Die bizarre Masche der Fritten-Fett-Mafia: Aktuell 100 Diebstähle pro Tag!
Ein Beitrag von
- Deutschlands Entsorger schlagen Alarm: Mehr als 100 Mal pro Tag schlägt die Mafia für Alt-Fette und Alt-Öl zu.
- Trickbetrüger kommen mit Tank-Lastern und klauen Altfett
- Die Beute wird meist für die Bio-Diesel-Produktion in den Niederlanden weiterverkauft.
Die meisten Deutschen sind wohl froh, wenn sie ihr altes Fritten-Fett einfach unfallfrei losgeworden sind – nicht so diese Trickbetrüger!
Diebesbanden haben es seit geraumer Zeit auf Altfette und Altöle abgesehen, erklärt Bernhard Schodrowski, Sprecher des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) zu „Schuler! Fragen, was ist“.
In der Branche geht man aufgrund der Häufigkeit und des Vorgehens von organisierter Kriminalität aus. Es ist ein bizarrer Betrugs-Trend!
„Aus der Mitgliedschaft unseres Verbandes erreichen uns seit nunmehr neun Monaten vielfaltigste Meldungen aus der ganzen Bundesrepublik über vermehrte Diebstahle von zur Entsorgung bestimmten Speiseölen und -fetten.“ Doch was nach einem abseitigen Einzelphänomen aussieht, ist bei näherer Betrachtung alles andere als ein Lausbubenstreich, sagt Schodrowski. „Die für diese Bioabfälle Verantwortlichen gehen aufgrund der Intensität und flächendeckenden Verbreitung und Häufung der Fett-Diebstahle in den Bundesländern von einem Phänomen der ,Organisierten Kriminalität‘ aus.“
Die Masche: Trickbetrüger kommen mit Tank-Lastern!
Und der Schaden ist beträchtlich. „Aufgrund des Marktwertes von Altfetten, die in der Biodieselproduktion verwendet werden, sind wir bereits im Februar 2023 von einem Gesamtschaden im oberen sechsstelligen Bereich mit deutlich steigender Tendenz ausgegangen“ so der Experte.
Das Vorgehen der Diebe ist dabei immer gleich. Das zur Entsorgung vorgesehene Altfett (z.B. verbrauchtes Frittier-Öl) wird in Großküchen oder Restaurants von vermeintlichen Entsorgern abgeholt und in Tanklastzüge umgefüllt, deren Inhalt dann meist in den Niederlanden für einen Euro pro Kilogramm aufgekauft und zu Biodiesel verarbeitet wird. Dass sie ihr Altöl Betrügern übergeben haben, merken die Produzenten zunächst gar nicht. Die Logistik für den Abtransport der zum Teil hunderte Kilo schweren Fässer und Kanister durch die Diebe ist nur mit ausgefeilter Logistik möglich.

Mehr als 100 Fälle am Tag
Die Altöl-Mafia schlägt immer öfter zu. „Die BDE-Mitgliedsunternehmen gehen aktuell von mehr als 100 Fett-Diebstählen pro Tag aus“, sagt Schodrowski.
„Ein größeres Unternehmen in diesem Geschäft beziffert das geschätzte Schadensvolumen (entstanden durch entgangene Fettverwertungserlöse, abzüglich der nicht ausgezahlten Kundenvergütungen, zuzüglich der entstandenen Logistikkosten und der Behälterverluste) von September 2022 bis Dezember 2022 auf über 90.000 Euro und im Jahr 2023 (Januar und Februar) bereits jetzt auf ca. 50.000 Euro aus.“
Um dem Serien-Betrug Herr zu werden, hat sich der Entsorger-Verband schon im März dieses Jahres mit diesem Thema an die Justizministerkonferenz gewandt und in einem Schreiben gefordert, die Straftaten gezielt zu verfolgen und ggf. Schwerpunktstaatsanwaltschaften für Umwelt -und Wirtschaftsdelikte mit diesen Delikten zu befassen oder sie dafür zu sensibilisieren.
Ralf Schuler
Artikel teilen
Kommentare