„Warum lief er überhaupt noch frei herum?“, fragt der Vater des totgeprügelten Philippos
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Dieser Fall bewegte ganz Deutschland: Im Juni wurde der 20-jährige Philippos in dem Ort Bad Oeynhausen umgebracht. Unter anderem soll der Syrer Mwafak A. ihn totgeprügelt haben. Der Täter: ist 18 Jahre alt und kam 2016 nach Deutschland. In einem Interview mit der Zeitung Welt äußert sich nun erneut der Vater des Opfers.
Es war Sonntagabend, der 23. Juni: Der 20-jährige Philippos aus Bad Oeynhausen wollte nur auf die Abi-Feier seiner Schwester gehen. Dann wird er plötzlich auf dem Heimweg von zehn jungen Männern im Kurpark zu Tode geprügelt. Mehrfach soll auf seinen Kopf eingetreten worden sein. Die Täter laut der Polizei: „südländisch“. Eltern, Familie und Freunde waren alle in großer Trauer.

Philippos Tsanis (†20) und seine Schwester.
Mittlerweile hat die Staatsanwaltschaft Bielefeld Anklage gegen drei Tatverdächtige erhoben – einen Syrer (18) und dessen zwei Begleiter mit deutscher Staatsbürgerschaft. Der Haupttäter ist der Syrer Mwafak A., dem Totschlag, Körperverletzung und Diebstahl zum Nachteil einer hilflosen Person vorgeworfen werden. Die anderen Täter wurden wegen gefährlicher Körperverletzung und Hehlerei angeklagt.
Gegenüber der Zeitung Welt schildert der Vater von Philippos, Dimitris Tsanis, bewegende und erschreckende Details:
„Mein Sohn hat noch gesagt: Lasst uns in Ruhe!“
Philippos und sein bester Freund, hätten die Feier nur „kurz verlassen“, um „einen Freund am Bahnhof abzuholen“, so der Vater des 20-jährigen Philippos. „Das sind Luftlinie gerade mal 200 Meter. Philippos ist dann noch mit seinem besten Freund draußen geblieben, um eine zu rauchen.“ Doch dann sei diese Gruppe von zehn Personen aufgetaucht.
Schlimm: Philippos hat offensichtlich noch versucht, die Situation zu schlichten. Aber die Täter wollten nichts schlichten ...
„Diese Leute wollten sich wohl profilieren. Mein Sohn hat noch gesagt: ‚Lasst uns in Ruhe! Geht weiter!‘ Und dann ging es sofort los. Der eine hat ihn zusammengeschlagen, zusammengeprügelt. Und selbst als mein Sohn auf dem Boden war, hat er nicht aufgehört, ihn zu schlagen und zu treten – gegen den Schädel, auf den Nacken, ins Gesicht“, erzählt Dimitris Tsanis.
„Das gesamte Gehirn war durch Schläge zerquetscht worden“
Die Ärzte im Krankenhaus versuchten alles, doch sie konnten für Philippos nichts mehr tun. Seine Verletzungen: viel zu schwer. „Das gesamte Gehirn war durch die Schläge und Tritte verschoben, ist quasi zerquetscht worden.“ Erst hätte es noch geheißen, die Überlebenschance läge bei fünf Prozent. „Ich bin Christ. Ich hatte da noch gehofft, dass Gott uns ein Wunder schenkt. Aber dann war er gehirntot“, sagt der Vater.

Gewalttäter zerstörten dieses Glück: Mutter Joanna Steinmann mit Philippos.
„Philippos ist für mich ein Held“, betont sein Vater. Denn der Wunsch des 20-Jährigen war es, Organspender zu werden. „Jetzt lebt er in gewisser Weise in einem anderen Menschen weiter – für uns ist das ein kleiner Sonnenschein.“
„Er wollte meinen Sohn töten“
Der Vater fordert, dass der syrische Täter Mwafak A. nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt wird. „Auch wenn der Mörder meines Sohnes erst 18 Jahre alt ist: Er wusste genau, was er da macht“, betont Dimitris Tsanis.
Der Vater wird deutlich: „Mein Sohn lag schon auf dem Boden, aus Ohren, Mund und Nase kam Blut. Und er hat weitergemacht. Er wollte meinen Sohn töten. Da muss es die härteste Strafe geben, die möglich ist.“

Haupttatverdächtiger: Der Syrer Mwafak A. kam 2016 nach Deutschland.
Auch fordert der Vater Aufklärung bei der Frage: „Warum lief er überhaupt noch frei herum?“
Denn: Der syrische Haupttatverdächtige ist polizeilich mehrfach aufgefallen. Zum Beispiel durch Gewalt-, Eigentums- und Betäubungsmitteldelikte.
Sein Anwalt schaue sich das gerade sehr genau an. „Wie kann es sein, dass der Mann nie verurteilt wurde? Warum lief er überhaupt noch frei herum? Was genau ist bei den einzelnen Verfahren passiert? Es ging ja nicht um Schokoladen-Diebstahl im Supermarkt, sondern um Einbrüche, um Raub. Hat die Justiz das einfach durchgehen lassen?“, fragt der Familienvater.
Der Familienvater kritisiert: „Der Staat war nicht da“
Auf die Frage, ob sich jemand aus der Politik bei ihm gemeldet hat, sagt Dimitris Tsanis: „Nein, leider nicht.“ Es hätte lediglich ein kurzes Gespräch in Bad Oeynhausen mit dem Bürgermeister gegeben. Aus der großen Politik sei nichts gekommen. Nichtmal einen Seelsorger hätte man ihnen geschickt. „Nein, der Staat war nicht da. Ob man unser Leid wenigstens gesehen hat? Ich weiß es nicht. Es macht uns sehr traurig, dass da gar nichts passiert ist.“

Der Vater von Philippos: Dimitris Tsanis
Der Vater Dimitris Tsanis und auch Philippos’ Mutter sind gebürtige Griechen. Beide haben selbst einen Migrationshintergrund. Als der Welt-Reporter den Vater fragt, wie er als Deutscher mit Migrationshintergrund auf die zunehmende Gewalt seitens Migranten schaut, antwortet er: „Das, was heute in Sachen Kriminalität passiert, nimmt überhand. Und irgendwann ist das Glas voll.“
Immer mehr Leute hätten „die Schnauze voll“. Dimitris Tsanis: „Wie soll ich als Vater oder Mutter meine Kinder noch unbesorgt nach draußen lassen, wenn ich lese, was mit Philippos passiert ist?“
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