„Ich werde weiter Rammstein hören!“ Schriftsteller Uwe Tellkamp verteidigt Till Lindemann
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Es ist DER Skandal dieser Tage. Oder auch nicht?
Bestseller-Autor Uwe Tellkamp (54, „Der Turm“) kritisiert die öffentliche Vorverurteilung von Rammstein-Sänger Till Lindemann (60).
„Ich werde nach wie vor Rammstein hören. Ich bin großer Fan, bekennender Fan“, so Tellkamp im Gespräch mit „Schuler! Fragen, was ist“. „Ich mag Till Lindemanns Lyrik. Ich verstehe nicht, wie sein Verlag ohne wirklichen Beweis sich von ihm distanziert, ihn raus schmeißt. Das finde ich perfide und heuchlerisch.“
Hintergrund: Rammstein-Frontmann Lindemann wird vorgeworfen, während und nach seinen Shows Sex mit Frauen gehabt zu haben, die mit Alkohol und K.O.-Tropfen wehrlos gemacht wurden. Mehrere Frauen traten dafür in Sozialen Netzwerken und Presse-Berichten als Zeugen auf. Lindemann kündigte über seine Anwälte an, juristisch gegen die Äußerungen vorzugehen: „Diese Vorwürfe sind ausnahmslos unwahr.“
Tellkamp sagte dazu: „Wenn ich eine Frau betäube und mich an ihr vergehe, ist das eine Sache fürs Strafrecht.“ Einvernehmlicher Sex zwischen zwei Personen dagegen sei etwas ganz anderes. Sein ironischer Kommentar zum Thema Sex mit Groupies: „Ich dachte immer, dass man in der Row Zero, erst recht bei Rammstein, Hallenhalma spielt …“
Dass sich Medien und Auftraggeber jetzt an Lindemann abarbeiten, findet er falsch: „Man soll nicht vorverurteilen, bevor man alles weiß.“ Den Grund für die mediale Hinrichtung erklärt er so: „Wenn man es platt und primitiv sagt, dann könnte man Rammstein unterstellen, dass es die AfD des Gefühls ist. Das ist natürlich absurd. Wenn man sich die Biografien der Band-Mitglieder anguckt: Die kommen von einer linken Punkband, Till Lindemann war Korbmacher, kommt aus der DDR. Das ist absurd, sowas zu konstruieren.“
Über die Rammstein-Werke sagte Tellkamp: „Diese Band hat einfach keine Scheu vor irgendwelchen Tabus. Die sind damit in Wahrheit frei. Auch geistig frei. Sie gehen genau dort rein, wo es beginnt, weh zu tun. Dafür ist Kunst da. Sie muss zu weit gehen.“
Ralf Schuler
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