Bestsellerautorin Birgit Kelle: „Der Feminismus hat einen Teil der Frauen bekämpft“
Feminismus für alle Frauen! Klingt absurd, ist aber durchaus ernst gemeint, sagt Bestsellerautorin („Gender Gaga“, „Noch normal?“) Birgit Kelle im Gespräch bei „Schuler! Fragen, was ist“, auf die Frage, warum sie für einen „neuen Feminismus“ streitet.
„Es ist tatsächlich so, dass der Feminismus schon immer ein Problem hatte, nämlich mit den Frauen, die gerne Frauen sind und die gerne Mütter werden und die gerne heiraten möchten, also auch den Mann nicht nur als potenzielle Gefahr oder Unmensch betrachten, sondern sich gerne mit ihm verbinden wollen.“
Und weiter: „Das heißt, die Emanzipation galt immer erst dann als vollendet, wenn ich die Haustür von außen schließe und mich dem Arbeitsmarkt zuwende. Und dieser Feminismus hat einen Großteil der Frauen schlicht ignoriert, wenn nicht sogar bekämpft. Also Frauen wie ich, die jahrelang als Hausfrau und Mutter gelebt und Kinder großgezogen haben. Sie wollten mich ständig retten aus diesem Leben.“
Der klassische Feminismus ging davon aus, so Kelle, dass „der Staat uns da rausholen und muss uns quasi retten auf den Arbeitsmarkt. Diese Denkweise herrscht bis heute vor. Und deswegen sage ich, wir brauchen einen femininen Feminismus! Was ist um Himmels willen weiblich daran, dass ich jetzt das Leben eines Mannes führen darf? Daran ist nichts Weibliches.“
Hier das ganze Interview ansehen:
Kelles Ansatz ist ein Feminismus, der sich für alle Frauen und für alle weiblichen Lebensweisen stark macht, sagt sie. „Mein Job ist nicht mein Lebensmittelpunkt. Ich möchte mal so leben, mal anders leben. Wenn ein Feminismus sagt, wir kämpfen dafür, dass jede Frau machen kann, was sie will, dann muss man eben auch akzeptieren, dass manche Frauen sagen, dass sie etwas tun, was man vielleicht gesellschaftlich nicht gut findet oder was man selber persönlich nicht nachvollziehen kann. Und da ist dieser klassische Feminismus stehengeblieben.“
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Eine besondere Herausforderung sieht Kelle zudem in der Trans-Debatte, die derzeit beispielsweis auch die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes zerreißt. Wenn auch Männer, die „als Frauen gelesen werden wollen“, als Frauen zum Thema für den Feminismus werden, stelle sich die Frage, wofür da eigentlich noch gekämpft wird. „Wenn manche Frauen nicht einmal selber mehr definieren können, was eine Frau ist, für wen kämpfen sie dann eigentlich? Und genau in diesem Dilemma steht gerade der Feminismus, dass er sagt wir kämpfen für alle und dabei genau diejenige unter den Tisch fallen lässt, für die er angefangen hat zu kämpfen, nämlich die ganz normale Frau.“

Kelle im Interview bei Ralf Schuler
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