Dank PCR-Tests: Drosten machte Immobilien-Millionär noch reicher
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- Schon vor 2020 war er steinreich, Corona bescherte ihm weitere hunderte Millionen: Olfert Landt profitierte wie wenige Deutsche von der Pandemie.
- Seit vielen Jahren steht der Biochemiker und Unternehmer mit Charité-Professor Christian Drosten in Kontakt.
- Diese Verbindung half ihm, als erster einen PCR-Test auf Sars-Cov-2 auf den Markt zu bringen. Er profitierte also von steuerfinanzierter Forschung, während der Steuerzahler leer ausging.
Es ist Januar 2020 und tiefe Nacht, als Olfert Land mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn am Esstisch sitzt und in akribischer Feinarbeit Pakete verklebt. Es ist eine Szene, die Medien lieben, und die immer wieder aufgegriffen wird: der kauzige Wissenschaftler mit den zerzausten Haaren, der in selbstlosen Nachtaktionen die Menschheit rettet.

Der Wissenschaftler Olfert Landt hat sein Syntheselabor für fast eine halbe Milliarde an das Pharmaunternehmen Roche verkauft.
Die Pakete enthalten ein Produkt mit der Erfolgsformel, die jedem Unternehmer Freudentränen in die Augen treibt: Es ist moralisch völlig überladen, jede Kritik daran wird zur Menschenfeindlichkeit skandalisiert. Und das Beste: Das Marketing übernehmen Politik und Medien. Es geht um den PCR-Test auf SarsCov2, der zu jener Zeit zum Kippschalter zwischen tödlicher Seuchen-Verbreitung und dem Überleben der Menschheit hochstilisiert wird.
Umsatzsteigerung von sieben auf 54 Millionen
Dabei ist Olfert Landt vor allem eins: ein Unternehmer mit mehreren Immobilienunternehmen und Vermögensverwaltungen. Und er hat einen neuen Goldesel, der bislang eher nebenher mitlief: ein kleines Labor, das als TIB Molbiol Syntheselabor GmbH firmiert und auf die Herstellung von PCR-Testkits spezialisiert ist.
Seit jener Nacht hat das Unternehmen weit über 60 Millionen Tests ausgeliefert und seinen Gewinn enorm gesteigert: Von sieben Millionen im Geschäftsjahr bis März 2019, auf 14 Millionen 2020, auf 54 Millionen im Jahr 2021.

Der Biochemiker Olfert Landt in seinem damaligen Labor in Berlin-Tempelhof.
Im Dezember 2021 übernimmt der Pharmakonzern Roche 100 Prozent der TIB Molbiol. Über den Kaufpreis wird Stillschweigen vereinbart, doch im Mai 2023 offenbart ein Geschäftsbericht, welche gigantische Summe geflossen ist: 492 Millionen Euro, fast eine halbe Milliarde.
Der Grund für diese enorme Umsatzsteigerung ist einfach: Landts Unternehmen ist das erste, das PCR-Testkits für das Sars2-Virus herstellt. Bereits am 10. Januar 2020 startete man mit der Auslieferung. Und das, obwohl die Virus-Sequenz erst am 13. Januar in der offiziellen Genproben-Datenbank landet.
Christian Drosten, Professor für Virologie an der Charité, holt Landt mit in ein Forscher-Team, das den PCR-Test auf Sars-Cov-2 entwickelt. Die Gensequenzen lassen die Wissenschaftler bereits früh im Januar 2020 aus China kommen.

Charité-Professor Christian Drosten hat seinem Arbeiteber die Erfindung des PCR-Test-Protokolls für Sars-Cov-2 nicht gemeldet.
Drosten verhilft Unternehmer zum Marktvorteil
Drosten und Landt stehen zu jenem Zeitpunkt bereits seit vielen Jahren in Kontakt. Von 2009 bis heute haben sie neun Paper miteinander publiziert, beispielsweise zu MERS, der Schweinegrippe und Gelbfieber. Bereits vor der Pandemie konnte Landt mit seinem kleinen Syntheselabor häufig sehr früh Test-Kits anfertigen, wenn ein neuer Erreger auftrat.
In einem Interview mit der taz aus dem März 2020 erzählt er stolz: „Wir waren schon 2003 bei der Sars-Pandemie mit die Ersten, später auch bei der Geflügelpest und der Schweinegrippe. Direkt als wir den Test fertig hatten, haben wir Kits nach Hongkong und Taiwan geschickt, weil wir wussten, dass es da Fälle gibt.“
In allen Fällen arbeitet er dabei mit Drosten zusammen, der als verbeamteter Professor an der Charité mit Steuermitteln finanzierte Forschung betreibt – und damit offensichtlich häufig dem gleichen Unternehmen zu extremen Marktvorteilen verhilft, denn der erste zu sein ist ein klarer Marktvorteil.
Drosten entschied eigenmächtig über Veröffentlichung
Die Charité selbst verdient hingegen nichts an dem Test. Sie lässt ihn nie patentieren, obwohl das normalerweise ein übliches Vorgehen ist. Doch warum? Auf NIUS-Anfrage erklärt eine Sprecherin: „Grundlage für eine Patentierung ist eine Erfindungsmeldung. Das PCR-Testprotokoll für Sars-Cov-2 wurde nicht als Erfindung gemeldet.“
Heißt im Klartext: Der Leiter der Virologie, Professor Drosten, entschied damals eigenmächtig über eine Veröffentlichung, ohne seinen Arbeitgeber zu informieren. Damit war es der Charité im Nachhinein nicht mehr möglich zu patentieren.
Die Charite stellt sich schützend vor ihren Professor, schreibt auf NIUS-Anfrage, die Publikation des Dokuments sei „für die Bewältigung der akuten Pandemiefolgen“ wichtig gewesen, weswegen die Ergebnisse veröffentlicht und die Informationen breit zur Verfügung gestellt wurden.

