Zu viele Touristen: Das beliebteste Reiseland der Welt zieht die Notbremse
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- Frankreich ist mit 90 Millionen Besuchern das beliebteste Reiseland der Welt.
- Kommunen und Nationalparks ächzen unter der Touristenlast.
- Verschiedene Maßnahmen wie etwa Zugangsbeschränkungen sollen das Problem nun lösen.
Es klingt wie ein Luxusproblem, aber Frankreich hat zu viele Touristen. Mit 90 Millionen Gästen jährlich gilt unser Nachbarland als das meistbesuchte Land der Welt. Erfolgreiche Serien wie „Lupin“ oder auch „Emily in Paris“ sorgen für immer weiteren Zulauf. Jetzt ziehen Nationalparks und Kommunen die Reißleine.
Zugangsbeschränkungen und Negativwerbung
„Overtourism“, zu Deutsch „Übertourismus“, nennt sich das. Nun will Tourismusministerin Olivia Grégoire mithilfe eines im Juni vorgestellten Nationalplans den Zustrom von Besuchern an zu beliebten Orten kontrollieren. Dabei entscheiden die Touristen-Hotspots selbst über Maßnahmen, wie etwa Zugangsbeschränkungen oder auch Negativwerbung durch Influencer, die in den sozialen Medien vor überlaufenden Orten warnen sollen.
Wichtig sei für die Regierung, sich zunächst einmal einen Überblick zu verschaffen. „Frankreich ist das Touristenziel Nummer eins auf der Welt, aber was uns am meisten fehlt, sind Daten“, zitiert Le Figaro die Ministerin. Helfen soll dabei unter anderem ein neu ins Leben gerufenes Tourismus-Observatorium für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Dieses soll künftig Statistiken erstellen.

Eiffelturm in Paris
An manchen Orten führen jüngst eingeführte Zugangsbeschränkungen jedoch bereits jetzt zu ersten Erfolgen. So seien es im Nationalpark Les Calanques momentan nicht mehr als 400 Personen gleichzeitig am kleinen Strand. Die Leute blieben in der Regel zwei, drei Stunden. „Wir hatten befürchtet, dass wir die Jugendlichen aus Marseille nicht erreichen, aber sie spielen mit und reservieren“, berichtet Park-Aufseher Jérémy Boisseau.
Auch für das nächste Jahr, wenn die olympischen Spiele in Frankreich stattfinden und noch mehr Touristen in die Grande Nation ziehen werden, hat man sich schon einen Plan überlegt. So sollen Besuchern mit 40 French Tours abseits der abgetretenen Pfade alternative Routen schmackhaft gemacht werden. „Frankreich, das ist nicht nur der Felsen von Étretat, der Mont-Saint-Michel und Notre-Dame de Paris, sagt Grégoire.
Ist die Begrenzung die Zukunft des Tourismus?
Boisseau hofft das nicht. „Aber an manchen Orten wie hier haben wir keine Wahl mehr.“ Die Frage, ob es überhaupt Sinn mache, den Zugang zu einer einzigen Bucht zu begrenzen, erklärt Boisseau damit, dass hier zwei Dinge zusammenkämen. „Sie ist die einzige Calanque, die von der Erosion bedroht ist und ebenfalls die einzige, die man mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Marseille aus erreichen kann. Auch zwei andere Buchten, die am östlichen Ende des Nationalparks liegen, würden weniger besucht werden, seit der Zugang mit Mountainbikes verboten wurde. Zudem verrät die App des Nationalparks jetzt in Echtzeit, wie stark der Andrang in jeder einzelnen Bucht ist.
In Frankreich hängen zwei Millionen Stellen direkt oder indirekt vom Tourismus ab. Der Anteil der Tourismusbranche am französischen Bruttosozialprodukt beträgt acht Prozent. Auch deshalb spricht Tourismusministerin Grégoire ungern von „Übertourismus“. Aber nachhaltiger wünscht sie sich das Reisen.
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