Entwicklungsministerin Schulze in Marokko: „Wir sind sehr dankbar für die vielen Marokkaner, die bei uns sind“
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In Deutschland fehlen hunderttausende Fachkräfte, Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) will einen Teil davon nun in Marokko anwerben. Diese Woche reiste sie in das nordafrikanische Land – und hielt dort eine ziemlich realitätsferne Rede.
Gemeinsam mit dem marokkanischen Arbeitsminister Younes Sekkouri weihte die SPD-Ministerin in der Hauptstadt Rabat die neue Zweigstelle des marokkanischen Zentrums für Migration und Entwicklung ein und sprach dort vor der Presse über die angeblichen „Deportationspläne“ rechter Aktivisten und Politiker.

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) reiste mit Staatsministerin Reem Alabali-Radovan. Hier sind beide im Gespräch mit dem marokkanischen Arbeitsminister Younes Sekkouri.
Schulze: „Es gab erschreckende Nachrichten in Deutschland, die auch hier in Marokko wahrgenommen wurden. Es gab ein Treffen von rechtsradikalen Politikern, die ihre Fantasien zu Deportation von Menschen mit nicht-deutschen Hintergründen nach ihrer Machtübernahme ausgetauscht haben. Und ich will hier sehr deutlich sagen: Was sie da hören mussten, ist nicht das, was die große Mehrheit in Deutschland denkt.“
Die Ministerin entschuldigt sich im Ausland für Vorkommnisse, die bislang wohl kaum jemanden in Marokko interessiert haben dürften – und bringt sie damit überhaupt erst auf die Tagesordnung. Diplomatie geht anders.
Schulze weiter: „Für viele Menschen, die Verwandte in Marokko haben, ist es wirklich bedrohlich, was sie da gerade sehen. Und wir machen gerade deutlich, dass sie ein ganz wichtiger Teil unserer Gesellschaft sind. In vielen Bereichen würde unsere Volkswirtschaft ohne die Arbeitskräfte, die aus dem Ausland zu uns gekommen sind, gar nicht mehr funktionieren. Und deswegen sind wir sehr dankbar für die vielen Marokkanerinnen und Marokkaner, die bei uns sind. Wir brauchen die Marokkanerinnen und Marokkaner, die bei uns arbeiten. Sie sind Teil unserer Gesellschaft.“
Marokko hat Abschiebungen abgelehnt
Dankbar für die vielen Marokkanerinnen und Marokkaner also.
Fakt ist: 2022 hatten 1183 Menschen aus Marokko Asyl beantragt, nur 55 (4,6 Prozent) haben einen Schutzstatus bekommen. Rund 3700 Marokkaner sind derweil ausreisepflichtig, 2700 von ihnen werden jedoch geduldet.
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Und: Ob es, wie von Schulze geplant, wirklich klappt, im Gegenzug zur Fachkräfte-Anwerbung abgelehnte Asyl-Bewerber aus Marokko konsequent abzuschieben, bleibt fraglich. Sammelabschiebungen in Charter-Flugzeugen hat Marokko dauerhaft abgelehnt, auch bei der Beschaffung von Pass-Papieren hatte sich die Regierung in Rabat quergestellt.

Marokkos Wirtschaftskraft basiert zu einem beachtlichen Teil auf Zuwendungen aus dem Ausland.
Marokko gilt als Tor zu Europa für zahlreiche Migranten aus anderen afrikanischen Ländern und scheitert daran, diese bei der Durchreise zu stoppen.
Ein neues Abkommen wurde während Schulzes Reise nicht vereinbart. Das Ministerium teilte mit: „Ein schriftlicher Vertrag ist zum jetzigen Zeitpunkt entbehrlich, da beide Seiten vertrauensvoll zusammenarbeiten und die Konzentration auf die praktische Umsetzung legen wollen.“
Redaktion
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