An der Charité wird durch Steuergelder finanzierte Forschung betrieben.
Auch der Berliner Rechnungshof sieht in dem Vorgehen kein Problem, verweist gegenüber NIUS auf die Wissenschaftsfreiheit. „Rechnungshöfe haben auf Belange der Wissenschaftsfreiheit Rücksicht zu nehmen. Dazu gehört auch eine große Zurückhaltung bei der Frage, wie Forschungsergebnisse zu verwerten sind.“
Doch so einfach ist es nicht: Der Wissenschaftler wäre laut Arbeitnehmererfindergesetz dazu verpflichtet gewesen, seinem Arbeitgeber die Erfindung zunächst zu melden. Die Entscheidung, ob ein Patent angemeldet und kommerziell verwertet wird oder nicht, obliegt diesem dann allein.
Privat-Unternehmen machten Milliardengewinne
Bei SARS1 hatte das Bernhard-Nocht-Institut, bei dem Drosten damals angestellt war, den Test beispielsweise patentieren lassen. Auch einen weiteren - sehr viel weniger lukrativen – Antikörpertest auf Sars-Cov-2 ließ die Charité einen Monat später, im Februar 2020, patentieren. Da die Gensequenz damals noch nicht bekannt war, hätte eine Patentanmeldung mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit Erfolg gehabt.
Gewinne erwirtschafteten mit Sars-Cov-2-PCR-Tests deshalb nur Privatunternehmen. Laut Recherchen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR zahlten Staat und Krankenkassen sechs Milliarden Euro für die verschiedenen Tests, die inzwischen auf dem Markt sind.
Interessenkonflikt oder nicht?
Das Feld „Interessenskonflikte“ der Publikation zum Sars2-PCR-Test bleibt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch leer. Erst ein halbes Jahr später, am 29. Juli, nachdem Kritik aufkommt, wird dort als „Interessenskonflikt“ nachgetragen, dass Landt, einer der involvierten Wissenschaftler, nebenbei Unternehmer ist, und Geld mit den Tests verdient.
Dass Landts Mitarbeit einen Interessenskonflikt darstellt, liegt auf der Hand: Seine enge Verbindung zur Charite war ganz offensichtlich der Grund dafür, dass sein kleines Syntheselabor deutlich schneller auf dem Markt war als die Konkurrenz.
Indem Drosten der Charite seine Erfindung nicht meldete, verstieß er klar gegen die Interessen des Steuerzahlers, auf dessen Kosten er das Protokoll entwickelte, um dieses dann ungeschützt Privatunternehmen zur Vermarktung zu überlassen.

Das Firmengeflecht von Olfert Landt umfass mehrere Unternehmen.
Landt gründet Stiftung
Im Januar 2023, ein gutes Jahr, nachdem er TIB Molbiol für eine halbe Milliarde verkauft hat, gründet Olfert Landt eine Stiftung, die Landt Foundation gUG. Zweck der Stiftung sind unter anderem: „Gemeinnützige Projekte im In- und Ausland, die Förderung der Entwicklungszusammenarbeit und Entwicklungshilfe, Förderung der Erziehung, Volks- und Berufsbildung einschließlich der Studentenhilfe, Förderung der Hilfe für politisch, rassisch oder religiös Verfolgte, für Flüchtlinge, Vertriebene, Kriegsopfer, Kriegshinterbliebene, Kriegsbeschädigte und Kriegsgefangene.“

Im Januar 2023, ein gutes Jahr, nachdem er TIB Molbiol für eine halbe Milliarde verkauft hat, gründet Olfert Landt eine Stiftung.
390 Millionen Euro Corona-Fördergelder
An einer Stelle verschenkte die Charité sinnlos Steuergeld – um es an anderer Stelle vom Staat zu kassieren. Ende März 2020 stellte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) 150 Millionen Euro zur Verfügung, um die Forschungsaktivitäten der deutschen Uni-Kliniken „zur Bewältigung der Covid-19-Pandemie zu stärken“ – auf Initiative des Charité-Vorstandsvorsitzenden Heyo Kroemer und des Direktors der Virologie, Christian Drosten.
Die 36 Uni-Kliniken in Deutschland verantworten einen Großteil der medizinischen Forschung in Deutschland, trotzdem sind 150 Millionen, gemessen an den üblichen Förderbeträgen, ein ungewöhnlich hoher Betrag.
Ende November 2020 beschloss die Bundesregierung, das Forschungsnetzwerk auch nach 2021 zu unterstützen – mit 80 Millionen Euro jährlich beziehungsweise mit insgesamt 240 Millionen Euro bis zum Jahr 2024. Insgesamt sind das 390 Millionen Euro Förderung für Covid-19-Forschung.
Janina Lionello
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