Wende im Fall Grevesmühlen: Woher stammt die Lüge vom „Tritt ins Gesicht“ des afrikanischen Mädchens? – Neues Video zeigt, was wirklich geschah
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Die Geschichte passte perfekt ins Bild derjenigen, die Rechtsextremismus und Rassismus zum dringendsten Problem in Deutschland erklären: Eine Horde rechtsgesinnter ostdeutscher Jugendlicher geht in einer Wohnsiedlung auf zwei afrikanische Mädchen los. Sie treten einer 8-Jährigen ins Gesicht, verletzen sie schwer. Als der Vater zur Hilfe eilt, wird er rassistisch beschimpft und ebenfalls verletzt, das Kind muss ins Krankenhaus.
Nachdem der angebliche Vorfall in Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) drei Tage lang für Entsetzen und Empörungs-Statements aus Politik und Medien gesorgt hat, herrscht plötzlich Schweigen im Walde. Denn gestern gab die Polizei bekannt: Es war alles ganz anders. Es gab keinen Tritt ins Gesicht, keine schweren Verletzungen des Mädchens ghanaischer Herkunft. Gleichzeitig tauchte am Montag ein Video auf, das die Auseinandersetzung zwischen den Grevesmühlener Jugendlichen und den Eltern der Mädchen zeigt. Auf den Aufnahmen ist keine Gewalt zu sehen.
Inzwischen gibt es ein weiteres, deutlich längeres Video, welches noch mehr Einblick in die wahren Geschehnisse gibt. Hier ist es:
Fragen stehen im Raum: Gab es überhaupt einen rassistischen Aspekt des Vorfalls zwischen den zwei kleinen Mädchen und den Jugendlichen? Was ist wirklich passiert? Und: Wer verbreitete das Brutalo-Märchen vom Tritt ins Gesicht des Mädchens?
Längeres Video bringt neue Erkenntnisse
Die Polizei veröffentlichte gestern eine Pressemeldung, in der es heißt: „Nach derzeitigem Ermittlungsstand hat das achtjährige Mädchen keine körperlichen Verletzungen erlitten, die auf die in der Erstmeldung geschilderte Tathandlung hindeuten.“ Die Ermittler teilten mit, dass die Achtjährige mit ihrem Roller an einem Jugendlichen vorbeifahren wollte. „Dieser versperrte dem Mädchen offenbar mit seinem ausgestreckten Bein den Weg und traf sie mit seiner Fußspitze.“ Zu diesem Zeitpunkt habe sich eine größere Gruppe Jugendlicher in dem Bereich aufgehalten. Die Kinder hätten sich laut Polizei daraufhin verängstigt an ihre Eltern gewandt. Als diese die Jugendlichen zur Rede stellen wollten, sei es zu verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen gekommen. „Dabei wurden auch fremdenfeindliche Beleidigungen geäußert“, so die Polizei in ihrer aktualisierten Mitteilung.
Das neuen Video, welches zuerst im Nordkurier veröffentlicht wurde, scheint vieles zu bestätigen. Es ist zu sehen, wie die Mutter mit einem der Mädchen an der Hand mit der Gruppe zirka 15 deutscher Jugendlicher interagiert. Sie schimpft, schreit, springt voller Wut herum und scheint sich im Laufe der Szene immer mehr in ihren Zustand hineinzusteigern. Warum genau, wird nicht ersichtlich. Immer wieder rennt die Frau zu den Jugendlichen und zerrt ihre Tochter an der Hand mit in die Situation hinein. Es sieht nicht so aus, als hätte die Frau Angst vor den Teenagern.

Screenshot aus dem Video
Rechte Jugendliche – und Freunde, die sie beruhigen
Die Jugendlichen – einige davon in typisch „rechter“ Montur (Lonsdale-Pulli, Glatze usw.) – bauen sich mehrmals drohend vor den Eltern des Mädchens auf. An einer Stelle ist eine rassistische Beleidigung („N*g*r“) zu hören. Vereinzelt sind auch andere Schimpfworte sind zu hören. ABER: Andere Jugendliche versuchen immer wieder, die Situation zu beruhigen („Ist gut jetzt“, „Reicht jetzt auch“, „Hör' auf“ usw) – was offenbar auch gelingt: Körperliche Gewalt ist in dem Video nicht zu erkennen.
Die Szene ist alles andere als schön, teilweise befremdlich. Aber sie ist weit entfernt von den Bildern, die zunächst heraufbeschworen und von Politik und Medien umgehend als Wahrheit verkauft wurden. Fakt ist: In Grevesmühlen gab es weder eine gewalttätige Nazihorde noch ein verletztes Kind.

In dieser Wohnsiedlung leben die Beteiligten.
Hat der Vater des Mädchens die Ereignisse dramatisiert?
Nun ist zu klären: Wer hat die Lügen vom „Tritt ins Gesicht“ und den angeblich schweren Verletzungen des afrikanischen Mädchens in die Welt gesetzt? Und warum?
Der Vater der Mädchen hatte Bild zwei Tage nach dem Vorfall ein Interview gegeben. Er berichtete, so heißt es in Bild, seine Tochter „sei mittlerweile aus dem Krankenhaus entlassen worden. Sie war schwer verletzt, nachdem sie einen Tritt ins Gesicht bekommen hatte.“ Das Wort „entlassen“ erweckt den Eindruck, als wäre sie stationär aufgenmommen worden. Ein Widerspruch, denn sie war laut Polizei ja gar nicht verletzt. „Glücklicherweise geht es ihr jetzt wieder deutlich besser“, so der Vater zur Bild. Auch dieser Satz suggeriert, dass sich das Mädchen nach dem angeblichen Angriff der Jugendlichen von Verletzungen erholen musste, was ebenfalls nicht zu den aktualisierten Informationen der Polizei passt.
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