CDU-Politiker kritisiert Islamisten-Gruß: „Rüdiger müsste als gläubiger Muslim wissen, dass IS dieses Zeichen als Machtanspruch nutzt“
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Wirbel um den Nationalspieler Antonio Rüdiger!
Am Samstag zeigte Rüdiger als Abwehrchef der Nationalmannschaft gegen Frankreich eine Mega-Leistung. Doch zwei Wochen vorher zeigte er eine Geste, die nun für großes Aufsehen sorgt: ein ausgestreckter Zeigefinger, die sogenannte Tauhid-Geste (NIUS berichtete). Die Islam-Expertin Susanne Schröter meint nun im Gespräch mit NIUS: „Er bedient sich der Bildsprache von Salafisten.“ Und auch der CDU-Politiker Ali Ertan Toprak sagt: „Rüdiger müsste als gläubiger Muslim wissen, dass IS dieses Zeichen als Machtanspruch nutzt.“
Darum geht es: Am 11. März (zweiter Tag des muslimischen Fasten-Monats Ramadan) veröffentlichte Rüdiger ein Foto. Darauf zu sehen: Wie er ganz in Weiß auf einem Gebetsteppich kniet. Aus der rechten Hand reckt er den Zeigefinger nach oben. Dazu der Text: „Einen gesegneten Ramadan an alle Muslime weltweit. Möge der Allmächtige unser Fasten und unsere Gebete annehmen.“
Auch Anis Amri zeigte die Geste
Bei der Geste handelt es sich um das sogenannte Tauhid-Zeichen im Islam, das als Geste des Glaubens genommen wird („Es gibt keinen Gott außer Allah“). ABER: Dieselbe Geste wird auch von islamistischen Extremisten wie Salafisten und dem Islamischen Staat (ISIS) benutzt. Besonders bekannt ist die Geste seit den Horror-Taten der ISIS-Schlächter auf der ganzen Welt. Auch der Islamist des Berliner Breitscheidplatz-Attentats, Anis Amri, posierte kurz nach seiner blutigen Tat vor einer Überwachungskamera mit dem ausgestrecktem Zeigefinger.

Abwehrchef und Nationalspieler: Antonio Rüdiger
Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärt in „Salafismus in Deutschland“ (2019): „Dass Salafismus gelegentlich als Subkultur oder Jugendsubkultur bezeichnet wird, hängt neben der Kleidung auch mit den verwendeten Sprachcodes zusammen. (...) Ebenso verhält es sich mit Symbolen. Am bekanntesten dürfte der nach oben gerichtete einzelne Zeigefinger sein, von Medien als „IS-Finger“ betitelt. Dieser symbolisiert die unteilbare Einheit Gottes („tawhid“), die sich auch im Diesseits in der Einheit von Religion und Staat widerspiegeln soll. Er wird nicht nur von IS-Anhängern, sondern ebenfalls von deren Sympathisanten und Salafisten genutzt.“
Sollte man sich als deutscher Nationalspieler mit Millionen Followern (über 8,6) nicht bewusst sein, welche Symbolik man mit solch einer Geste verbreiten könnte? Ist der von Rüdiger nach oben gerichtete Zeigefinger NUR eine rein religiöse Geste – oder beinhaltet er doch irgendwo gar versteckte Sympathien?
