„Leistungsabsturz“: Das deutsche Schulsystem verdient die Note 5
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- Sechs Jahre lang war Heinz-Peter Meidinger Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Seine Schulsystem-Bilanz: Vernichtend!
- Migrationsbiografien und mangelnde Sprachkenntnisse werden zum Problem.
- Lesekompetenz verschwindet immer mehr!
Bildungs-Klartext von Deutschlands Oberlehrer a.D.!
Der langjährige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Heinz-Dieter Meidinger, gibt dem deutschen Bildungssystem eine erschütternde Bewertung. Im Gespräch mit „Schuler! Fragen, was ist“ sagte Meidinger: „Wir haben tatsächlich einen Leistungsabsturz, und zwar einen Leistungsabsturz, wie wir ihn eigentlich bisher noch nicht kannten. Es gab zwar mal den Pisa-Schock, aber der Pisa-Schock war ja vor allem ein Schock, weil wir damals überhaupt nicht wussten, wo wir standen. Jetzt wissen wir eigentlich, wo wir stehen oder standen und sehen, dass wir massiv an Lesekompetenz verlieren unter unseren Grundschülern. Ein Viertel aller Grundschüler ist nicht in der Lage, so viel lesen zu können, dass man erfolgreich lernen kann. Das heißt, die haben kaum Chancen auf weiterführenden Schulen und es besteht hohe Gefahr, dass sie keinen Schulabschluss schaffen. Darunter auch sind auch sehr viele Kinder mit Zuwanderungsgeschichte beziehungsweise aus sozial schwierigen Situationen.“
Das ganze Gespräch finden Sie hier:
Die Gründe für diesen „Leistungsabsturz“ sind vielfältig, so Meidinger. „Ein Grund ist sicher Corona. Während der Corona-Zeit haben wir vor allem die Kinder abgehängt, die keine elterliche Unterstützung hatten, die auch an der Grundschule nicht selbstständig arbeiten konnten. Es liegt auch am Lehrkräfte-Mangel. Wir haben viel zu wenig Lehrkräfte. Es liegt aber auch daran, dass wir es nicht geschafft haben, mit der veränderten Schülerschaft richtig umzugehen.“
Vor allem mit den Folgen der Zuwanderung komme das deutsche Bildungssystem immer weniger klar, sagt Meidinger der selbst lange Jahre als Gymnasiallehrer unterrichtete. „Wir hatten vor zehn Jahren ungefähr 24 Prozent, also rund ein Viertel Kinder mit Zuwanderungsgeschichte. Jetzt bei der letzten Studie waren es schon fast 40 Prozent. Und wir kriegen immer mehr Kinder in die Schule, die nicht Deutsch können, die von Anfang an dem Unterricht nicht folgen können. Deutschland hat darauf nicht reagiert. Das große Thema der vorschulischen Förderung haben wir in Deutschland verschlafen und ich glaube, wir setzen auch an der Grundschule die falschen Schwerpunkte.“
Welche Note verdient unser Schulsystem?
Auf die Frage, welche Note er dem deutschen Schulsystem geben würde, sagte Meidinger: „Ich würde zwei unterschiedliche Noten geben, je nach dem jeweiligen Referenzrahmen. Wenn man es im internationalen Vergleich sieht, glaube ich, dass wir immer noch in Deutschland ein zufriedenstellendes Bildungswesen haben. Wir haben viele Länder, die haben ein total geteiltes Bildungswesen. Nur die Reichen auf teuren Privatschulen können ihre Kinder gut ausbilden lassen. Wir haben wenigstens noch ein einigermaßen gut funktionierendes oder sagen wir mal funktionierendes öffentliches Schulsystem. Also international, glaube ich, geht es noch.“

Ex-Lehrerverbands-Chef Meidinger zu Gast bei NIUS-Politik-Chef Ralf Schuler
Der der langjährige Chef des Deutschen Lehrerverbandes schiebt ein gewichtiges ABER hinterher: „Wenn wir uns allerdings nach den Möglichkeiten richten und unserem Anspruch, den wir in Deutschland eigentlich haben als Bildungsland, dann würde die Note deutlich schlechter ausfallen. Dann würde ich eine Fünf geben. Mangelhaft.“
Immer mehr Familien, in denen kein Deutsch gesprochen wird
Die wachsende Zahl von Kindern mit Migrationsgeschichte werde mehr und mehr zum Problem für das deutsche Schulsystem, so Meidinger. „Allein die Zahlen, zeigen es: Wir werden in wenigen Jahren über 50 Prozent der Kinder an Grundschulen – und das setzt sich ja dann fort in die weiterführenden Schulen fort – haben, die eine Zuwanderungsgeschichte, haben, entweder im Ausland geboren sind, oder die Eltern sind im Ausland geboren. Und die bringen Herausforderungen mit. Also wir haben eine zunehmende Anzahl von Familien, wo zu Hause nicht überwiegend Deutsch gesprochen wird. Es sind in Deutschland mittlerweile etwa 60 Prozent aller Familien, wo nicht immer Deutsch gesprochen wird. 60 Prozent! Und darauf muss man reagieren, und das machen wir bisher nicht“, sagte Meidinger.
Der Pädagoge verwies auf eine Grundschule in Ludwigshafen-Gräfenau, an der „vierzig von 130 Erstklässlern nicht versetzt werden. Vierzig, also ein Drittel aller Schüler in der ersten Klasse bleibt sitzen. Warum? Weil sie eben von Anfang an sprachlich nicht in der Lage waren, dem Unterricht zu folgen. Und das kann man nur regeln, indem wir in Deutschland erheblich mehr in die vorschulische Bildung stecken. Also im Endeffekt muss jedes Kind, das in die Schule kommt, Deutsch können und dem Unterricht folgen können. Und das schaffen wir bisher nicht“.
Ralf Schuler
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