„Die Ampel muss weg!“ Bauern-Sprechchöre bei Özdemirs Ländle-Heimspiel
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Stadthalle Ellwangen am Mittwochvormittag: Bundeslandwirtschaftminister Cem Özdemir betritt den Saal – und wird ausgepfiffen! Danach singen Landfrauen „Die Gedanken sind frei“ – und die Menge jubelt ...
Bundeslandwirtschaftsminster Cem Özdemir (Grüne) zu Gast bei einer Bauern-Kundgebung in Ellwangen. Dort erwarteten ihn vor der Tür der Stadthalle laut Polizei 2500 Demonstranten! Özdemir schlich durch den Hintereingang in den Saal, wo 700 Zuhörer auf seinen Auftritt warteten.
In seinem Heimat-Bundesland Baden-Württemberg war Özdemir gestern in Erlenbach bereits ausgepfiffen und mit „Hau ab!“-Rufen bedacht worden. Auch am Mittwoch in Ellwangen sind zahlreiche Bauern vor Ort, um den Minister live zu sehen und ihn mit ihrer Kritik zu konfrontieren.
Bereits vor seinem Eintreffen war die gesamte B290 dicht, eine 4 Kilometer lange Protest-Karawane aus 600 Treckern (laut Polizeiangaben) war auf dem Weg nach Ellwangen!
11.35 Uhr: Özdemir schließt seine Rede, einzelne Zuhörer stehen auf, Zwischenrufe während der letzten Worte. Mäßiger Applaus und einzelne Pfiffe begleiten ihn von der Bühne.
Der Minister spricht vor der Halle zu den Bauern – mit Polizeischutz
11.50 Uhr: Der Minister müsste jetzt bald die Halle verlassen. Wird er sich den Bauern, die vor der Tür auf ihn warten und mit ihm spechen wollen, stellen?

Özdemir unter Polizeischutz auf einem Anhänger, von hier aus spricht er zu den Bauern in Ellwangen.
12.12 Uhr: Özdemir geht raus zu den Bauern – aber nah ran traut er sich zunächst nicht. Begleitet von Polizeischutz steigt er auf einen Anhänger und richtet das Wort aus 5 Meter Entfernung an die Landwirte. Er kommt kaum zu Wort, „Die Ampel muss weg!“-Sprechchöre unterbrechen ihn.
12.15 Uhr: Özdemir genervt von den Anti-Ampel-Sprechchören: Er könne auch gehen und nichts sagen.
Jungbauer sagt, Özdemirs Argumentation mache ihm Angst
12.25 Uhr: Nachdem Özdemir eine Weile gesprochen und nochmal betont hat, er sei von den Sparplänen der Ampel überrumpelt worden, meldet sich Jungbauer Lukas Schmidle zu Wort: „Herr Özdemir, Sie sagen, Sie sind nicht konsultiert worden und das macht mir aus zwei Gründen Angst: Erstens sie wussten es tatsächlich nicht, dann haben sie ihren Laden nicht ordentlich im Griff, was nicht sein kann. Oder aber sie wussten es und haben uns nicht die ehrliche Antwort gegeben, die sie uns schuldig sind“, ruft er dem Minister über die Köpfe von mehr als 3000 Demonstranten hinweg zu. Özdemir hört aufmerksam zu.
12.40 Uhr: Jungbäuerin Klara Haas: „Jedes Gramm Fleisch, das in Deutschland produziert wird statt im Ausland spart CO2. Wir sind ein Grüner Beruf und das schon länger als es die Grünen überhaupt gibt!“ Trotz aller Kritik dankt sie Özdemir am Schluss: „So wie sie uns hier zuhören und uns ausreden lassen, sehe ich als Zeichen, dass auf uns eingehen wollen.“

Özdemir hörte den Jungbauern genau zu.
12.48 Uhr Özdemir hat mehr als 20 Minuten aufmerksam zugehört, was die Jungbauern ihm zu sagen hatten. Auch er bedankt sich – für die offenen Worte. Er habe gern zugehört, bittet nun aber auch darum, dass ihm zugehört wird.
13 Uhr: Abschied Özdemir. Der Organisator der Demo, Kartoffelbauer Anton Wagner, gibt ihm noch eine liebevolle Warnung mit auf den Weg: Die Bauern arbeiten nicht bis Feierabend ist, sondern bis fertig ist, so sei das auch mit den Forderungen an die Politik und den Protesten. Das möge Özdemir bitte auch denen in Berlin sagen ...
Julius Böhm
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