Familientreffen und Hobby-Mediziner mit Google-Abschluss: 9 Dinge, die in der Notaufnahme tabu sein sollten
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Die Situation in deutschen Notaufnahmen könnte so viel besser sein, wenn sich die Patienten einfach nur an simple Regeln halten würden.
Der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte hat jüngst eine „Notfall-Gebühr“ vorgeschlagen. Diese soll Eltern davon abbringen, das überlastete Personal in deutschen Notaufnahmen mit nicht akuten Fällen zu belästigen. Allerdings sind überbesorgte Eltern nicht das einzige Problem, mit dem man sich in deutschen Notaufnahmen konfrontiert sieht.
Wir haben uns Gedanken gemacht und präsentieren Ihnen stolz unsere Liste der Dinge, die ebenfalls mit einer Strafgebühr belegt werden sollten:
Kleines Aua
Wer sich wegen eines kleinen Wehwehchens in die Notaufnahme begibt, sollte nicht nur finanziell bluten. Eine missglückte Maniküre, so schmerzhaft sie auch sein mag, steht in einer völlig anderen Kategorie als ein Unterschenkel, der im steilen Winkel absteht und die Gesetze der Physik verletzt. Ein blutiger Finger ist sicher keine angenehme Sache, aber erinnern wir uns bitte daran, dass die Notaufnahme ein Ort für, nun ja, Notfälle ist. Und nein, ein abgebrochener Fingernagel zählt nicht als medizinischer Notfall, es sei denn, man verdient seinen Lebensunterhalt als professionelles Handmodel.
Familientreffen
Obwohl es gemeinhin heißt, dass geteiltes Leid halbes Leid sei, bedeutet das nicht, dass man mit der gesamten Großfamilie in der Notaufnahme auftauchen sollte. Jeder Onkel, jede Tante, jeder Cousin zweiten Grades und dazu jede quengelnde Nichte, die man im Schlepptau hat, nimmt einem Notfallpatienten den Sitzplatz weg. Richtig absurd wird es, wenn die Tante entscheidet, dass ihre Designer-Handtasche – die vermutlich mehr kostet als das Monatsgehalt des Krankenhauspersonals – unbedingt ihren eigenen Stuhl braucht. Seelischen Beistand zu haben ist schön, aber es ist noch schöner, wenn jeder, der medizinische Hilfe benötigt, auch einen Platz zum Sitzen findet.
Fressorgien
Die Wartezeiten in der Notaufnahme können sich in die Länge ziehen, und es ist völlig verständlich, dass dabei der Magen knurren kann. Allerdings sollte man bei der Auswahl der Snacks, die man zur Überbrückung dieser Wartezeit zu sich nimmt, etwas Fingerspitzengefühl beweisen. Eine Butterbrezel oder ein Schokoriegel? Absolut akzeptabel. Aber stellen Sie sich vor, Sie sitzen da, warten auf eine Wundversorgung und plötzlich umgibt Sie eine Duftwolke aus Knoblauch und Zwiebeln. Als würde ein unsichtbarer Döner-Geist durch den Raum schweben und seinen Duft in jede Ecke der Notaufnahme verbreiten. Ist das wirklich notwendig? Wir sagen „Nein!“ und fordern eine Geldstrafe für jeden, der glaubt, in der Notaufnahme herzhafte Müffel-Speisen verzehren zu müssen.

Glücklich ist derjenige, der in der Notaufnahme einen Sitzplatz findet.
