Er ruft auf zum neuen Deutschland-Gefühl – Deutscher Bundestrainer will Erstwohnsitz nach Österreich verlegen
Ein Beitrag von
Sie können es nicht lassen: Auch wenn sie längst im Ausland leben, neigen manche deutschen Promis dazu, die Landsleute politisch zu belehren. Kunststück, sie müssen die Folgen nicht ausbaden.
Nach dem Aus gegen Spanien bei der Fußball-Europameisterschaft hat Bundestrainer Julian Nagelsmann zu einem neuen Deutschland-Gefühl aufgerufen, „Gemeinsamkeit“ und „Zusammenhalt“ beschworen. Gemeinsam gehe es einfach besser, etwa wenn man dem Nachbarn helfe, die Hecke zu schneiden.

Nagelsmann motiviert seine Mannschaft für die zweite Halbzeit.
Jetzt kam heraus: Nagelsmann selbst wird seinen Hauptwohnsitz demnächst ins Freiland in Fieberbrunn (Bezirk Kitzbühel, Österreich) verlegen. Dort hat er im März für 1,75 Millionen Euro ein Haus erworben, das er laut Kaufvertrag nicht als Freizeitwohnsitz nutzen darf. Ob er den Mittelpunkt seiner Lebens- und Arbeitsbeziehungen wirklich in Fieberbrunn haben wird, mag bezweifelt werden, aber das ist nicht der Punkt.
Vielmehr ist verstörend, wie man Appelle zum Zusammenhalt an seine deutschen Landsleute richten kann, wenn man nach Österreich zieht und sich nicht dauerhaft am Miteinander beteiligen muss.

Die idyllische Gemeinde Fieberbrunn im Bezirk Kitzbühel.
Eben ließ Nationalspieler Toni Kroos im Podcast Lanz & Precht durchblicken, auch nach dem Karriereende weiter in Madrid leben zu wollen. Begründung: Das Deutschland von heute sei „zumindest nicht mehr so ganz das Deutschland, wie es vielleicht vor 10 Jahren war, wo wir gegangen sind.“ Wenn seine siebenjährige Tochter erst einmal 14 wäre, würde er sie lieber in Spanien nach 23 Uhr auf die Straße lassen als in einer deutschen Großstadt. Er hätte, anders als früher, Bedenken, ob seine Tochter in Berlin, München oder Hamburg „unbeschadet wieder nach Hause kommt“.

Toni Kroos von Real Madrid CF mit seiner Tochter am Ende des Spiels gegen den Real Betis im Santiago Bernabeu Stadion in Madrid, Spanien, am 25. Mai 2024.
„Diese Partei braucht niemand“
Dass die Erosion der inneren Sicherheit mit der unkontrollierten Migration zusammenhängen könnte, deutet Kroos vorsichtig an („Wie drückt man das am besten aus, ohne in eine Ecke gestellt zu werden?“). Ein gewisser Prozentsatz der Zuwanderer tue uns „nicht gut“. Allerdings hatte derselbe Toni Kroos erst vor einigen Wochen dazu aufgerufen, zur Wahl zu gehen – „außer, wenn man AfD wählen will. Diejenigen sollten zu Hause bleiben. Diese Partei braucht niemand.“ Der Kicker weiß also um gewisse Probleme, ist aber in der komfortablen Lage, die Konsequenzen nicht tragen zu müssen.
Das ist bei einem weiteren Prominenten nicht ganz so sicher: Sänger Herbert Grönemeyer ist ein Anhänger des linksgrünen Milieus, wie er im Buche steht. Mit seinen Konzerten sammelt er Spenden für Afrika, für den Klimaschutz, für Aidskranke, für den Schutz der Arktis und der Weltmeere und für die „Seenotrettung von Bootsflüchtlingen“ im Mittelmeer, also für die Verbringung illegaler Migranten nach Europa. Und „kämpft“ natürlich gegen Armut, Fremdenfeindlichkeit und für ein weltoffenes Dresden, gegen Rechts und für Demokratie und Toleranz.
Und das am liebsten und hauptsächlich eben nicht von Dresden, geschweige denn von Bochum aus, sondern von London und Sóller („Tal des Goldes“, Mallorca). In der britischen Hauptstadt besitzt der Sänger eine Villa und auf Malle eine Finca. Beim Konzert in Wien ruft Herbert dann in beunruhigendem Sportpalast-Tonfall (ab 0:18):
„Wenn Politiker schwächeln, dann liegt es an uns zu diktieren, wie 'ne Gesellschaft auszusehen hat!“, so geschehen im September 2019.
In Kalifornien wohnen und einen harten Lockdown in Deutschland fordern
Sollte man einer Gesellschaft Ratschläge erteilen, wenn man von den möglicherweise negativen Folgen verschont bleibt? Viele privilegierte Prominente haben damit offenbar kein Problem.
So wie der aus Recklinghausen stammende Mime Ralf Moeller („Gladiator“), der 2021 einen harten Lockdown zu Ostern (in Deutschland) forderte, aber aus seinem Wohnsitz im sonnigen Los Angeles. Dort residiert auch der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz („Inglourious Basterds“). Aber er schaut auch mal in Wien vorbei, um sich im Wahlkampf gegen den „Rechtspopulisten“ Nobert Hofer und für den Grünen Alexander Van der Bellen als österreichischen Bundespräsidenten einzusetzen. Oder Querdenker „deppert“ und Corona-Impfskeptiker „asoziale Vollidioten“ zu nennen.
Die Möglichkeit, privilegiert im Ausland zu wohnen, zu nutzen – das sei jedem gegönnt. Die Frage ist nur, ob man den Daheimgebliebenen aus sicherer Entfernung etwas von Zusammenhalt, Moral oder den Segnungen einer Multikulti-Gesellschaft erzählen sollte.
Claudio Casula
Artikel teilen
Kommentare