Vater bedroht Schiedsrichter: Wann wurde aus „Kopf hoch“ „Kopf ab“?
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- Bei einem C-Jugendspiel in Frankfurt droht ein Vater dem 15-Jährigen Schiedsrichter mit Enthauptung.
- Leider kein Einzelfall: Angriffe auf Schiedsrichter häufen sich.
- Aber „Kopf ab"-Drohungen? Das hat es so früher nicht gegeben.
Diese Verrohung ist unserem Land fremd – und droht, es ernsthaft zu schädigen.
Jeder, der als Kind schon mal einen Sport betrieben hat, kennt sie: Übereifrige Eltern, die am Spielfeldrand stehen und meinen, es besser zu wissen. Tennis-Muttis, die jeden Aufschlag reklamieren. Fußball-Väter, die an der Seitenlinie natürlich alles besser wissen als der Schiedsrichter. Reklamieren, beschweren, schimpfen: Das ist nichts neues. Das „Ey, Schiri!“-Geblöke wichtigtuerischer Männer gehört zu jeder Kreisliga wie das Grillen und der Kasten Bier danach. Beim Sport können die Emotionen mal hochkochen – jeder, der Fußball spielt, gespielt hat oder auch nur guckt, weiß das.
Was neu ist: Das hier. Bei einem Jugend-Spiel rennt ein Mann auf den erst 15-jährigen Schiedsrichter zu. „Ich köpfe dich“, ruft er. „Ich ficke deine Mutter!“ Offenbar ist er der Vater eines Spielers, dessen Team gerade verloren hat. Ein weiterer Offizieller kommt hinzu und kann den rasenden Mann aufhalten.
Dass man als Schiedsrichter nicht immer bei allen beliebt sein kann, liegt in der Natur des Jobs. In der Hitze eines Augenblicks wurden Schiedsrichter schon oft beschimpft, auf allen Sportplätzen der Republik. Aber „Ich köpfe dich?“ Das ist neu.
Darf man sagen: „Sowas gab’s früher nicht“? Immerhin ist das Köpfen hierzulande mindestens unüblich. Und im Fußball versteht man unter „Köpfen“ ohnehin eher, den Ball mit dem Kopf zu spielen. Bisher zumindest. Was ist das für ein Mann, der als erwachsener einem 15-Jährigen mit Enthauptung droht? Einem 15-Jährigen, der nur sein Ehrenamt als Schiedsrichter ausübt? Und vielleicht noch wichtiger: Was bringt er seinem Sohn bei?
Denn Fußball, wie jeder Mannschaftssport, soll eigentlich das Gegenteil dessen vermitteln, was dieser Vater dort zur Schau stellt. Teamgeist, Kampfgeist – aber vor allem auch, fair mit Niederlagen umzugehen. Früher sagten Väter nach einer sportlichen Niederlage „Kopf hoch“ zu ihren Söhnen – nicht „Kopf ab“ zum Schiedsrichter.
Angriff auf das Ehrenamt
Im Jugend- und Amateurfußball häufen sich Spielabbrüche und Gewaltausbrüche. Schiedsrichter streiken - oder fehlen schlicht ganz. Gab es 2011 laut DFB noch 78.455 Unparteiische , so waren es 2019 nur noch 56.680. Ein Verlust von fast 28 Prozent in acht Jahren.
Klar: Wer will sich schon freiwillig an seinen Wochenenden beschimpfen, bespucken, bedrohen oder angreifen lassen? Da hängt man die Pfeife lieber an den Nagel. Dabei ist genau dieser Verdruss am Ehrenamt gefährlich. Denn das Ehrenamt – sich „gratis“ in die Gemeinschaft einbringen – ist etwas, was unsere Gesellschaft stärkt. Aber in einem Land, in dem sich auch Attacken auf Feuerwehrleute und Rettungsdienste häufen, ist das wohl nur ein weiteres Symptom einer Verrohung, die unsere Gesellschaft ernsthaft beschädigt.
Der Kopf-ab-Vater ist kein Unbekannter: „Der Mann ist stadtbekannt und tritt immer so hochaggressiv auf unseren Fußballplätzen auf“, sagte ein Sprecher der Schiedsrichtervereinigung Frankfurt. Jetzt laufen gegen ihn Anzeigen wegen Bedrohung und Beleidigung. Gut so! Aber wenn der Mann stadtbekannt ist, wäre eine Maßnahme geboten: Ein Platzverbot. Denn wer sich so aufführt, versteht Fußball nicht – und hat an seinen Plätzen auch nichts verloren.
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