Keine Lösung für Rotor-Blätter: Wohin mit den alten Windrädern?
Ein Beitrag von
Deutschland hat ein Windkraft-Problem. Doch während Kanzler Olaf Scholz (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) aufs Tempo beim Ausbau der Windmühlen drücken, schlägt der Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft (BDE) Alarm: beim Abbau.
Im Zentrum die Frage: Wohin mit den alten Windrädern?
Das Problem: Es gibt derzeit keine Lösung für das Recycling der Rotorblätter. In einer internen Video-Schalte des BDE wurde eine ernüchternde Bilanz gezogen. Seit Beginn des großen Windkraftausbaus um die Jahrtausendwende herum wurden in Deutschland bis heute knapp 35.000 Windräder aufgestellt. Durchschnittliche Lebensdauer: zwanzig Jahre.
Mit anderen Worten: Während laut Bundesregierung ab sofort möglichst sechs Windräder pro Tag aufgestellt werden sollten, müssen mehr und mehr Mühlen der ersten Generation verschrottet werden. Die Bundesregierung habe das Problem zwar immerhin erkannt, hieß es in der Schalte, will aber frühestens im kommenden Jahr im Rahmen der neuen Kreislaufwirtschaftsstrategie Ideen zur Lösung vorlegen.
Dabei drängt die Zeit. „Die Recyclingwirtschaft kann das Problem nicht lösen“, sagt BDE-Präsident Peter Kurth und verweist auf die „Herstellerverantwortung“. Soll heißen, wenn die Hersteller von Rotorblättern keine neuen Materialien finden, wird der Berg nicht verwertbarer Schrott-Flügel weiter wachsen.

Landschaft in Ostbrandenburg mit mehreren Windrädern.
Derzeit werden alte Rotorblätter zersägt und verbrannt, schlicht vergraben oder in kleinen Stücken in Beton eingegossen. Zwar gibt es theoretische Verfahren (z.B. Pyrolyse), bei denen die verleimten Kohlefasern der Flügel wieder aufgelöst werden können, „die aber viel zu teuer und nicht wirtschaftlich sind“, sagt Kurth. „Die Hersteller müssen künftig das Recycling mitdenken, wie es bei anderen Produkten schon üblich ist.“
Die Zerlegung und Wiederverwendung der Türme ist nach Angaben der Entsorger kein Problem. Auch die massiven Betonfundamente können zermahlen und als Bergwerksfüllungen oder zum Befestigen von Böschungen verwendet werden, ohne dass Emissionen oder andere Reste entstehen.
Ralf Schuler
Artikel teilen
Kommentare