Essen im Ausnahmezustand: Linkes Empfangskommando versucht, AfD-Politiker am Bahnhof abzupassen
Gegen 17:30 Uhr kommt am Hauptbahnhof in Essen Hektik auf. Vereinzelt laufen kleine Gruppen von AfD-Gegnern umher, die erkennbar der linken Szene angehören. Sie warten auf das Eintreffen eines ganz bestimmten Zugs.
Über X hatte die linksextreme Gruppierung „Ende Gelände“ die Nachricht verbreitet, dass die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch und andere AfD-Mitglieder mit dem Zug um diese Zeit am Hauptbahnhof eintreffen würden. „Empfangskomitee gefälligst?“, so der unzweifelhafte Aufruf.

Als die AfD-Politiker aussteigen, schallt es lautstark über den Bahnsteig: „Haut ab! Haut ab! Haut ab!“
Doch ein Durchkommen gibt es für die linken Gegendemonstranten nicht. Die massive Polizeipräsenz, die in der Stadt bereits seit Freitagmittag überall zu sehen ist, schreckt auch den wackersten Antifa-Kämpfer ab. Am Ende werden die AfD-Politiker von den Beamten sicher nach draußen geleitet.
Anspannung über der Stadt
Doch die kurze Episode zeigt: Über die Stadt hat sich eine merkliche Anspannung gelegt. Immer wieder erschallen Blaulichtsirenen. Die linke Szene hat mobilisiert, die Polizei erwartet mehrere Zehntausend Demonstranten. Jeder Anwohner fragt sich: Kommt es rund um den 15. Parteitag der AfD in Essen zu schweren Gewalttaten – oder bleibt doch alles ruhig?
Die Inhaber der Geschäfte rund um das Parteitagsgeschehen können selbst entscheiden, ob sie ihre Läden offenhalten oder nicht. Und tatsächlich haben zahlreiche Einzelhändler nicht nur geschlossen, sondern auch ihre Fensterscheiben verbarrikadiert. „Niemand kommt heute raus“, beklagt ein Gastwirt gegenüber NIUS seine ausbleibenden Einnahmen. „Alle haben irgendwie Angst vor dem, was da kommt.“

Die Gegend um die Grugahalle, vor der bereits vorsorglich die Regenbogenflagge gehisst wurde, gleicht unterdessen einer Festung. Alle Zugänge rund um das Messegelände sind durch die Polizei abgesperrt.

Zugang erhält nur, wer eine Akkreditierung für den Parteitag vorweisen kann. Auch das bloße Vorzeigen eines Presseausweises reicht nicht aus. „Nur mit Akkreditierung“, lautet die eiserne Forderung der Polizei, die bereits mit Hunderten von Beamten im Einsatz sind. Auch mehrere Wasserwerfer stehen rund um die Eingänge verteilt.

Heute Abend um 19 Uhr startet die erste größere Gegendemonstration gegen die AfD als Tanzveranstaltung („Rave“). Enden soll der Rave direkt vor der Grugahalle in der Alfredstraße. Danach könnten sich einzelne linke Gruppen in den Gassen in Richtung Altstadt verteilen. Auch im Zuge von G20-Protesten kommt es nachts häufig zu Brandstiftungen und ähnlichen Straftaten durch eher kleinere Gruppen. Die Polizei ist in höchster Alarmbereitschaft.
Morgen geht es dann um 6 Uhr morgens weiter mit Protesten gegen den Parteitag der AfD. NIUS berichtet live aus Essen.
Björn Harms
Helena Gebhard
Marc Sierzputowski
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