Kurz vor Mitternacht bebte die Erde: Marokko trauert um mehr als 2000 Menschen
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Freitagabend, 8. September, 23:11 Uhr Ortszeit. Es ist der Zeitpunkt, der das Leben der Menschen in Marokko in ein Davor und Danach einteilt: Im Atlasgebirge, etwa 70 Kilometer südwestlich von Marrakesch, liegt das Epizentrum eines Erdbebens, das mindestens 2000 Todesopfer forderte. Die Zahl ist nicht final. Mindestens 2059 weitere Menschen wurden verletzt, mehr als die Hälfte davon schwer, wie marokkanische Medien in der Nacht auf Sonntag unter Berufung auf das Innenministerium berichteten.
Das ganze Ausmaß der Katastrophe ist weiter ungewiss. „Meine Frau, meine Kinder und ich versuchten, das Haus zu verlassen, aber meine kleine Tochter und mein Vater, der 102 Jahre alt ist, blieben. Ich habe versucht, zurückzugehen, um sie herauszuholen, aber vergeblich, mein Vater und meine Tochter sind dort gestorben“, schilderte ein Überlebender in der Stadt Imintanoute der Nachrichtenseite Hespress.

Nachbarn werden zu Bestattern: Ein Mann hebt im Dorf Ouargane ein Grab aus.

Zerstörung im Dorf Moulay Brahim.
Die Bergungs- und Rettungs-Trupps stehen vor großen Herausforderungen: „Einige der am schlimmsten betroffenen Gebiete sind recht abgelegen und bergig und daher schwer zu erreichen“, heißt es von der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmondgesellschaften (IFRC).
Im Atlasgebirge liegen Ortschaften entlang steiler und kurvenreicher Serpentinen. Da Erdbeben in Nordafrika relativ selten auftreten, sind Gebäude nach Einschätzung von Experten nicht robust genug gebaut, um solchen starken Erschütterungen standzuhalten. Das Beben hatte eine Stärke von 6,8 auf der Richterskala und war im Umkreis von 400 Kilometern spürbar. Es dauerte mehrere Sekunden an. Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS ereignete sich das Beben in einer Tiefe von 18,5 Kilometern. Erdbeben in einer solch geringen Tiefe gelten als besonders gefährlich.

Casablanca in der Nacht auf Sonntag.

Erdbeben in Nordafrika sind selten, deswegen ist die Bausubstanz nicht darauf ausgelegt.
Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sind mehr als 300.000 Menschen in Marrakesch und umliegenden Gebieten vom Erdbeben betroffen. Sie verbrachten die zweite Nacht in Unsicherheit und Trauer.
König Mohammed VI. ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Auch die Staats- und Regierungschefs der EU boten in einem Brief an den König ihre Hilfe an und drückten ihre Anteilnahme aus. „Als enge Freunde und Partner Marokkos sind wir bereit, Ihnen in jeder Weise zu helfen, die Sie für nützlich halten“, heißt es darin. Die Bundesregierung prüft, ob in den Katastrophengebieten auch Deutsche unter den Opfern sind. Derzeit lägen keine Kenntnisse darüber vor, hieß es am Samstagnachmittag aus dem Auswärtigen Amt in Berlin.
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