Greta in der Ukraine: Perverses Umwelt-Sightseeing im Kriegsgebiet
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Greta Thunberg, das Gesicht der Jugendbewegung für den Klimaschutz, befindet sich derzeit in der Ukraine, um den sogenannten „Ökozid“ zu dokumentieren. Stellt sich die Frage: Ist das zynisch, dumm oder vielleicht beides?
In der Ukraine sterben Menschen, jeden Tag. Ein Ende des russischen Angriffskriegs ist nicht in Sicht. Greta Thunberg nutzt diese Gelegenheit, um mit einer bunt gewürfelten Arbeitsgruppe Umweltschäden-Sightseeing vor Ort zu machen, während sich Russen und Ukrainer gegenseitig die Köpfe wegballern. Zur Gruppe gehören unter anderem die ehemalige Vize-Regierungschefin Schwedens, Margot Wallström, die ehemalige Präsidentin Irlands, Mary Robinson, sowie die finnische Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Heidi Hautala. Frau Thunbergs Reise erregt weltweit Aufsehen und Präsident Selenskyj nutzt die mediale Aufmerksamkeit verständlicherweise, um auf die verheerenden Auswirkungen des Krieges hinzuweisen. Aus demselben Grund hatte er bereits Hollywood-Stars wie Angelina Jolie, Sean Penn, Jessica Chastain und Ben Stiller zu Gast.
Greta Thunberg spricht im Rahmen ihres Besuchs immer wieder über den Ökozid. Gemäß Wikipedia wird der Begriff in verschiedenen Zusammenhängen mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet, die sich um massive Naturzerstörung drehen. Im weitesten Sinne bezieht er sich auf die Zerstörung natürlicher, globaler Gemeinschaftsgüter. Anders gesagt: Greta Thunberg strebt nicht nur nach einem grünen Kapitalismus, sondern auch nach einer umweltfreundlichen Kriegsführung.
Wird sie dem ukrainischen Präsidenten konkrete Tipps geben, wie etwa „Wenn Sie auf den Einsatz von Panzern verzichten, wäre das ein unschätzbarer Beitrag für den Klimaschutz. Es würden zwar mehr ukrainische Soldaten sterben, aber jeder atmende Mensch ist eine Quelle von Kohlendioxidemissionen und jeder nicht mehr atmende Mensch ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Wir müssen lernen, Probleme als Chancen zu begreifen!“
Realität oder Satire?
Natürlich hat der Krieg in der Ukraine zu erheblichen Umweltschäden geführt. Dennoch ist es während eines brutalen Krieges nicht angemessen, den Fokus darauf zu richten, während Menschen sterben und die Überlebenden dabei zusehen müssen, wie ihre Heimat dem Erdboden gleichgemacht wird.
Erstaunlich ist, dass sämtliche Nachrichtenquellen völlig kritiklos über Gretas Ukraine-Trip berichten. Hat man etwa Angst, ins Fadenkreuz fanatischer Klimaaktivisten und deren Twitter-Armee zu geraten? Zumal die Ukraine vor dem Krieg nicht unbedingt ein grünes Vorzeigeland war. Die Verschmutzung der Flüsse und Seen durch Industrieabfälle, exzessiver Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln in der Landwirtschaft und mangelnde Konzepte für die Entsorgung von Atommüll sind nur einige der zahlreichen Umweltprobleme in der Ukraine.
Vielleicht ist unsere Kritik aber auch unbegründet, denn letztlich profitieren alle Seiten von Gretas Besuch. Selenskyj zeigt der Welt, dass er konsequent gegen die bösartigen Aggressoren vorgeht und sich auch beim Thema Klimaschutz auf der richtigen Seite positioniert. Greta Thunberg kann sich erneut als unerschrockene Kämpferin für einen sauberen Planeten profilieren, während ihre Fans berechtigte Zweifel als inhaltsloses Nazi-Geschwurbel entlarven können.
Die Leitmedien haben etwas zu berichten und wir können das Ganze kritisch hinterfragen. Eine echte Win-Win-Win-Win-Situation! Nur den Menschen in der Ukraine hilft das Ganze nicht wirklich, aber man kann nun mal nicht alles haben.
Ahmet Iscitürk
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