Anstieg um mehr als 50 Prozent: Illegale Migration explodiert an Grenzen zu Niederlande, Frankreich, Luxemburg
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Seit 2023 gibt es so viele illegale Migranten in Deutschland wie seit 2015 nicht mehr. Zwar sind die Zahlen seit den stationären Grenzkontrollen im Oktober vergangenen Jahres gesunken – doch sie bewegen sich immer noch auf einem hohen Niveau. Die Migrationskrise nimmt nicht ab. Schon jetzt wurden rund 160.140 Asyl-Erstanträge gestellt.
Neue Zahlen, die NIUS exklusiv vorliegen, zeigen: Jetzt ändern die Schleuser ihre Route!
Besonders die sogenannte Ostroute war bisher DIE illegale Migrationsroute Nr. 1. Die Ostroute – über Russland, Belarus und Polen nach Deutschland – ist einer der wichtigsten Routen. Laut internen Papieren der Bundespolizei gab es auf diesem Weg im Jahr 2023 eine Steigerung der illegalen Migration von 141 Prozent. Denn: Russlands Präsident Wladimir Putin steuert die Ströme nach Europa.
Der Migrationsdruck auf der Ostroute nach Europa hält auch weiter an, wie es aus Kreisen der Bundespolizei heißt. Die Baltikum-Staaten beklagen weiterhin eine große Bewegung an ihren Grenzen. Dies sorgte dafür, dass vor allem der Druck an den deutschen Ostgrenzen zu Polen, Tschechien und Österreich enorm stieg. Letztes Jahr erlebten die Beamten dort Rekordzahlen. Deshalb führte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) Kontrollen an den Grenzen zu diesen Nachbarstaaten ein.
ABER: Nun nimmt durch die monatelangen stationären Grenzkontrollen der Druck an Deutschlands Ostgrenzen leicht ab – dafür steigen plötzlich und überraschend die Zahlen an den deutschen Westgrenzen. Die im Sommer gestiegene illegale Migration über das Mittelmeer erreicht nun verstärkt Deutschland.
Offenbar könnten dort die Dunkel-Zahlen noch höher sein. Polizeigewerkschafter Heiko Teggatz warnt, der Staat müsse die Kontrolle zurückbekommen. Denn „auch hier ist es die hohe Kontrolldichte, die dazu führt, überhaupt etwas festzustellen.“

16. September: Die Bundespolizei kontrolliert nun auch an der Grenze zu Frankreich.
So steigen die Zahlen an der westdeutschen Grenze
Interne Bundespolizei-Papiere zeigen: An der Grenze zu den Niederlanden steigt Ende des Sommers die illegale Migration um 30 Prozent. Für den Monat August wurden 270 unerlaubte Einreisen registriert.
An der deutsch-französischen Grenze verzeichnen die Beamten sogar ein Plus von 56 Prozent. Letzten Monat wurden 890 Migranten festgestellt, die illegal einreisten. Im Vergleich zum vorherigen Monat ist das mehr als die Hälfte mehr. Bedeutet: Es entsteht dort eine neue Dynamik. Die Bundespolizisten: sind alarmiert!
Noch stärker stiegen die Zahlen ad hoc an der Grenze zu Luxemburg an. Zuvor gab es von dort aus nahezu kaum irreguläre Einreisen nach Deutschland. Doch jetzt verzeichnet die Bundespolizei intern an der Grenze ein Plus von 65 Prozent! Um die 110 Personen wurden hier aufgegriffen.

18. September: Polizisten sind an Frankreichs Grenze zu Italien am Grenzposten Saint Ludovic in Menton. Auch Frankreich plant eine härtere Grenzpolitik.
Erst seit dem 16. September gibt es Kontrollen an ALLEN Landgrenzen.
Ziel Deutschland: Zahlen über die Mittelmeerroute steigen!
An allen Landgrenzen gäbe es laut internem Papier – Stand jetzt – ca. 7100 illegale Einreisen im Monat. Im Vorjahreszeitraum waren es noch um die 14.701 Stück. Über den Luftweg kamen im August 1300 Menschen in Deutschland an.
Aktuell verzeichnen die Hotspot-Grenzen Österreich (- 46 Prozent), Schweiz (- 25 Prozent), Polen (- 47 Prozent) und Tschechien (- 68 Prozent) ein Minus. Die Zahlen dort sind im Vergleich zu anderen deutschen Landgrenzen immer noch am höchsten. So registrierten die Bundesbeamten allein im August 1160 illegale Grenzübertritte zu Österreich, 1300 zu Polen, 1000 zur Schweiz und 600 zu Tschechien.

16. September: Ein spanisches Boot bringt 67 Migranten an den Hafen von La Restinga.
Der Grund für die Verschiebung der illegalen Migration zur westdeutschen Grenze ist, dass EU-Länder wie Österreich und Polen ihre Kontrollen an ihren Grenzen nochmals verstärkt haben, wodurch die Einreise über die Ostroute und die Balkanroute nach Deutschland derzeit abnimmt.
Zugleich steigen die Zahlen über die Mittelmeerroute seit Sommer an – Sicherheitsbehörden erwarten sogar, dass die Zahlen im Herbst nochmal explodieren könnten. Die illegalen Migranten an der französisch-deutschen Grenze würden dann hauptsächlich über die Mittelmeerroute gekommen sein, heißt es.
Polizeigewerkschaftler warnt: Dunkelziffer höher
Der Chef der Deutschen Bundespolizeigewerkschaft, Heiko Teggatz, erklärt gegenüber NIUS, dass sich der Rückgang der Feststellungen im Süden und Osten der Bundesrepublik zum einen „auf die extrem hohe Kontrolldichte der Bundespolizei in den Grenzkontrollen“ zurückführen lasse.
Zum anderen sei der „bei unseren Nachbarn ausgelösten Dominoeffekt“ ein wesentlicher Grund. Denn „auch Polen und Österreich haben ihre Kontrollen an ihren Grenzen intensiviert. Dass die Anzahl der Feststellungen im Westen leicht zugenommen hat, ist der Tatsache geschuldet, dass die Bundespolizei während der EM überhaupt stationär kontrolliert hat“, erklärt Teggatz.

Chef der Deutschen Bundespolizei: Heiko Teggatz
Heißt im Klartext: Die Dunkelziffer an illegalen Einreisen könnte an der westdeutschen Grenze größer sein. Viele irreguläre Übertritte an diesen Grenzen wurden im Frühjahr und Sommer also möglicherweise gar nicht festgestellt. Die EM-Grenzkontrollen fanden vom 7. Juni bis zum 19. Juli statt, die stationären Grenzkontrollen begannen erst ab dem 16. September.
Polizeigewerkschafter Teggatz meint: „Auch hier ist es die hohe Kontrolldichte, die dazu führt, überhaupt etwas festzustellen. Kurzum: Grenzkontrollen sind wichtige Bausteine zur Eindämmung der illegalen Migration.“ Deshalb fordere Teggatz konsequente Zurückweisungen. „In Kombination mit konsequenten Zurückweisungen, einer drastischen Reduzierung der Pull-Faktoren und einer Rückführung derer, die kein Bleiberecht in Deutschland haben, wird die Sache rund. Nur so kann der Staat die Kontrolle zurückgewinnen.“
Zara Riffler
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