Polizist verurteilt, weil er gegen Aschaffenburg-Täter Enamullah O. „ganz bewusst nicht ermittelte“
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Ein 29-jähriger Polizeibeamter ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden, weil er nach einer Gewalttat des Attentäters von Aschaffenburg gegenüber seiner Ex-Freundin nicht ausreichend ermittelte. Der Richter bezeichnete das Verhalten des Beamten als „bewusstes Nicht-Ermitteln“ und sprach von einem schwerwiegenden Versäumnis.
Am 22. Januar 2025 griff Enamullah O. in Aschaffenburg unvermittelt eine Gruppe von Kindern an. Dabei tötete er den zweijährigen Yannis und einen 41 Jahre alten Mann, der dem Kind zu Hilfe geeilt war. Mehrere Menschen wurden verletzt. Alles, was zurückblieb, waren Kerzen und Tränen.

Der Polizist am Dienstag vor Gericht. Der Richter verhängte eine Bewährungsstrafe gegen ihn.

Kerzen, Blumen und Kuscheltiere am Tatort erinnerten später an den tödlichen Angriff.
NIUS sprach mit der Ex-Freundin von Enamullah O.
Schon Monate vor dem Angriff hatte Enamullah O. mehrfach Gewalt gegen seine damalige Partnerin ausgeübt, eine 45-jährige ukrainische Asylbewerberin. Gegenüber NIUS berichtete die Frau, dass sie mit dem späteren Attentäter eine Beziehung geführt habe, die zunehmend von Angst und Gewalt geprägt gewesen sei. Schließlich soll Enamullah O. sie in ihrer Asylunterkunft mit einem Beil attackiert haben. Die Ukrainerin, die anonym bleiben wollte, zeigte NIUS damals Fotos der Verletzungen sowie das Beil, mit dem er auf sie eingewirkt haben soll.

Mit diesem Beil soll Enamullah O. auf die Ukrainerin losgegangen sein..
„Er ist verrückt“
Die 45-Jährige wohnte im Stockwerk unter der Wohnung, in der Enamullah O. einquartiert war. Sie lernten sich in der Asylunterkunft kennen, waren sich sehr oft sehr nah. Trotz massiver Sprachbarriere. Die gemeinsamen Selfies stammen aus einer friedlichen Phase, doch die endete offenbar früh: „Er ist verrückt“, erzählte sie NIUS.

Gegenüber NIUS zeigt die betroffene 45-Jährige private Fotos aus der Beziehung mit Enamullah O.
Ein Video aus jener Zeit bestätigt ihre Schilderungen: Es zeigt eine heftige Auseinandersetzung in der Asylunterkunft. Mehrere Männer überwältigen Enamullah O., knien auf ihm. Es gibt Geschrei, die Ukrainerin ist zu hören. Man sieht den Afghanen später erschöpft am Boden sitzen.
Das Versäumnis des Polizisten
Am Dienstag verurteilte die Zweigstelle Alzenau des Amtsgerichts Aschaffenburg einen Polizisten nun zu fünf Monaten auf Bewährung und einer Geldstrafe von 3000 Euro. Der 29-jährige Polizist handelte nach Ansicht des Richters strafbar, weil er nach dem Übergriff auf die Frau keine weiteren Ermittlungen gegen den späteren Messerangreifer von Aschaffenburg einleitete – obwohl ihm laut Gerichtsfeststellungen Fotos der Verletzungen vorlagen.
Er habe es für möglich gehalten, dass die Tat passiert sei, „aber sie ist ihm egal gewesen“, stellte der zuständige Richter fest. Der Richter sprach von einem „erheblichen Ermittlungsversagen“ und einem Verhalten, das „nicht mit der Verantwortung eines Polizeibeamten vereinbar“ sei.
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