„Müsste wissen, dass Islamisten dieses Zeichen auch nutzen“
Der Migrationsexperte Ali Ertan Toprak (CDU) sagt gegenüber NIUS: „Er müsste als gläubiger Muslim wissen, dass der IS und andere Islamisten dieses Zeichen als Machtanspruch nutzen. So weltfremd kann er nicht sein, als dass er das nicht wüsste, als er sich in kompletter Gebetsmontur beim Gebet mit diesem Zeichen auf seiner Instagram-Seite ablichten ließ.“
Toprak kritisert weiter: „Und übrigens zur Info an alle moralisch auf der richtigen Seite stehenden Deutschen, die uns wieder einmal belehren, dass dieses Zeichen nicht automatisch ein Zeichen der Islamisten sei. Öffentliches zeigen der eigenen Ergebenheit gegenüber Allah ist „schirk“, also Gotteslästerung. Und demzufolge laut Koran zu verurteilen. Das machen nur Islamisten! Jede berechtigte Kritik an Muslimen oder Migranten ist nicht per se muslimfeindlich oder rassistisch. Der ausgestreckte Zeigefinger allein ist noch nicht verdächtig, aber die demonstrative Geste ist eindeutig. Kein frommer Mensch, der friedlich seine Religion lebt, zeigt den Finger öffentlich in solch einer Montur. Dies ist eine politische Demonstration.“
Islam-Expertin: „Er bedient sich der Bildsprache von Salafisten“
Die renommierte Islam-Expertin Susanne Schröter erklärt zu NIUS: „Der ausgestreckte Finger allein ist kein Symbol islamischen Extremismus, sondern bedeutet ein Bekenntnis zum Tauhid, der Einheit Gottes. Beim Gebet wird die Geste beispielsweise genutzt. Allerdings nicht in einer demonstrativen und nach Außen gerichteten Form. Das Bild, das Antonio Rüdiger postet, zeigt kein religiöses Ritual, stellt keine Versenkung ins Gebet dar, sondern ist eine Inszenierung, die sich an den Betrachter richtet.“
Die Professorin erklärt weiter: „Er bedient sich dabei der Bildsprache von Salafisten, die den ausgestreckten Finger als Zeichen eines Machtanspruchs verwenden. Popularisiert wurde sie vor allem von dschihadistischen Gruppen wie dem IS, der sie als Erkennungszeichen, Kampfansage und als Zeichen der Überlegenheit des Islam gegenüber allen anderen Religionen nutzte und noch immer nutzt.“

Die renommierte Islamismus-Expertin Susanne Schröter glaubt nicht an „Zufälle“. Zu NIUS sagt die Professorin: „Ich gehe davon aus, dass Antonio Rüdiger sich bewusst in dieser Form im Internet präsentiert hat.“
Schröter deutlich: „Ich gehe davon aus, dass Antonio Rüdiger sich bewusst in dieser Form im Internet präsentiert hat. Vor drei Jahren fiel er bereits mit dem Liken eines islamistischen Posts in den sozialen Medien auf und ruderte zurück, als dies in der Presse zum Thema wurde. Dass er sich jetzt wieder in einen solchen Kontext stellt, ist wohl kein Zufall. Es ist wichtig zu verstehen, dass Islamismus nicht gleichbedeutend mit dem Islam als heterogene Weltreligion ist. Salafisten nutzen gerne allgemeine islamische Symbole, denen sie eine spezifische Bedeutung geben. Es wäre gut, wenn sich Muslime von der Instrumentalisierung durch Radikale abgrenzen würden.“
Unions-Fraktionsvize: Mit „einer von Islamisten missbrauchten Geste tut sich und vielen friedliebenden Muslimen in Deutschland keinen Gefallen“
Lindholz kritisert: „Mit dem unkommentierten Zeigen einer zuletzt vor allem von Islamisten missbrauchten Geste tut er dagegen sich und den vielen friedliebenden Muslimen in Deutschland keinen Gefallen.“
Der Politologe und Islamismus-Kritiker Hamed Abdel-Samad sieht das anders. Auf X schrieb er zu der Causa Rüdiger: „Antonio Rüdiger hat meine Solidarität. Ich finde es abscheulich, gegen ihn wegen einer harmlosen Geste zu hetzen, während man die wahren Islamisten im Lande in Ruhe lässt und sogar politisch hofiert. Entspannt euch ein Bisschen!“
Ahmad Mansour, Migrationsexperte und Psychologe, teilte auf X mit, es sei „falsch“ Rüdiger „Extremismus“ zu unterstellen. Mit diesem Bild würden Dinge verbunden, „die Antonio Rüdiger bestimmt nicht beabsichtigt hat“. Zugleich betont Mansour: „Die Wirkung auf junge Menschen ist gewaltig, vor allem auf diejenigen, die ihre Religion als das einzige identitätsstiftende Merkmal verstehen. Ich glaube, dass der DFB seine Hausaufgaben machen muss, wenn es darum geht, Spieler für bestimmte Themen zu sensibilisieren.“
Zara Riffler
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