Heute Tanzlokal, morgen Flüchtlingsunterkunft: „Alle Leute werden rausgeschmissen, ohne Rücksicht“
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Heute ist Schluss! Am 30. November ist der „Bienenkorb“ noch „Bienenkorb“ – ab morgen wechseln die Pächter im niederbayerischen Straubing. Aus dem Tanzlokal wird dann eine Flüchtlingsunterkunft. Ab dem 1. Dezember ist Stephan Weckmann, Kreisvorsitzender der Freien Wähler, neuer Eigentümer und will schon bald 120 Migranten unterbringen.
Anfang des Jahres kaufte Weckmann den Bienenkorb und schloss kurz darauf einen 10-Jahres-Vertrag mit der niederbayerischen Regierung zur Unterbringung von Flüchtlingen. Einige Gäste des Bienenkorbs riefen daraufhin ein Bürgerbegehren ins Leben, doch vergebens. Am vergangenen Samstag wurde zum letzten Tanz im Bienenkorb aufgelegt. 23 Jahre haben die Menschen hier getanzt, Freundschaften geschlossen, ihre Partner gefunden, Spaß gehabt und das Leben gefeiert. Diese Ära ist jetzt endgültig vorbei.
NIUS war vor Ort und hat festgehalten, was diesen Menschen nun verloren geht.

Klaus war vor 15 Jahren das erste Mal Gast im Bienenkorb.
„Und jetzt kommt einfach ein Politiker und macht hier alles zu Geld“
Klaus hat viele schöne Erinnerungen in der Zeit gesammelt und blickt traurig zurück „Es hängen hier sehr viele Erinnerungen dran … Aber was soll ich sagen, das ist jetzt alles vorbei …“
Wir fragen Klaus: Wie kann man sich dieses Lokal als Flüchtlingsunterkunft vorstellen, ist das eine geeignete Unterbringung?
„Nein, auf keinen Fall. Bei uns in Regensburg wurden einige Kasernen zu Asylunterkünften gemacht. Aber das hier, der Bienenkorb, das ist ein Traditionslokal, das es seit über 20 Jahren schon gibt. Und jetzt kommt einfach ein Politiker, der seinen Kragen nicht vollbringt und macht hier alles zu Geld. Er schmeißt alle Leute raus, ohne Rücksicht. Hauptsache, er hat seinen Vorteil. Viele dieser Menschen hier sind zwischen 50 und 70 Jahre alt, keiner hat mehr irgendwas zum Weggehen, außer hier, und das ist jetzt alles auf einen Schlag vorbei.“

Petra kommt aus Stuttgart und besucht schon seit 18 Jahren den Bienenkorb.
„Ich bin einfach nur traurig, dass das jetzt hier zu macht“
Im Gespräch erzählt uns auch Petra über ihre Erinnerungen an den Bienenkorb.
„Vor 18 Jahren bin ich das erste Mal hier reingegangen. Das weiß ich noch ganz genau. Ich komme aus Stuttgart, tanze gerne und hatte damals eine Freundin, die gesagt hat, in den Bienenkorb kann jeder rein. Seitdem bin ich immer wieder gekommen. Man fühlt sich hier wohl, kann gut tanzen … Ich bin einfach nur traurig, dass das jetzt hier zu macht … Ich verstehe allerdings auch, dass Menschen, die in Not sind, wie jetzt diese Flüchtlinge, irgendwo einen Platz brauchen. Irgendjemand bleibt immer auf der Strecke. Was ist da jetzt richtig … Ich weiß es nicht.“

Carmen fährt fast 150 Kilometer, um den Bienenkorb zu besuchen.
„Seit über vier Wochen schlafe ich keine Nacht, weil mich das so beschäftigt“
Carmen ist regelmäßig samstags im Bienenkorb und erzählt mitgenommen, was die Schließung für Sie persönlich bedeutet.
„Bei uns in Ingolstadt gibt’s nichts Vergleichbares. Ich fahre deshalb seit zwei Jahren immer mit Bekannten hier nach Straubing. Für mich ist das hier der totale Ausgleich zu meiner Arbeit. Es ist wie mein zweites Zuhause. Manche sagen zwar zu mir, ob ich spinne, dass ich hier 150 Kilometer her fahre. Aber es gibt eben weit und breit nichts für unsere Altersklasse mehr … Seit über vier Wochen schlafe ich keine Nacht, weil mich das so beschäftigt … Ich hab hier so viele liebe Leute kennengelernt … Die ganzen sozialen Kontakte gehen jetzt verloren. So viele Freundschaften habe ich hier aufgebaut, man ist einfach eine Familie. Mich nimmt das emotional so mit ... Es ist jetzt von heute auf morgen einfach alles weg.“
Wir fragen nach, ob der Bienenkorb eine geeignete Unterkunft für Flüchtlinge ist.
„Ich hab nichts gegen Flüchtlinge, aber ich denke mir einfach, man kann auch Alternativen schaffen. Es muss nicht ausgerechnet das sein, wo wir Spaß haben, das wo wir in unserem Alter hingehen können. Ich hätte gehofft, man findet eine andere Lösung.“
Unsere Reportage „Der letzte Tanz im Bienenkorb“ finden Sie hier:
Helena Gebhard
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