Jeden Tag sprengen Gangster einen Geldautomaten in die Luft: Der große Deutschland-Report
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Tik, Bumm, Cash!
Pro Nacht knallt es in Deutschland mindestens ein Mal vor Banken oder an Hausfassaden: Deutschland ist das Paradies der Geldautomaten-Sprenger. NIUS hat die Zahl der Sprengungen in der Bundesrepublik exklusiv zusammengetragen. Das Ergebnis: die Banden machen besonders gerne Bargeld-Beute im Grenzgebiet zu den Niederlanden.
Bremen und Hamburg scheinen für die Geldautomaten-Sprenger eine No-Go-Area zu sein. In Nordrhein-Westfalen hat es dagegen bereits 89 Sprengungen in der ersten Jahreshälfte gegeben. Damit ist das Bundesland Spitzenreiter im Bundesländer-Ranking.
Sehen Sie hier, wie oft es in den ersten sechs Monaten des Jahres in Ihrem Bundesland geknallt hat, Hessen hat auf NIUS-Anfrage nicht reagiert:

Auf Platz Zwei der meistbetroffenen Regionen liegt Rheinland-Pfalz. Bis einschließlich Juni ergaunerten die Automatenknacker 31 Mal dicke Beute. Insgesamt gab es sogar 36 Explosionen, fünf davon waren ohne Erfolg.
Platz Eins belegt Nordrhein-Westfalen. Auf NIUS-Nachfrage sagt die NRW-Polizei, dass das Thema zum Schwerpunkt erklärt wurde. Bedeutet: die Cash-Sprengungen laufen aus dem Ruder. Für die in der Regel niederländischen Tätergruppen steht der Ausflug über die Grenze unter dem Motto „Bargeld holen“. Deshalb hat man in NRW eine Sonderkommission BEGAS (Bekämpfung und Ermittlung von Geldautomaten-Sprengungen) ins Leben gerufen. Diese setzt nicht nur auf die Verfolgung der Täter im Land, sondern arebeitet länder- und staatenübergreifend.

Bingen im März 2018: Die Trümmer eines Geldautomaten stehen am Rand der Saarlandstrasse.

Mai 2023: Ein Geldautomat in Stadtkyll in der Vulkaneifel ist nach einer Explosion völlig zerstört.FOTO
Die Sprenger-Masche: Auto besorgen, sprengen, fliehen
„Die Geldautomatensprengung ist der moderne Banküberfall“, sagte Osnabrücks Polizeipräsident Michael Maßmann bei Spiegel TV. Seine Behörde ist in Niedersachsen für die Aufklärung dieser Taten verantwortlich. Und Maßmann hat viel zu tun, denn laut BKA kommen die meisten Täter aus den Niederlanden. Die typische Täter-Bande kommt aus Utrecht und hat marrokanische Wurzeln, erklärt der Polizist.
Maßmann erklärt das Muster der Überfälle wie folgt: Im benachbarten Nordrhein-Westfalen wird zunächst ein Kennzeichen oder gleich ein ganzes Auto besorgt. Bevorzugt sind hochmotorisierte Audi-Kombis, die eine zügige Flucht samt Beute in die Niederlande ermöglichen. Weitere Personen organisieren den Sprengstoff – in den meisten Fällen Gas.

August 2019: Im niederländischen Waalwijk legen die Täter einen Geldautomaten samt Bankfiliale in Schutt und Asche

Ein zerstörter Geldautomat steht am 01.06.2017 in Berlin im U-Bahnhof am Moritzplatz. Unbekannte hatten dort am frühen Morgen den Automaten gesprengt. Durch die Explosion fing der Automat Flammen.
Deutschland ist ein Paradies für Automaten-Sprenger
Die eigentliche Tat dauere dann nur zwei bis drei Minuten und wird von zwei bis drei jungen Tätern Anfang 20 durchgeführt: Sprengstoff in den Automaten einleiten, sprengen, Geld einsammeln, Abfahrt. Oft geht es in halsbrecherischer Geschwindigkeit auf die nahegelegene Autobahn. Dort kann die Polizei, um Gefährdungen Dritter auszuschließen, nicht mithalten. Den Tätern ist das hohe Tempo natürlich egal.
Am Tatort zurück bleiben oft Sachschäden in Millionenhöhe zurück. Und die Banden werden nach Deutschland zurückkehren. Für sie ist Deutschland ein Paradies: circa 52.000 Geldautomaten gibt es nach Spiegel-TV-Informationen in Deutschland. In den Niederlanden sind es gerade einmal 6000.
Philippe Fischer
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