als pro-russisch geltende rechtskonservative Politiker Călin Georgescu holte überraschend einen Erdrutschsieg in der ersten Wahlrunde. Womöglich erreichte er wegen seiner Beliebtheit auf TikTok viele junge Rumänen.

Er gewann unvorhergesehen in der ersten Wahlrunde: Călin Georgescu (parteilos). Doch das Ergebnis ist nicht mehr gültig.
- Zunächst preschte die rumänische Netzbehörde – die den „Digital Services Act“ umsetzt – mit Vorwürfen vor. Deren Vizechef erklärte: „Tausende Konten haben mit externer Finanzierung für Călin Georgescu auf TikTok gearbeitet (…). Leider haben sie zu diesem Ergebnis beigetragen, das wir heute sehen.“ Die EU-Kommission wurde alarmiert.
- Anschließend kam ein umstrittener Geheimdienstbericht ins Spiel, den Rumäniens Präsident Klaus Johannis freigab. Mehrere rumänische Influencer, die im Geheimpapier als Kampagnen-Unterstützer namentlich beschuldigt wurden, widersprachen den Vorwürfen gegenüber NIUS.
- Die EU-Kommission erklärte, sie verstärke die „Überwachung“ von TikTok und leitete ein Verfahren gegen die Plattform ein. TikTok weist die Vorwürfe von sich.
Debatte um Wahlbeeinflussung auch in Deutschland
Jetzt findet auch in Deutschland eine Debatte über eine mögliche „Wahlbeeinflussung“ durch „Desinformation“ und „Fake News“ im Netz statt. Die Sicherheitsbehörden und Innenministerin Nancy Faeser (SPD) betonten alarmiert zu sein.
Die Grünen haben sogar in ihrem Wahlprogramm eine Früherkennung für „Demokratie zersetzende Inhalte“ im Netz gefordert. Was genau nach Grünen-Interpretation „Demokratie zersetzende“ Beiträge seien, ist jedoch fraglich. Auch kündigten die Grünen an, „große Medienplattformen“ in „die Pflicht“ zu nehmen. Das Ziel: „Wirksame Maßnahmen gegen die Verbreitung von Desinformation“.

Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck setzt schon seit Monaten auf das Thema Desinformation.
UND: Am Mittwoch fand im Parlamentsausschuss für Kultur und Medien sogar eine Debatte über „Desinformation und Fake News im Vorfeld der Bundestagswahl“ statt. Auf Tagespunkt Nr. 1!
Fraglich: Der einzig geladene externe Experte war der Intendant der Deutschen Welle (DW), Peter Limbourg. Die Deutsche Welle ist der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland und wird staatsfinanziert – also von Steuergeldern bezahlt!
Grünen-Abgeordneter nennt Rumänien als Beispiel
Im Ausschuss zeigte sich der Grünen-Bundestagsabgeordnete Erhard Grundl alarmiert: „Es gibt verstärkt Warnungen von Sicherheitsbehörden, dass bei uns auch gezielt Desinformationskampagnen im Umlauf sind – von anderen Staaten finanziert und orchestriert.“

Grünen-Politiker Erhard Grundl
Ein konkretes Beispiel sei der Kommunalwahlkampf in Brandenburg. „Zahlreiche Fake-Accounts haben Demokratie gefährdende, AfD-nahe Positionen durch Retweets und Likes propagandamaschinenhaft unterstützt. 2500 Accounts haben künstlich Reichweite generiert und damit mehr Menschen mit falschen Behauptungen erreichen können“, wirft der Grünen-Politiker in den Raum.
Abgeordneter Grundl fügt den Verdacht an: „Die Analysten vermuten, dass die Spur nach Russland führt, wo Troll-Fabriken ähnliche Kampagnen umsetzen. Das Beispiel Rumänien ist gebracht worden. Alles Länder, in denen die Deutsche Welle eine klare Stimmung gegen Falschinformationen in der jeweiligen Landessprache liefert und mit unabhängigen Journalisten vor Ort arbeitet – ganz herzlichen Dank!“
„Was wir in Rumänien sahen, sollte uns zu denken geben“
Auch der Intendant der Deutschen Welle argumentierte ähnlich: „Das, was wir in Rumänien gesehen haben, sollte uns allen zu denken geben. Dass es möglich ist, mithilfe von 25.000 TikTok-Accounts eine Wahl derartig zu beeinflussen.“ Es sollte einem „wirklich ins Nachdenken bringen“. Man müsse erheblich aufpassen, nicht in eine „Schieflage“ zu geraten.

