Kanzler in Cottbus: Kein Kontakt zu Demonstranten – Scholz scholzt sich um die Bauern rum!
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Der Kanzler zu Gast in Cottbus, inmitten der Bauern-Proteste, die schon die ganze Woche das Land bewegen. NIUS war vor Ort: Es hätte ein spannender Termin, vielleicht sogar ein kleiner Befreiungsschlag für die von unterirdischen Umfragewerten gebeutelte Ampel werden können.
Doch Scholz scholzte. Mal wieder!
Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir hatte dem Bundeskanzler am Vortag eigentlich vorgelebt, wie man trotz, beziehungsweise gerade wegen eines extrem angeschlagenen Standings beherzt in Kontakt mit dem Bürger tritt. Der Grünen-Minister stellte sich mehreren Tausend stocksauren Landwirten, kletterte nach einer Rede in der Stadthalle Ellwangen (Baden-Württemberg) vor der Tür auf einen Anhänger und sprach zu den Demonstranten. Zwar mit Polizeischutz und Sicherheitsabstand, aber immerhin. Und: Özdemir gab auch den Bauern Gelegenheit zu reden, hörte ihnen sehr aufmerksam zu.
Für Scholz wäre Cottbus die perfekte Gelegenheit gewesen ...

Özdemir sprach gestern vor Tausenden Bauern, die stocksauer auf ihn und die Ampel sind.
Die Eröffnung des neuen ICE-4-Bahnwerks in Cottbus wäre nur einen Tag später auch für Scholz die perfekte Gelegenheit gewesen, endlich einmal direkt mit den Bauern zu reden. Ihnen die Sparpläne seiner Regierung Auge in Auge zu erklären, sie zu verteidigen, vielleicht sogar einzelne Punkte zu revidieren.
Hunderte Trecker und Demonstranten hatten sich schon im Morgengrauen auf den Weg in die Cottbuser Innenstadt gemacht – in der Hoffnung, den Mann, der ihnen mit seiner weltfremden Politik so viel Kopfzerbrechen bereitet, live zu sehen und zu hören. Dem Bundeskanzler endlich mal die Meinung sagen zu dürfen. Friedlich, aber mit deutlichen Worten, so wie sie es auch gestern in Ellwangen bei Özdemir taten.
Schnell aus dem Staub gemacht
Doch Kanzler Scholz eröffnete nur das ICE-Werk und machte sich wieder aus dem Staub. Im Vorfeld hatte er bereits angekündigt, am Rande der Veranstaltung mit Bauern-Präsident Henrik Wendorff reden zu wollen, was wohl auch geschehen ist. Wendorff berichtete den Demo-Bauern, Scholz habe ihm gesagt, er wolle sehr bald mit Özdemir über ihre Sorgen und Nöte sprechen.
Stellt sich die Frage: warum nicht mit den Landwirten selbst?!

Scholz heute in Cottbus. Der Kanzler eröffnete ein ICE-Bahnwerk und verschwand wieder. Die Demonstranten vor der Tür bekamen ihn nicht zu Gesicht.
Der Kanzler war beim Eintreffen am ICE-Werk mit einem lauten Hup-Konzert und Protestrufen begrüßt worden, bedrohlich war die Situation aber keinesfalls. Während der Eröffnung hatte Scholz dann das Demogeschehen vor der Tür maximal dröge kommentiert: „Wir leben ja in aufgeregten Zeiten, ein bisschen haben wir das auch gehört.“ Und dann sagte er noch: „Auch das gehört zur Demokratie dazu, dass man sich seine Meinung sagt.“
Mehr hat der seit Monaten komplett angezählte SPD-Kanzler zum Thema Bauern-Proteste tatsächlich nicht zu sagen.
Des Kanzlers Umfragewerte: schlimmer geht’s nimmer ...
Man fragt sich: Wie tief will der Kanzler eigentlich noch im Ansehen der Bürger abstürzen? Erst vor wenigen Tagen veröffentlichte das Meinungsforschungsinstitut Insa neue Katastrophen-Zahlen für Scholz: Zwei Drittel der Deutschen wünschen sich, dass Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) ihn umgehend als Bundeskanzler ablöst. Eine Insa-Umfrage von gestern bringt ans Licht: 68 Prozent der Bürger misstrauen den Politikern, von denen sie regiert werden. Und: Nur 19 Prozent sind mit Scholz als Regierungschef zufrieden – der schlechteste Kanzler-Wert seit Jahrzehnten.

Die Ampel-Chefs Lindner, Habeck und Scholz. Die großes Mehrheit der Bürger vertraut ihnen nicht mehr.
Ein beherzter Auftritt vor den Menschen, die Scholz regiert, ein bisschen Empathie, Authentizität und aufrichtiges Zuhören hätten diese Zahlen sehr wahrscheinlich nicht verschlechtert. Schlimmer geht ja fast nimmer!
Doch Scholz scholzte sich in Cottbus um die Bauern rum. Kein Kontakt zu Demonstranten, kein Kontakt zum Bürger. Die nächste (Un)-Beliebtheitsumfrage kommt bestimmt ...
Kleiner Lichtblick für die Bauern: Die Chefs der Ampel-Fraktionen im Bundestag haben heute Gespräche mit den Landwirten angekündigt. Scholz’ Ansehen beim Volk dürfte das allerdings nicht retten.
Helena Gebhard
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