CDU-Urgestein Bosbach über AfD-Zuwachs: „Wähler-Beschimpfung holt niemanden zurück“
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- CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach hält es für falsch, AfD-Wähler zu stigmatisieren.
- Die Partei habe ein rechtsextremes Fundament – doch das gelte nicht für die Mehrheit ihrer Wähler.
Keine Partei gewinnt derzeit so viele Wähler hinzu wie die AfD – jedenfalls laut der jüngsten Umfragen, in denen die rechte Partei, rechtsextreme unter sich duldet auf bis zu 20 Prozent kommt.
Wähler der AfD werden in politischen Debatten oft mit den Extrem-Positionen der Partei gleichgesetzt und selbst als „rechtsextrem“ diffamiert. CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach hält das für keine Idee: „Ich mache jetzt 51 Jahre Politik. Beschimpfung der Wähler, die sich anders entschieden haben, als man sich das selber wünscht, war noch nie ein Erfolgsrezept“, sagte er im Rahmen der Reportage „Jeder Fünfte! Menschen erklären, warum sie die AfD wählen“ bei „Achtung, Reichelt!“.
„Selbstverständlich“, so Bosbach, habe die AfD „ein rechtsextremes Fundament“ und würde sich auch nicht um eine Trennung zwischen konservativen und rechtsextremen Positionen bemühen. „Aber das gilt doch nicht für die Mehrheit der Wählerinnen und Wähler“, so der CDU-Politiker.
Was nicht links-grün ist, muss rechts und populistisch sein
Es sei eine Art links-grüner Reflex, Andersdenkende schnell als rechts oder populistisch zu bezeichnen. „Das ist ja der große Vorteil, wenn man sagt alles Extremisten, alles rechts, alles Populisten – damit sind die schon mal weg aus dem politischen Diskurs in der Mitte. Das ist aber der schlechteste Weg, wenn man auch die Anhänger AfD Wähler wie für die politische Mitte zurückzugewinnen will“, so Bosbach.
Doch auch der Union gelinge es nicht, Bürger, die sich enttäuscht von der Politik der Ampel-Regierung abwenden, für sich zu gewinnen. „Weil die Union in puncto kernige Sprüche mit der AfD nicht mithalten kann – und ich möchte gar nicht, dass meine Union, der ich 51 Jahre angehöre, jetzt plötzlich einen solchen rechtsradikalen oder rechtspopulistischen Kurs einschlägt. Wir würden in der Mitte mehr verlieren, als wir am rechten Rand neu gewinnen würden“, so Bosbach.
Die Union solle in Bosbachs Augen eine bessere politische Alternative darstellen, konstruktive Oppositionspolitik machen und keine Neinsager-Partei um des Neinsagen willens sein.
Und AfD-Wählern ruft Kanzler der Herzen zu: „Wer mit bei der AfD sein Kreuz macht, muss wissen, dass er im Ergebnis stramme Rechtsextremisten unterstützt.“
Julius Böhm
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