Islam-Expertin nennt es normal, wenn Väter und Brüder Chats von jungen Frauen überwachen
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Ein salafistischer Prediger erklärt in einem TikTok-Video: Wenn junge Frauen und Männer chatten, sollte immer auch der Bruder oder der Vater der Frau mitlesen, um Sünden zu verhindern. Migrationsexpertin Souad Lamroubal findet bei Lanz: Alles ganz normal, „das ist der Islam“.
„Darf man mit einer Frau schreiben, wenn man ernste Absichten hat, sie zu heiraten?“, fragte der salafistische Prediger Abul Baraa vor einiger Zeit auf TikTok und beantworte seine Frage sogleich selbst: „Ja.“ Allerdings gebe es für die Kommunikation der potenziell Heiratswilligen eine Bedingung.

Der salafistische Prediger Ahmad Armih, alias Abul Baraa, ist ein Star in der Salafistenszene und wird vom Verfassungsschutz beobachtet.
„Machen sie zum Beispiel bei Whatsapp eine Gruppe auf, dann ist in der Gruppe ihr Vater oder ihr Bruder eingefügt. Sodass der Schaitan (Satan, Anm. d. Red.) nicht dazwischenkommen kann. Wenn man weiß, Vater oder Bruder ist mit drinnen, dann wird man sich auch zügeln mit den Gesprächen.“
Väter und Brüder, die intime Kontakte von Tochter oder Schwester überwachen: Eine patriarchale Übergriffigkeit in die Privatsphäre junger Frauen, die in einer modernen aufgeklärten Gesellschaft nichts zu suchen hat.
„Das ist Islam“
Doch anstatt die Worte des Predigers, dessen Account mehr als 300.000 Follower auf TikTok hat, zu verurteilen, erntete Moderator Markus Lanz nur fragende Blicke, als er Migrations-Experin Souad Lamroubal am Donnerstagabend fragte: „Was sagen Sie, wenn sie sowas hören?“
Nach kurzem Schweigen antwortete Lamroubal: „Welchen Part finden sie jetzt kritisch? Das wäre meine Gegenfrage.“
Irritiert entgegnete Markus Lanz: „Wo soll ich anfangen? Sie finden nichts daran kritisch?“ Lamroubal: „Die Inhalte, das was er gesagt hat, das ist Islam. Das, was er in diesem Video gesagt hat, ist: Mann und Frau sollten nicht Kontakt haben, wenn niemand engeres aus der Familie dabei ist.“
„Es sind natürlich die Männer“
Lanz wandte ein, dass eben nicht irgendwer aus der Familie die Konversation überwachen sollte – sondern explizit die männlichen Mitglieder. Der türkischstämmige Autor Eren Güvercin pflichtete ihm bei: „Es könnte ja auch die Mutter oder Tochter sein. Ist aber nicht so. Es sind natürlich die Männer.“
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Mit ihrer irritierenden Reaktion offenbart Lamroubal unfreiwillig gleich zwei Missstände. Zum einen, dass die gängige Auslegung des Islam – den die Expertin als DEN Islam bezeichnet – in weiten Teilen frauenverachtend ist und Frauen als unmündige Lebewesen sieht, die von Männern kontrolliert werden müssen.
Zum anderen betont sie mehrmals, sie stelle lediglich objektiv fest, wie die Regeln im Islam seien – eine kritische Einordnung des Gesagten möchte die Expertin, deren Familie aus Marokko stammt, hingegen nicht liefern.
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