Israel im Ausnahezustand: Hizbollah startet Großoffensive
Ein Beitrag von
Die libanesische Hizbollah-Miliz hat laut eigenen Angaben ihren angekündigten Großangriff auf Israel gestartet. Dieser Angriff sei eine Reaktion auf die Tötung des hochrangigen Hizbollah-Kommandeurs Fuad Schukr in Beirut, wie die schiitische Miliz mitteilte. Schukr war vor etwa einem Monat bei einem israelischen Angriff ums Leben gekommen. Daraufhin verhängte Israel den landesweiten Ausnahmezustand, der seit 6:00 Uhr Ortszeit für die kommenden 48 Stunden gilt, wie Verteidigungsminister Joav Galant erklärte.
Die Hizbollah, die mit dem Iran verbündet ist, erklärte, mehr als 320 Katjuscha-Raketen, unter anderem auf israelische Militärstützpunkte, abgefeuert zu haben. Sicherheitskreise berichteten zunächst von über 100 Raketen. Laut der Miliz sei damit die „erste Phase“ ihres Angriffs abgeschlossen. Unabhängige Bestätigungen über die Anzahl der von Israel abgefeuerten Geschosse lagen zunächst nicht vor.
Israel führte zuvor präventive Angriffe durch
Zuvor hatte das israelische Militär zahlreiche Stellungen der schiitischen Miliz im Libanon angegriffen, um einer unmittelbaren Bedrohung durch die Hizbollah zuvorzukommen. Sicherheitskreise im Libanon bestätigten die israelischen Angriffe.
Laut dem israelischen Armeesprecher Daniel Hagari hatte das israelische Militär vor Kurzem festgestellt, dass die Hizbollah sich darauf vorbereitete, Raketen auf israelisches Gebiet abzufeuern. Infolgedessen griffen Dutzende Kampfflugzeuge der israelischen Luftwaffe derzeit Ziele der Hizbollah im Libanon an, die „eine unmittelbare Gefahr für die Bürger des Staates Israel darstellen“. Dies sei ein Akt der Selbstverteidigung. An den israelischen Maßnahmen seien auch die Raketenabwehr, die Marine und die Luftwaffe beteiligt.

Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari.
Die Hizbollah werde bald Raketen auf israelisches Gebiet abfeuern und möglicherweise auch Drohnen einsetzen. Diese fortgesetzte Aggression der Hizbollah berge das Risiko, „dass das libanesische Volk, das israelische Volk – und die gesamte Region – in eine weitere Eskalation hineingezogen werden“. Israel werde die Angriffe der Hizbollah auf die israelische Zivilbevölkerung nicht hinnehmen, warnte der israelische Armeesprecher.
Nach Beginn der Angriffe im Libanon sprach der israelische Verteidigungsminister Galant mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Lloyd Austin, wie aus einer Mitteilung von Galants Büro hervorgeht. Beide betonten die Wichtigkeit, eine regionale Eskalation zu vermeiden. Die USA, die als Schutzmacht Israels gelten, hatten kürzlich zusätzliche Kriegsschiffe, Flugzeuge und ein mit Raketen bestücktes Atom-U-Boot in die Region verlegt, möglicherweise um Israel im Falle eines Angriffs durch Kräfte im Libanon oder Iran zu unterstützen.
Flughafen Ben Gurion leitet Flüge um
Angesichts der nach israelischen Angaben unmittelbaren Bedrohungslage an der Grenze zum Libanon rief der israelische Rettungsdienst landesweit die höchste Bereitschaftsstufe aus, berichtete die „Times of Israel“. Der israelische Flughafen Ben Gurion bei Tel Aviv leitete ankommende Flüge auf andere Flughäfen um. In den nächsten Stunden würden außerdem keine Starts erfolgen, hieß es zunächst unter Berufung auf die israelische Flughafenbehörde. Kurz darauf gab die Armee jedoch bekannt, dass der Flughafen ab sofort wieder geöffnet sei.

Der Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv.
Seit Beginn des Gaza-Kriegs zwischen Israel und der islamistischen Hamas vor über zehn Monaten beschießt die mit der Hamas verbündete Hisbollah-Miliz aus dem Libanon fast täglich Ziele im Norden Israels. Das israelische Militär greift im Gegenzug regelmäßig Ziele im Libanon an. Die USA, Ägypten und Katar, die im Gaza-Krieg vermitteln, hoffen, dass durch eine Einigung bei den Verhandlungen über eine Waffenruhe in Gaza auch eine Eskalation des Konflikts mit der Hizbollah und dem Iran und damit ein großflächiger Krieg in Nahost verhindert werden kann.
Auch bei NIUS: Morgengrauen – Der Terror-Überfall auf Israel vom 7. Oktober
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare