Aus Post wird DHL: Eine deutsche Tragödie
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Die Deutsche Post benennt sich um und tritt künftig unter dem Namen DHL Group auf. Auch wenn es eigentlich kein Schwein interessiert, fühlt sich diese Namensänderung an, als würden wir eine deutsche Ikone beerdigen.
Die Deutsche Post ist so alt, dass es uns nicht überraschen würde, wenn Archäologen zufällig den Maxibrief finden, in dem Martin Luther seine 95 Thesen verschickt hat. Das Unternehmen ist tief mit der deutschen Geschichte verwurzelt, genau wie Bier, Bratwurst und Bürokratie. Es hört nun auf den Namen DHL Group, was zunächst nach Boyband klingt, aber tatsächlich die Initialen der Gründer des US-Paketdienstes repräsentiert, den die Post vor 21 Jahren übernommen hat. Wir gingen jahrelang davon aus, dass „DHL“ für „Deutsche Helden der Logistik“ steht, dabei sind es Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn.
Es ist so, als würde man den Kölner Dom in „Cathedral 2.0“ umbenennen, aber letztlich ist der Schritt nur konsequent. Warum sollte man nicht den Namen wählen, der mittlerweile für 90 Prozent des Konzernumsatzes steht? Tatsächlich ist nur noch ein Drittel der rund 600.000 Beschäftigten im einstigen Kerngeschäft tätig. Durch die Umbenennung möchte das Unternehmen betonen, dass das Auslandsgeschäft eine zentrale Rolle in seiner Geschäftsstrategie spielt.
Unnötiges Rebranding?
Der SPD-Abgeordnete Sebastian Roloff nennt die Entscheidung des Konzerns nicht nachvollziehbar und bezweifelt den Nutzen der Umbenennung. Kein Wunder, denn Politiker sind daran gewöhnt, dass Dinge ihren Namen behalten, auch wenn sich ihre Bedeutung verändert. Gute Beispiele dafür sind „Gesundheitswesen“ oder „bürgerliche Mitte“. Andererseits kann nicht bestritten werden, dass manche Namensänderungen negative Auswirkungen haben. Denken Sie nur mal an Georg Kellermann oder Yahoo. Kein Mensch kennt den Namen Altaba, aber alle erinnern sich an Yahoo.
Trägt der neue Name dazu bei, die Bedeutung des Auslandsgeschäfts zu betonen und die Marke zu stärken, oder führt er letztlich nur zum Verlust der Identität und Tradition der Deutschen Post?
Man sollte vielleicht daran erinnern, dass die Deutsche Post bereits mehrfach ihren Namen geändert hat. Nach der Privatisierung in den 1990er-Jahren wurde aus der staatlichen Deutschen Bundespost die Deutsche Post. Anschließend firmierte der gelbe Riese als Deutsche Post World Net.
Alles bleibt anders
Für uns ändert sich eigentlich kaum etwas, denn die Marken Deutsche Post und DHL sollen hierzulande wie bisher weiterverwendet werden. Auch an der Börse wird der Konzern weiterhin unter dem Namen Deutsche Post AG geführt, lediglich das Börsenkürzel wird von „DPW“ auf „DHL“ geändert. Warum also der ganze Rummel um die Namensänderung? Warum nicht einen echten Neustart wagen und sich „GEIL“ (Genial edelmütige internationale Logistik) nennen? Vielleicht tun wir Deutschen uns generell mit Veränderungen schwer. 2009, als ich noch türkischer Staatsbürger war, hätte mich dieses Thema jedenfalls weniger emotional berührt.
Ahmet Iscitürk
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