Gefährlich selbstgefällig: Die Radikalisierung des Jan Böhmermann
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Seine heuchlerische Mission: Provokation und Ideologiedominanz auf Kosten der Zwangsgebührenzahler.
Manchmal frage ich mich, ob Jan Böhmermann unter einer multiplen Persönlichkeitsstörung leidet. Er sieht sich als Ankläger, Richter, Satiriker, politischer Aktivist, Moralapostel und manchmal auch als Gott, scheint es. Seine Anhänger, die ihn unermüdlich verehren, nehmen jede seiner Aussagen wie ein Stück geheiligtes Brot entgegen.
Sie verschlingen es gierig, ohne es zu hinterfragen, bevor sie es in ihre eigenen Worte kleiden und es in die unendlichen Weiten der sozialen Medien hinausblasen. Dort wird es dann als ultimative Wahrheit verkündet, als unantastbares Evangelium des Böhmermannschen Glaubens. Besonders die Woke-Blase feiert seine ideologischen Umerziehungsmaßnahmen und seinen Hass auf alles, was nicht in das rotgrüne Weltbild passt.
Den türkischen Staatspräsidenten Erdogan nannte er in seiner Sendung einen „Ziegenficker“ und Frauenrechtlerinnen beschimpfte er als „Scheißhaufen“. Doch immer, wenn Böhmermann die Grenzen des Akzeptablen überschreitet und dafür berechtigte Kritik erntet, verschwinden seine anderen Persönlichkeiten plötzlich. Dann ist er nur noch Satiriker und Satire darf bekanntlich alles.
Böhmi, der Nazijäger
Am vergangenen Donnerstag hatte er Sandra Maischberger auf dem Kieker, weil sie es gewagt hatte, den AfD-Fraktionschef im Bundestag, Tino Chrupalla, in ihre Show einzuladen. Sein Tweet dazu: „Sandra Maischberger lädt Nazis in ihre Talkshow ein, damit Nazis nach der Machtergreifung Sandra Maischberger auch ihre Talkshow einladen.“ Das Thema scheint ihn seelisch derart aufgewühlt zu haben, dass er beim Tippen glatt ein Wort verschluckte.
Dass er Chrupalla beschimpft: Fast geschenkt, dass kennen wir ja nicht anders. Aber auf eine Kollegin losgehen, weil sie es wagt, jemanden einzuladen, der nicht ins rot-grüne Gesinnungshorn bläst. Etwas befremdlich, wenn man bedenkt, dass er sich nach seinem Erdogan-Gedicht als tapferer Kämpfer für die Meinungsfreiheit positionierte. Tatsächlich ging ihm damals der Arsch auf Grundeis und laut Spiegel bat er sogar den damaligen Chef des Kanzleramts um Hilfe. Ergebnis: Angela Merkel distanzierte sich schneller von Böhmermann als von der Deutschlandfahne während der CDU-Wahlparty 2013.
Auch diesen Skandal hat Böhmermann überlebt. Vielleicht fühlt er sich deshalb unverwundbar? ZDF-Intendant Thomas Bellut hält ihm jedenfalls die Stange, denn Böhmermann ist seine Universalantwort auf die Frage: Was tut das ZDF eigentlich gegen sein angestaubtes Image? Böhmermann ist wiederum auf den öffentlich-rechtlichen Rundfunk angewiesen, denn dort genießt er absolute Narrenfreiheit. Jan Böhmermann könnte zweifellos auch bei einem Privatsender anheuern. Allerdings steht bei Privatsendern wirtschaftliches Denken im Vordergrund, da sie nicht über Zwangsgebühren finanziert werden. Im Gegensatz dazu kann sich das ZDF leisten, sehr viel Geld in ein Format zu investieren, das für die Imagepflege als wichtig erachtet wird.
Vor einigen Monaten veröffentlichte Böhmermann eine RAF-Fahndungsliste mit Journalisten, Virologen und Politikern, deren Ansichten ihm nicht in den Kram passen. Wieder argumentierte die Böhmi-Bubble, dass es sich bei dieser Aktion lediglich um Satire handele. Dieselben Trottel, die sofort auf den Cancel-Button hämmern, wenn es jemand wagt, einen Witz zu machen, der nicht in ihr Weltbild passt, legen ihrem Helden den Schutzmantel der Satire um, sobald es für ihn brenzlig wird.
Gefährlich selbstgefällig
Jan Böhmermanns Hauptmission scheint mittlerweile darin zu bestehen, sich dem linksgrünen Zeitgeist anzubiedern und jeden ins Visier zu nehmen, der das nicht tut. In einer seiner Sendungen prangerte er die Biologin Marie-Luise Vollbrecht, die aufgrund ihres Vortrags über das binäre Geschlechtersystem bereits ein Lieblingsziel queerer Aktivisten ist, als transfeindlich an. Sie wurde gewissermaßen zum Abschuss freigegeben, weil im Böhmiversum jeder bestraft werden muss, der nicht mindestens 79 Geschlechter aufzählen kann. Es würde mich nicht überraschen, wenn Jan Böhmermann in naher Zukunft eine Namensänderung in Betracht zieht, um sicherzustellen, dass sich Transaktivisten nicht angegriffen fühlen. Wie wäre es mit „Böhmermannfraudivers“?
Wenn man nach „Böhmermann“ googelt, entsteht schnell der Eindruck, dass es für den Late-Night-Host nur noch um politische Indoktrination durch Provokation geht. Allerdings ist Provokation als Selbstzweck nicht nur langweilig, sondern verliert auch mit der Zeit ihre Wirkung. Deshalb sieht sich Böhmermann möglicherweise gezwungen, die Intensität seiner Provokationen ständig zu steigern. Er wollte Markus Lanz verbieten, den Virologen Hendrik Streeck einzuladen und dem Comedian Dieter Nuhr widmete Böhmermann sogar eine ganze Sendung, nur um ihn in die Nazi-Ecke stellen zu können. Meinem Kollegen Ralf Schuler verriet Dieter Nuhr übrigens, dass er sich diese vermeintliche Parodie über sich selbst nicht einmal angesehen hat. „Das ist außerhalb jeglicher Relevanz …“
Maximale Heuchelei
Ich empfinde es als problematisch, wenn ein durch Zwangsgebühren finanzierter Entertainer eine ideologische Dominanz und Konformität um jeden Preis anstrebt. Seine Intoleranz gegenüber abweichenden Meinungen und sein Wunsch, die kulturelle Landschaft dauerhaft zu verändern, sollte für jeden, der die Freiheit des Denkens und des Ausdrucks schätzt, Anlass zur Sorge sein.
Jan Böhmermann scheint dabei völlig zu ignorieren, dass all die Menschen, denen er nur seine Verachtung entgegenbringt, gezwungen sind, seine Sendung zu finanzieren. Wenn Jan Böhmermann Tino Chrupalla und die AfD als Nazis bezeichnet, dann müsste er sich selbst zumindest als Kollaborateur der Nazis outen, da ein Teil seines Einkommens aus den Rundfunkbeiträgen von AfD-Wählern stammt. Natürlich tut er das nicht, denn es würde Eier und Anstand erfordern.
Ahmet Iscitürk
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