Die schlimmste Art zu sterben: Lebendig begraben
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Es ist ein Kampf gegen die Uhr. Und wenn die Uhr abgelaufen ist, ist der Sauerstoff zu Ende. Dann wartet der Tod auf die fünf Männer, deren verschollenes U-Boot zu ihrem Sarg werden könnte.
Es ist wohl die schlimmste Art, zu sterben: Lebendig begraben zu werden. Bereits im Altertum war dies eine grausam beliebte Methode, jemanden besonders schrecklich hinzurichten oder zu opfern. Bis in die Neuzeit kam es vor, dass Menschen versehentlich begraben wurden, weil man fälschlicherweise annahm, sie seien tot. Die Angst vor diesem Szenario wird übrigens als Taphephobie bezeichnet, und ich behaupte, dass ich diese Angst mit vielen anderen Menschen teile.
In der zweiten Staffel von Game of Thrones sperrt Daenerys Targaryen ihre Dienerin Doreah und den Geschäftsmann Xaro Xhoan Daxos in eine Schatzkammer, weil sie sie hintergangen haben. Das Bild dieser Szene hat sich in mein Gedächtnis eingebrannt: Die schwere Verlies-Tür, die polternd zugeschoben wird. Die verzweifelten Hilferufe derjenigen, die nun dahinter verrecken müssen. Automatisch drängt sich die Frage auf, wie die zum Tode verurteilten ihre letzten Stunden verbringen werden: am Boden zerstört? Weinend? Oder eher panisch und unkontrolliert hysterisch? Eine durchschnittliche Panikattacke dauert zwischen zehn und dreißig Minuten. Aber was passiert dann? Nehmen sie sich das Leben, um ihrem Schicksal zuvorzukommen? Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie sehr mich diese Filmszene mitgenommen hat. Uns Klaustrophobie-Geplagten dreht sich schon beim Gedanken daran der Magen um.
Damals war es nur ein Film. Seit ein paar Tagen ist dieser Film für fünf Männer Realität. Einer von ihnen ist erst 19 Jahre alt.
Ein Alptraum der wahrgeworden ist.
Fünf Männer brechen zu einer Abenteuerexpedition auf, um sich das Wrack der Titanic aus der Nähe anzuschauen. Ein Spaß, den man sich leisten können muss, mokieren einige. Und dadurch entsteht der Eindruck, dass diese fünf armen Seelen, die nun irgendwo auf dem Grund des Nordatlantiks in einem U-Boot, so groß wie ein Kombi, auf ihren Tod warten, es irgendwie verdient hätten. Irgendwie tragen sie doch selbst die Schuld dafür, dass sie sich in dieser Situation befinden.
Diese Wertung ist die Spitze der Empathielosigkeit. Denn der Tod, dem Hamish Harding, Shahzada, Sulaiman, Paul-Henri und Stockton in diesem U-Boot wahrscheinlich entgegensehen, ist der schlimmste von allen: Eingesperrt und mit der fast unumstößlichen Absolutheit des nahenden Todes konfrontiert. Das ist der Stoff, aus dem Alpträume gemacht werden.
Geschmackloser „Whataboutismus“, wie er derzeit auf Twitter trendet, hinterlässt mich deshalb sprachlos.
Es ist eine perfide Art, Äpfel mit Birnen zu vergleichen, nur um ein politisches Narrativ voranzutreiben. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch, es ist schrecklich, dass Hunderte von Flüchtlingen vor Griechenland ertrinken. Eine absolute Tragödie. Aber das hat nichts mit der Tatsache zu tun, dass gerade fünf Menschen dem wohl schlimmsten Tod ins Auge blicken, den ein Mensch sterben kann: langsam und qualvoll. Während ihre Liebsten nichts dagegen unternehmen können. Die Mutter des 19-jährigen Suleman Dawood weiß, dass ihr Sohn gerade Todesqualen durchlebt, sofern er überhaupt noch am Leben ist. Denn die Luft wird voraussichtlich nur noch bis Donnerstag Nachmittag reichen. Glauben Sie mir, in diesem Moment macht es keinen Unterschied, ob sie in ein Papiertaschentuch oder in ein Designer-Taschentuch weint.
Ich bin schockiert, dass Menschen tatsächlich in der Lage sind, eine Horror-Tragödie wie diese in so perfider Weise zu politisieren.
Hoffen wir auf ein Wunder für die Betroffenen und ihre Familien.

Hamish Harding 
Stockton Rush
Sulaiman Dawood
Shahzada Dawood
Paul-Henri Nargeolet
Giovanna Winterfeldt
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