Hier sind zwei besonders gut gelaunt: Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) und Peter Limbourg, der Chef der Deutschen Welle (DW).
Man müsse darüber diskutieren, inwieweit Onlineplattformen stärker in die Pflicht genommen werden, so Limbourg. Lobend betonte der DW-Intendant hingegen: Es gäbe schon jetzt den DSA in Europa sowie das Verfahren der EU-Kommission gegen TikTok.
Hintergrund: Der DSA beinhaltet Haltungsvorschriften für digitale Plattformen und soll für mehr Kontrolle über Inhalte im Netz sorgen. Brisant: Bei der Verordnung ging es von Beginn an auch um den Wunsch der Kommission, vermeintliche Wahlmanipulationen zu verhindern. Doch die Grenze zwischen Wahlkampagne im Rahmen der Meinungsfreiheit und einer Wahlbeeinflussung kann hauchdünne Interpretationssache sein. Womöglich könnten die Plattformen unter großem Druck stehen und schnelle Entscheidungen treffen, die am Ende zu Proforma-Löschungen von Beiträgen und Nutzerprofilen führt – ohne dass eine korrekte Prüfung von tatsächlichen rechtswidrigen Inhalten stattgefunden hat.

DAS steht in der EU-Verordnung des Digital Services Act (DSA).
Chef des staatsfinanzierten Auslandsrundfunks will X „hart regulieren“
Peter Limbourg erzählte in warnendem Ton: „Ich kann es nur nochmal sagen, es ist etwas, wo eine Plattform offenbar dazu genutzt wird und nicht in irgendeiner Weise dafür Sorge trägt oder will, dass solche Möglichkeiten eben nicht gegeben sind. Wir legen unsere Demokratie in Hände von Plattformen mit dubiosen Eigentümern.“
Zusätzlich forderte DW-Chef Limbourg im Ausschuss bezüglich TikTok und X: „Mein Rat ist: hart regulieren! Nicht nur einfach auf Selbstverpflichtung setzten.“ Die deutsche Medienlandschaft könne „sich ja auch nicht aussuchen, wie sie reguliert wird“.

Der Gründer von Tesla und Space-X, Elon Musk, ist bekannt dafür, sehr viele verschiedene Meinungen auf seiner Plattform X zuzulassen.
„Ich kann nur sagen: keine Angst vor Größe und Stärke. Auch Elon Musk verbreitet objektiv falsche Dinge und nutzt offensichtlich seine Macht aus, um seine Meinung prioritär auf seiner Plattform zu transportieren“, sagt DW-Intendant Limbourg.
Im Klartext: Der staatsfinanzierte Intendant wirft Elon Musk, der nun Leiter des US-Department of Governement Efficiency (DOGE) ist, öffentlich vor, er würde seine Macht ausnutzen.
Sehen Sie hier das Video aus dem Bundestagsausschuss:
In Deutschland ist der Kurznachrichtendienst X immer wieder auf Platz 1 im Ranking der genutzten Nachrichtenapps. Die Onlineplattform X von Elon Musk ist kostenlos nutzbar. Hingegen müssen die Deutschen Rundfunkgebühren für die Deutsche Welle bezahlen. Die Beliebtheit von Musk Plattform wächst. Immer mehr Menschen in Deutschland besuchen als erste Anlaufstelle X – und gelangen dann erst auf Webseiten von den jeweiligen Zeitungen. Auch finden sich oftmals nachrichtlich relevante Informationen zuerst auf X, bevor sie dann in ihren Weg in die deutschen Medienhäuser finden.
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