„Ich bin ein Fettsack“: Übergewicht ist nicht schön – alles andere ist Heuchelei
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Immer mehr Menschen mit krankhaftem Übergewicht reden sich ein, andersgewichtig, curvy, plus-size und demzufolge wunderschön zu sein. Diese Haltung ist nicht nur bescheuert, sondern potenziell gefährlich, findet unser Autor Ahmet Iscitürk.
Seit meiner Kindheit habe ich mit Übergewicht zu kämpfen. Wobei „kämpfen“ der falsche Begriff ist, denn ich habe mich schon früh mit meiner Leibesfülle arrangiert. Meine Eltern sahen das anders, darum wurde ich mit 13 Jahren für volle vier Wochen in einer Adipositas-Rehaklinik für Kinder untergebracht. Die Devise lautete offiziell „Viel Bewegung und wenig Essen“, aber bereits nach zwei Tagen schmuggelten wir Kartoffelchips, Gummibärchen und Schokolade in die Einrichtung.
Gewichtsverlust von fast 10 Kilo!
Die Schmuggelware wurde in Sweatshirts und Jacken verstaut, die wir bei Spaziergängen dabeihatten, „um auf Wetterveränderungen vorbereitet zu sein“. Ironie des Schicksals: Etwa zwei Wochen später erkrankte ich an einer Magen-Darm-Infektion, die meinen weiteren Aufenthalt mit wiederholten Episoden von emetischen Diarrhöen umrahmte. Am Tag meiner Abreise überreichte mir der Klinikleiter stolz eine Urkunde, die mir einen Gewichtsverlust von fast 10 Kilo bescheinigte – eine neue Bestmarke!
Ich teile diese Anekdote aus meiner Kindheit mit Ihnen, um klarzustellen, dass ich selbst von Übergewicht betroffen bin und das Thema nicht bloß von außen betrachte. Und da ich genau weiß, wie es ist, fett zu sein, nerven mich die ganzen Body-Positivity-Trottel umso mehr. Natürlich hat jeder Mensch das Recht, sich attraktiv und wohl in seiner Haut zu fühlen, auch wenn man zu viele Kilos auf den Rippen hat. Problematisch wird es aber, wenn dicken Kindern suggeriert wird, dass es völlig in Ordnung ist, übergewichtig zu sein. Was kommt als Nächstes? Bietet man fetten Kids auch gleich eine Zigarette und einen Gutschein für eine U-Boot-Tauchfahrt zur Titanic an?
Heuchelei im großen Stil
Ich empfinde es als besonders schlimm, wenn Promis solche Body-Positivity-Botschaften verbreiten. Ich erinnere mich nicht mehr genau, wer es war, aber ich sah vor einigen Wochen ein Red-Carpet-Video, in dem ein Hollywood-Schönling einer korpulenten Teenagerin Komplimente machte: „Du bist wunderschön! Lass dir von niemandem einreden, dass es anders ist!“ Wenn dicke Menschen so wunderschön sind, warum sieht man Hollywood-Stars immer nur mit sportlich schlanken Schönheiten turteln? Wann haben Sie zuletzt ein Paparazzi-Foto gesehen, das Leonardo DiCaprio mit einer krankhaft übergewichtigen Frau beim Kuscheln auf einer Jacht zeigt? Warum angeln sich auch alte Lustgreise wie Mick Jagger, Flavio Briatore oder Peter Maffay immer schlanke, junge Frauen?
Abgesehen von Fetischisten bevorzugen die meisten Menschen in sexueller Hinsicht schlanke, sportliche Individuen anstelle von stark übergewichtigen Personen. Das ist kein Hatespeech, sondern ein wissenschaftlicher Fakt. Dieselben Merkmale, die sexuelle Attraktivität signalisieren, stehen nun mal für Gesundheit, Vitalität und Fruchtbarkeit.
So ist der Mensch programmiert und alles andere ist eine Selbstlüge, die dazu dient, die Gefühle der Betroffenen nicht zu verletzen. Deshalb versteht sich die Ich-bin-curvy-und-wunderschön-Gruppe auch so gut mit der Ich-bin-ein-Mann-und-kann-schwanger-werden-Fraktion. Sie verschließen gemeinsam die Augen vor der Realität und verstricken sich in einen Wahn, der jene zu Feinden abgestempelt, die noch zwischen Emotionen und Fakten unterscheiden können.
Übrigens: Wenn die Anhänger der Body-Positivity-Bewegung tatsächlich recht hätten, würden mein viel respektierter Kollege Ralf Schuler und ich täglich in Muschis baden. Entschuldigen Sie die plumpe Sprache, aber manchmal hilft nur Klartext.
Unverantwortlich und dumm
Ich bin mir bewusst, dass ich übergewichtig bin und ich ohne die Qualen des dreimal wöchentlichen Fitnesscenter-Besuchs sogar noch fetter wäre. Ebenso weiß ich um die Vorteile einer reduzierten Kalorienzufuhr, die zu einem schlankeren und vitaleren Körper führen. Aber auf Sex mit Topmodels kann ich eher verzichten als auf gutes Essen und deshalb habe ich mich dazu entschlossen, übergewichtig zu bleiben. Dennoch würde ich niemals einem Kind erzählen, dass es okay ist, sich vollzustopfen und damit das Risiko für Gefäßerkrankungen oder Diabetes zu fördern.
Und wie passt diese Body-Positivity-Gehirnwäsche eigentlich mit den Plänen der Grünen zusammen, Werbung für ungesunde Lebensmittel einzuschränken? Einerseits sieht die linksgrüne Agenda ein Werbeverbot für Dickmacher vor und gleichzeitig macht man Kids weis, dass es völlig okay ist, fett zu sein? Erkenne ich hier als Einziger eine massive Diskrepanz?
Zum "Schutz" von Kindern: Ricarda Lang spricht sich gegen Süßigkeiten und Fast Food Werbung aus.🍔🍬 Vielleicht sollte Frau Lang hier zunächst mit gutem Beispiel voran gehen, denn schließlich schauen sich Kinder oftmals das Verhalten von Erwachsenen ab... #Doppelmoral pic.twitter.com/b2R6zWSN1Y
— Jeanne d’Arc (@seikritisch) February 28, 2023
Besonders realitätsfern sind Fettsäcke, die sich als Opfer von Diskriminierung sehen, weil Restaurants keine Stühle für Elefantenärsche anbieten oder Liegen an Hotelpools nur bis 120 Kg zugelassen sind. Fehlt nur noch, dass sich Spanner darüber beschweren, dass im Freibad keine Ferngläser bereitgestellt und in den Umkleidekabinen von H&M keine Kamerahalterungen installiert sind.
Ahmet Iscitürk
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