Cash-Kurs fürs Leben: Wir brauchen Geld als Schulfach
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Finanzielle Bildung darf kein Privileg sein – ich fordere das Schulfach „Geld“!
Der Sommer ist vorbei, in manchen Bundesländern hat das neue Schuljahr schon begonnen, in anderen geht es bald wieder los. Zwischen August und September werden in ganz Deutschland Sechs- und Siebenjährige aus dem Nest gestoßen, um für die nächsten neun bis dreizehn Jahre ihres Lebens die Schulbank zu drücken. Sie werden in die Grundlagen der Mathematik eingeführt, sie werden Goethe und Schiller lesen, mit Lindbergh erste Flugversuche unternehmen, mit Edison die Geheimnisse der Elektrizität ergründen und eine praktikable Glühbirne entwickeln. Einstein wird ihnen dabei helfen, eine Idee von Raum und Zeit zu bekommen, und zusammen mit Nietzsche werden sie die Bedeutung von Moral, Wahrheit und Gesellschaft hinterfragen.
Zweifellos wird es eine wilde und spannende Fahrt, aber eine lebensnotwendige Grundlage wird auch dieser Generation zukünftiger Hoffnungsträger vermutlich vorenthalten bleiben: Finanzielle Bildung. Während Algebra und Gedichtinterpretationen zweifellos ihren Wert haben, wird das alltägliche Rüstzeug für den Umgang mit Geld in der Schule nach wie vor und bis auf weiteres vernachlässigt. Und das sollte so auf keinen Fall bleiben: Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Instabilität, wie wir sie aktuell erleben, ist es an der Zeit, endlich ernsthaft über die Einführung eines Schulfachs "Geld" nachzudenken.
Unser Bildungssystem hat sich über die Jahre entwickelt und modernisiert. Klar, es muss den sich wandelnden Anforderungen der Gesellschaft gerecht werden. Dennoch klafft hier eine beachtliche Lücke, wenn es darum geht, jungen Menschen beizubringen, wie sie ihre finanzielle Zukunft selbst gestalten können. Die meisten Schüler absolvieren ihre Schullaufbahn ohne jemals grundlegende Konzepte wie Steuererklärungen, Budgetierung, Kreditmanagement oder Investitionen (kennen)gelernt zu haben. Egal, ob Gymnasiast oder Realschüler. Und das ist fatal! In der heutigen Zeit, in der der Arbeitsmarkt unsicher ist und die Preise steigen, ist finanzielle Kompetenz von entscheidender Bedeutung.
Die Forderung nach einem Schulfach „Geld“ ist keine politisch hochstilisierte Forderung, sie stellt eher die dringend notwendige Anpassung an die Realitäten des 21. Jahrhunderts dar.
Wir brauchen finanzielle Bildung
Die aktuelle Situation ist alarmierend: Laut dem Schuldneratlas ist allein in Berlin jeder zehnte unter 30-Jährige überschuldet. Diese alarmierende Statistik zeigt doch, dass viele junge Menschen mit den Herausforderungen der finanziellen Welt überfordert sind. Die Ursachen für diese Überschuldung sind vielfältig, aber fehlende finanzielle Bildung spielt zweifellos eine Rolle.
Laut einer Forsa Umfrage wünschen sich mehr als 90 Prozent der 16- bis 25-jährigen in Deutschland, in Geld- und Finanzthemen unterrichtet zu werden. Viele sind der Meinung, dass das Bildungssystem hier eine Lücke aufweist, die dringend geschlossen werden sollte. Sie möchten verstehen, wie sie ihre Finanzen verwalten können, wie sie für ihre Zukunft vorsorgen und wie sie kluge finanzielle Entscheidungen treffen können. Wieso also nicht schon in der Schule dementsprechend notwendige Grundlagen vermitteln?
In der aktuellen Folge von „Gio unzensiert“ zeige ich, wie wichtig es ist, finanzielle Bildung im Lehrplan zu verankern:
Deutschland hinkt hinterher
Die Forderung nach einem Schulfach „Geld“ ist bei weitem keine neue Idee. In anderen Ländern wie den USA oder Australien ist finanzielle Bildung bereits Teil des Lehrplans. Hier lernen Schülerinnen und Schüler die Grundlagen der Wirtschaft, Budgetierung und Investitionen bereits von einem jungen Alter an. Warum sollte Deutschland nicht nachziehen? Deutschland ist das einzige G20-Land, das bisher keine nationale Finanzbildungsstrategie eingeführt hat.
Einige Bundesländer wie NRW, Baden-Württemberg, Bayern und Thüringen haben bereits das Schulfach „Wirtschaft und Recht“ eingeführt, was einen Schritt in die richtige Richtung darstellt. Dennoch sind diese Initiativen oft optional und nicht flächendeckend.

Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger und Finanzminister Christian Lindner
Bildungsministerin fordert Schulfach für Finanzielle Bildung
Bildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP), befürwortet die Einführung eines eigenständigen Schulfachs für Finanzbildung. In einem Podcast des Finanzratgebers Finanztip betonte sie kürzlich, dass finanzielle Bildung eine wichtige Chance sei, um Menschen in die Lage zu versetzen, fundierte finanzielle Entscheidungen für ihre Lebenswege zu treffen. Zusammen mit Bundesfinanzminister Christian Lindner stellte sie bereits Anfang des Jahres drei Maßnahmen vor, darunter die Erarbeitung einer Finanzbildungsstrategie in Kooperation mit der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), die Schaffung einer Plattform für Finanzbildung und die verstärkte Forschung in diesem Bereich.

Christian Lindner beim Zukunftstag zum Thema finanzielle Bildung im Bundesministerium der Finanzen (Berlin, 24.08.2023)
Finanzielle Bildung ist Chancengleichheit
Die Forderung nach einem Schulfach „Geld“ ist eine praktische Maßnahme, um jungen Menschen schon früh die Werkzeuge an die Hand zu geben, die sie benötigen, um in einer komplexen finanziellen Welt erfolgreich zu sein. Es geht nicht darum, den bestehenden Lehrplan zu überladen, oder andere Schulfächer daraus zu verdrängen, sondern darum, Bildung relevanter und lebensnäher zu gestalten. In der Schule sollte nicht nur akademisches Wissen vermittelt werden, sondern auch praktische Lebenskompetenzen, die junge Menschen auf die Herausforderungen des Erwachsenenlebens vorbereiten. Finanzielle Bildung ist zweifellos eine dieser essenziellen Kompetenzen.
Die Einführung eines Schulfachs „Geld“ wäre ein wichtiger Schritt, um sicherzustellen, dass finanzielle Bildung nicht länger ein Privileg ist, sondern allen zugänglich gemacht wird. Unser Bildungssystem hat viele Mängel und es bedarf dringend einer Modernisierung. In einem aktuellen Artikel auf nius.de zeigen wir, dass es kurz vor dem Kollaps steht und dass Deutschland seine Kinder verliert – ein weiterer Grund, warum wir nicht nur in Sachen finanzielle Bildung handeln müssen. Die Politik muss hier unbedingt die Weichen für eine finanziell kompetente Zukunft stellen.
Giovanna Winterfeldt
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