Flucht in die Sicherheit: Wie eine deutsche Jüdin Frieden in Israel fand
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Die Zahl der antisemitischen Straftaten in Deutschland bleibt hoch, zusätzlich ist ein Anstieg der Gewaltfälle zu vermerken. Viele Juden denken daran nach Israel auszuwandern.
Im Jahr 2021 sind zwei bis dreitausend Juden aus Deutschland nach Israel ausgewandert, Tendenz steigend.
NIUS unterhielt sich mit einer Frau, die diesen Schritt bereits hinter sich gebracht hat:
Sharon ist 39 Jahre alt, Neurochirugin und Jüdin. Den Großteil ihres Lebens verbrachte sie in Deutschland – geboren in einem kleinen Dorf in Nordfriesland.
Bis zur Grundschule fühlte sie sich wie jedes andere Mädchen auch. Dass sie im Winter Channuka feierte statt Weihnachten, störte sie nicht.

Sharon kommt ursprünglich aus dem idyllischen Nordfriesland.
Das änderte sich mit dem Krieg in Bosnien und ihrem Kontakt zu Flüchtlingskindern aus dieser Region. „Die Kinder waren in meinem Alter, man freundete sich an, die Kinder kamen zu einem nach Hause und ab da war Schluss. Die Kinder durften nicht mehr zu uns und mit mir gesprochen wurde auch nicht mehr. Ich fragte warum und bekam die Antwort: Ich war eine dreckige Jüdin“, schreibt Sharon in einer Nachricht an NIUS.
Damals verstand sie das nicht. Sie folgte den Anweisungen ihrer Eltern, blieb ruhig und zurückhaltend. Sie konnte nicht ahnen, dass sich die Situation nur verschlimmern wird.
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Sharon wurde älter, erkundete sich über Antisemitismus und ging auf das Gymnasium. Hier traf sie auf E. Der einzige muslimische Mitschüler in der Klasse. E. hatte die Klasse fest im Griff – sein Wort war für die anderen Befehl. Ihr wurden Hassbotschaften zugesteckt: „Jude geh ins Gas“ und „Judensau“. Die Schüler malten ein Galgenmännchen an die Tafel, versahen ihn mit Sharons Name, schubsten sie die Treppe runter und verprügelten sie. „E. brach mir die Nase, die ist heute noch schief. Die Schule, die Lehrer unternahmen nichts. Es wurde mir nahegelegt die Schule zu wechseln, was ich dann auch tat.“
Einige Wochen später erwischte Sharon E. alleine. Sie zog ihn vom Fahrrad und verprügelte ihn. Bis heute wechselt E. noch die Straßenseite, wenn Sharon ihre Eltern besucht und es zufällig zu einer Begegnung kommt.

Eine besonders perfide Nachricht, die Sharon per Instagram erhielt.
In der neuen Schule sagte der Lehrer „wenn alle Juden so nervig sind wie du, kann ich verstehen, warum Hitler euch vergast hat“ zu ihr – Konsequenzen gab es keine. Sie wechselte ein letztes Mal die Schule.
„Die Ferien verbrachte ich immer bei meiner Oma in Israel. Hier war ich frei, alle waren wie ich. 2014 flogen uns die Raketen der Hamas um die Ohren, aber selbst das war nicht so schlimm wie der Hass in Deutschland.“
Nach dem Gymnasium begann Sharon ihr Medizinstudium in Hamburg und arbeitete später in einer tollen Klinik. Antisemitismus gab es aber auch dort. Kleine Bemerkungen, SMS und Anrufe. Zum Glück hatte sie Kollegen und Chefs, denen sie nicht egal war. Sie hielten zu ihr und trotzdem wurde Sharon wütend und sehnte sich nach einem friedlichen Leben.

Eine weitere Hassnachricht, die Sharon erhielt.
Mit jedem Angriff der Hamas auf Israel spürte Sharon eine zunehmend unangenehmere Atmosphäre in Deutschland. Sie wurde mit dem Hass der Antisemiten konfrontiert, sowohl im realen Leben als auch in den sozialen Medien. Vor einigen Jahren, während einer Demonstration in Hamburg, wurden ihr von einem Angreifer durch einen Tritt zwei Rippen gebrochen.

Eine Hassnachricht die Sharon erhielt per Instagram erhielt.
„Dieser Hass hat mich krank gemacht. Essstörung und Panikattacken waren die Folge. Ich musste weg von all dem Hass, von all den leeren Worten, von all den Bevormundungen, was wir zu denken oder zu fühlen haben.“
Über die Jahre erhielt Sharon viele weitere Drohungen und entschied, nach Israel zu gehen. Ihre Familie und ihr Umfeld waren traurig darüber, aber respektierten ihre Entscheidung gesund und friedlich leben zu wollen. Sie bewarb sich erfolgreich bei einer renommierten Klinik und verkaufte ihr Haus in Hamburg. Anschließend erworb sie ein Haus in Kfar Saba.
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Seit knapp eineinhalb Jahren lebt sie nun dort, gesund und frei. Hier braucht sie ihren Davidstern nicht zu verbergen und kann einfach sie selbst sein. Die Entwicklung, die Deutschland durchläuft, beunruhigt sie sehr, und damit meint sie nicht die AfD.

Sharons neue Heimat in Israel
Von leeren Solidaritätsbekundungen deutscher Politiker, die einmal im Jahr „Nie wieder“ posten, hält Sharon, wie viele andere deutsche Juden, nichts. Solange keine Taten folgen, verlieren diese Worte ihre Bedeutung und die Politiker ihre Glaubwürdigkeit.
Amir Makatov
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