Mitten im bürgerlichen Berliner Bezirk Westend: 1500 Asylbewerber in einem Bürohaus – wie soll das gut gehen?
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Weil Wohnraum für immer mehr Asylbewerber in Berlin fehlt, plant der Senat Großunterkünfte, in denen Asylbewerber dauerhaft leben sollen. Dafür werden riesige Gebäude angemietet und umgebaut. Jüngstes Beispiel: Soorstraße 82 im Berliner Westend. Dort sollen ab 2026 bis zu 1500 Asylbewerber untergebracht werden. Dieser Stadtteil ist ein sehr beliebtes gutbürgerliches Wohnviertel in ruhiger Lage mit guter Anbindung an die City-West und den historischen Kurfürstendamm. Das riesige Gebäude in der Soorstraße steht seit dem 1. Januar 2024 leer: Baujahr 1988, Fassade aus vorgehängtem Marmor, 27.000 Quadratmeter Nutzfläche. Der Eigentümer bot die Büros für 28,80 Euro pro Quadratmeter an. Das Landesamt für Flüchtlinge (LAF) zahlt – nach Informationen der Berliner Morgenpost – 40 Euro pro Quadratmeter.

Das Gebäude sollte eigentlich attraktive Büroflächen bieten – jetzt schlagen die Behörden zu.
Ungeheure Kosten für den Steuerzahler
Damit in den Büroräumen dauerhaft Asylbewerber leben können, muss das ganze Haus verändert werden. Das LAF baut das Bürogebäude in ein Wohnhaus um, in das Platz ist für 1500 Flüchtlinge. Geschätzte Kosten: 44 Millionen Euro. Obwohl ein solcher Umbau nach dem geltenden Baurecht nicht möglich ist (umwidmen) – in der Soorstraße geht es offenbar doch.
BZ-Kolumnist Gunnar Schupelius: „Abgesehen von den ungeheuren Kosten, die dem Steuerzahler für die Unterbringung von Menschen entstehen, von denen man gar nicht weiß, ob sie Asyl bekommen oder überhaupt einen Fluchtgrund haben, der anerkannt wird - es bleibt die Frage, ob eine solche Konzentration fremder Menschen unterschiedlicher Herkunft in einem Berliner Wohngebiet gelingen kann, ohne Schaden anzurichten. Das ist eigentlich unmöglich.“
Was der Berliner Senat offenbar nicht bedacht hat – ein Dach über dem Kopf allein macht noch kein Zuhause. Wo sind die Spielplätze, die Kindergärten, die Schulen, die Deutschkurse? Was sollen die vielen jungen Männer in diesem Bürohaus eigentlich den ganzen Tag machen? Was sagen die Anwohner zur geplanten Großunterkunft? Was sagen die Frauen, wenn mehr als 1000 junge Männer aus Syrien, Afghanistan, dem Irak und der Türkei ihres neuen Nachbarn sind? Und: Hat sie jemand gefragt?
Sie wissen, dass es nicht geht
Nein und auf diese Frage gibt es auch keine Antwort – „weder von der zuständigen Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD), noch vom Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) noch von den zuständigen Politikern im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf“, schreibt die BZ. „Wir werden mit dem LAF sprechen, um die Unterbringungsmöglichkeiten im Stadtteil sozial verträglich zu verankern“, sagt Bürgermeisterin Kirstin Bauch (Grüne). Es müsse „die Teilhabe der neuen Bewohnerinnen und Bewohner am gesellschaftlichen Leben gewährleistet werden“, sagt der „Beauftragte für Partizipation und Integration“, Cem Gümüsay. „Unser Ziel ist es, den Kindern eine bestmögliche Bildung zu gewährleisten“, sagt Schul-Stadträtin Heike Schmitt-Schmelz (SPD). Berlin-Kenner Gunnar Schupelius fragt: „Was soll man von dieser Phrasendrescherei der Verantwortlichen halten? Sie täuschen sich selbst und uns alle, wenn sie behaupten, dass es so weitergehen kann wie bisher. Schlimmer noch: Sie wissen, dass es nicht geht - und behaupten es dennoch.“

473 Zimmer für Asylbewerber – ein großes Hotel in Lichtenberg wird umfunktioniert.
Im Berliner Bezirk Lichtenberg entsteht im ehemaligen City Hotel East (zwei nebeneinanderstehende Hochhäuser in der Landsberger Allee, 473 Zimmer) eine neue Unterkunft für Asylbewerber. Dazu sagt Benjamin Hudler, Vorsitzender der CDU-Fraktion: „Bis 2027 sollen fast 3000 Geflüchtete nach Lichtenberg kommen, das entspricht einer brandenburgischen Kleinstadt. Gleichzeitig bekommen wir keine Informationen vom Senat, wie wir mit Integration, Schul- und Kitaplätzen sowie Sprachkursen umgehen sollen. Wir sind am Limit, was unsere Ressourcen angeht.“
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