Ich vermisse die gute alte Plastiktüte
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Wenn man auf Papierhalme und Papiertüten als Antwort kommt, dann muss die Frage ziemlich dämlich gewesen sein.
Ich verlasse den Supermarkt mit meinen Getränkeeinkäufen, die in zwei sehr fragilen Papiertüten lagern. Bereits nach wenigen Metern zwickt die Ecke eines Saft-Tetrapacks rebellisch an der ersten Tüte. Ein kleiner Riss entsteht. Mein Herz rast. Wenn diese beschissenen Papiertaschen kapitulieren, stehe ich vor einem Desaster. Die Flaschen würden einen ungestümen Asphalt-Kuss niemals überstehen. Und die Dosen? Die freuen sich schon darauf, einen spontanen Rollwettbewerb in alle Richtungen zu starten.
Ich beschleunige meinen Schritt, schließlich sind es nur fünf Minuten bis zur heimischen Oase. Ich kann es schaffen! Positiv bleiben. Doch halt, warum sieht meine linke Tüte aus, als hätte sie Schweißausbrüche? Ach du heilige Kondensation! In meiner Genialität habe ich gekühlte Dosen gekauft und jetzt bilden sich an der kalten, metallenen Oberfläche unzählige Tröpfchen. Ein echter Anfängerfehler. Jedes Kind weiß: Feuchtigkeit ist das Kryptonit der Papiertüte.
Der alte Mann und die Tüte

Hält einfach mehr (aus): Die gute alte Plastiktüte
Da stehe ich, wie der letzte Depp, und bin mir sicher, dass mich aus den Fenstern ringsum schadenfrohe Blicke treffen. Mein Plan? Ein Reinfall. Die feuchte Tüte ist keine Tüte mehr, sondern Pappmaché. Also stapel ich kurzerhand alles auf der trockenen Tüte, umarme den wackeligen Getränke-Eiffelturm und marschiere los. Vor der Haustüre angekommen, klingele ich mit der Nase – Hände sind schließlich Mangelware und der Schlüssel befindet sich in der Gesäßtasche.
Dumme Verbote dummer Menschen
Warum dieser Zirkus? Warum muss ich mich wie ein Artist im Papiertüten-Balancieren versuchen? Weil irgendwelche Trottel in Machtpositionen beschlossen haben, dass Papiertüten nachhaltiger sind als Plastiktüten. Dabei müssten diese Papierwunderwerke ungefähr dreimal so oft zum Einsatz kommen wie ihre Plastik-Cousins, um in der Klima-Hitparade tatsächlich gleichzuziehen. Einige meiner Plastiktüten sind so alt, sie stammen aus Geschäften, die seit Jahren nicht mehr existieren. Währenddessen bete ich, dass eine Papiertüte wenigstens einmal den Heimweg übersteht.
Ferngesteuerte Idioten haben natürlich sofort eine Antwort parat, wenn ich mich aufrege: „Dann nimm doch einfach deine Plastiktüten mit zum Einkaufen! Ist das etwa zu viel verlangt?“ Ja, klar! Ich habe kein Auto und soll den ganzen Tag wie ein wandernder Tütenbaum durch die Gegend latschen, nur falls ich abends spontan Lust auf Einkaufsbummel habe? Wenn ich schon keine CO2-Schleuder besitze, könnte man mir wenigstens den Luxus einer Plastiktüte gönnen. Und wo wir schon mal dabei sind: Ich würde gerne mal wieder ein Erfrischungsgetränk mit Plastikstrohhalm genießen.

Mit Papier hat Autor Ahmet Iscitürk einfach keinen Spaßpaß
Laut Prof. Dr. David Laner von der Universität Kassel erspart uns das Verbot von Einwegkunststoff-Produkten jährlich ganze 0,06 Prozent Plastikmüll in den Ozeanen. Wow! Und dafür muss ich jetzt meinen Cocktail im Speed-Modus schlürfen, bevor der Papierhalm sich in einen weichen Brei verwandelt. Die Öko-Ritter antworten darauf natürlich: „Stell dich nicht so an! Es gibt doch tolle Alternativen, genauso robust wie Plastik!“ Ja klar, und texturiertes Weizenprotein, gemischt mit Rapsöl, Verdickungsmitteln und Aromastoffen, schmeckt genauso gut wie ein echtes Rindersteak.
Es gibt tatsächlich gute Alternativen, aber die meisten Bars und Kneipen setzen verständlicherweise auf die günstige Papierhalm-Variante, denn nicht jeder Gastronom hat Lust, sein Monatsbudget für goldüberzogene Bambushalme auszugeben. Einige versuchten es mit Metallhalmen, aber die wurden schneller geklaut als Luisa Neubauer „Klimawandel“ sagen kann. Lösung? Ein Pfandsystem. Sorry, aber ich nippe lieber direkt am Glasrand, als in den bürokratischen Strudel des Strohhalm-Pfands zu geraten. Für eine beeindruckende Plastikreduktion von 0,06 Prozent, verzichte ich gerne auf etwas Lebensqualität. Prost.
Ahmet Iscitürk
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