Hobby-Mediziner mit Google-Abschluss
Egal zu welcher Zeit man die Notaufnahme aufsucht, im Wartebereich gibt es immer mindestens eine Person, die das starke Verlangen verspürt, sowohl die anderen Patienten als auch das Pflegepersonal mit medizinischen Ratschlägen zu belästigen. Wir fordern daher empfindliche Geldstrafen für Aussagen wie „Meine Oma hatte so etwas Ähnliches. Glauben Sie mir, da hilft ein Kräuterquark-Einlauf wahre Wunder!“ oder „Mir egal, ob Sie seit 20 Jahren als Arzt praktizieren, aber ich hab’ das gegoogelt!“
Ungeduldige Nervensägen
Die Notaufnahme ist ein Ort, an dem die Zeit manchmal stillzustehen scheint und an dem die Minuten sich in Stunden verwandeln können. Ja, das nervt, doch man sollte nicht vergessen, dass auch alle anderen Patienten warten müssen und das Personal so schnell arbeitet, wie es eben geht. Wer trotzdem ungeduldig auf dem Stuhl hin und her rutscht, herummeckert und sich lautstark beschwert, geht allen anderen auf die Nerven und sollte mit einer „Egoismus-Gebühr“ belegt werden. Vielleicht hilft das bei der Erkenntnis, dass der eigene Zustand nicht zwangsläufig das vorrangigste medizinische Problem im Raum ist.
Drama-Queens und -Kings
Ein Aufenthalt in der Notaufnahme ist selten ein Ausflug ins Vergnügen. Aber jeder Einzelne von uns hat die Möglichkeit, diese Erfahrung für seine Mitmenschen ein wenig erträglicher zu gestalten. Eine einfache, aber effektive Methode ist beispielsweise, das theatralische Jammern und Wehklagen auf ein Minimum zu reduzieren. Es ist nicht nötig, sich aufzuführen, als ob man den Oscar für die beste dramatische Darstellung gewinnen möchte. Das Personal erkennt auch ohne Gezeter und Geschrei, wie ernst der medizinische Notfall ist.

Einlieferung in die Notaufnahme.
Märchenerzähler
Noch schlimmer als Drama-Queens sind die medizinischen Märchenerzähler. Das sind diejenigen, die glauben, dass sie schneller behandelt werden, wenn sie ihre Symptome mit einer Prise Kreativität würzen. Doch Ärzte können echte Notfälle von den vorgetäuschten unterscheiden – so wie ein Sommelier einen guten Wein von einem schlechten unterscheiden kann. Manchmal spielt jedoch auch Schamgefühl eine Rolle und man erfindet eine kreative Ausrede, um die Anwesenheit der Glühbirne im Anus zu erklären. Da jede Unwahrheit in der Notaufnahme unnötig Zeit kostet und das Leid echter Notfälle verlängert, sollte man solche Geschichtenerzähler mit besonders saftigen Geldstrafen belegen.
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Handy-Terroristen
Es ist lobenswert, wenn jemand seine Instagram-Follower auf dem Laufenden halten möchte. Allerdings ist die Notaufnahme weder für Selfies noch für Videotelefonate à la FaceTime der richtige Ort. Niemand, der mit einem gebrochenen Fuß in der Notaufnahme sitzt, würde gerne in der Instagram-Story eines Fremden landen. Genauso wenig möchte man laute Telefonate über Beziehungskrisen oder Verdauungsprobleme mithören. Und wenn die Kids im Wartebereich auf dem Handy Fortnite oder Minecraft spielen, muss die Lautstärke auch nicht auf Anschlag gestellt werden.
Party-Kanonen
Es ist Freitagabend, Freunde sitzen zusammen und schauen zu tief ins Glas. Plötzlich hat jemand den genialen Einfall, den Schnaps vor dem Trinken zu entzünden. 20 Minuten später stehen sie ohne Augenbrauen und mit ernsthaften Verbrennungen in der Notaufnahme. Schwankend und lallend versuchen sie die Situation mit lustigen Sprüchen und Gesang aufzulockern. Tatsächlich machen sie dem medizinischen Personal das Leben aber nicht leichter, sondern schwerer. Viel schwerer. Kurz: Wer hackedicht in der Notaufnahme auftaucht, sollte einfach die Klappe halten oder ordentlich zur Kasse gebeten werden.
Ahmet Iscitürk
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