Jordan Peterson im Interview: „Wovor sollte man mehr Angst haben – die Zunge zu verlieren oder die Seele zu verlieren?“
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- Bei „Schuler! Fragen, was ist“ interviewt NIUS-Reporter Julian Reichelt den kanadischen Psychologen Jordan Peterson
- Der Bestseller-Autor spricht über den Einfluss heutiger Politik auf die Identität der westlichen Welt.
- Außerdem erklärt Peterson, wie Narzissten das Internet dominieren und so einen falschen Eindruck der Meinung der breiten Bevölkerung vermitteln.
Jordan Peterson ist klinischer Psychologe, Professor und Bestseller-Autor. Der Kanadier ist international für seine Kritik an ausufernder politischer Korrektheit und für seine Meinung zur Identitätspolitik bekannt geworden. Auch bei der Rolle der Geschlechter nahm Peterson international eine konservative Führungsrolle ein. NIUS-Reporter Julian Reichelt konnte mit Peterson ausführlich sprechen über: den Weg aus der Armut in den Wohlstand, die deutsche Identitätspolitik nach dem zweiten Weltkrieg sowie die Gemeinsamkeit und unvermeidbare Konflikte der großen Religionen.
Hier sehen Sie das ganze Interview:
Gesellschaftlicher Wandel muss mit Technologie-Wandel mithalten
Peterson beobachtet, dass die Gesellschaft schneller auf neue – manchmal auch falsche – Trends aufspringt. „Einer der Punkte, an die wir uns in diesem Zusammenhang erinnern sollten, ist, dass es vor zehn Jahren noch keine Smartphones gab und es wahrscheinlich auch in zehn Jahren keine mehr geben wird.

Wir haben keine Ahnung, wohin uns dieser technologische Wandel führen wird“ sagt der Experte. Man müsse sich ethisch verändern. Nur in welche Richtung? Das kämpfe man aktuell aus. „Die Chancen sind groß, die möglichen Katastrophen aber auch. Und sie kommen immer schneller auf uns zu.“

Nicht jeder Fremde ist gleich
Dass die Migration die westlichen Länder nachhaltig prägen wird, steht für Peterson außer Frage. Man kann den Leuten nicht hinter die Stirn schauen und erhält entsprechend immer eine Katze im Sack, wie Peterson erläutert: Es sei das „ewige Rätsel, vor dem man steht, wenn man einem Fremden gegenübersteht. Ist das jemand, der über eine Fülle von Möglichkeiten und Weisheit verfügt, von der Sie auf unkalkulierbare Weise profitieren könnten? Oder ist das die Pest selbst? Und die Konservativen tendieren eher zur Interpretation der Pest und die Liberalen eher zur Interpretation der endlosen Möglichkeiten. Und beide haben manchmal recht. Deshalb reden wir ständig, um genau herauszufinden, wie die Situation gerade ist.“

Und mit Migration gehen Konflikte einher. Das dürfe man nicht verheimlichen. „Vielleicht gibt es in England polnische Einwanderer. Nun, sie sind Polen mit einem jüdisch-christlichen Hintergrund. Vielleicht hat England fundamentalistische, wahhabitische Islam-Einwanderer. Die Tiefe der Konflikte ist dann viel größer. Sie sind viel größer. Das bedeutet, dass die Ideen, um die es geht, viel weiter unten in der Abhängigkeitshierarchie stehen. Es hängt viel mehr davon ab. Und so ist der Preis dieser radikalen Inklusion der Krieg zwischen dem zugrunde liegenden Ethos, und je tiefer der Krieg, desto destabilisierender ist er.“

Leider enden diese Konflikte, egal wo, oft mit dem gleichen Resultat: Krieg. „Das ist das historische Muster zwischen Islam und Christentum. Nun tun wir gut daran zu hoffen, dass das nicht der einzige Weg ist.“
Julian Reichelt
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