„Man vergisst, ob noch irgendein Schwein versteht, was man sagt“: Ricarda Lang rechnet mit der eigenen Sprache ab
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Ricarda Lang ist eine Meisterin der Floskel-Sprache. Routiniert reiht sie Phrase an Phrase, die Worte, die sie wählt, wirken oft so, als habe eine PR-Agentur sie zusammengewürfelt. Im einstündigen Porträt mit dem Spiegel-Journalisten Markus Feldenkirchen, das am Montagabend in der ARD ausgestrahlt wurde, spricht die Ex-Vorsitzende der Grünen ungewohnt locker und gibt zu: Oft verstehen die Menschen nicht mehr, was sie meint.
„Für ihr Alter ist sie erstaunlich geschult in der Kunst des ungefähren Sprechens“, resümiert Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen in seiner einstündigen Doku über Ricarda Lang.

Ricarda Lang gibt nach den Verhandlungen zum Autobahnausbau ein Presse-Statement.
Zuvor hatten die beiden gemeinsam einen Einspieler mit dem Presse-Auftritt der ehemaligen Grünen-Chefin angesehen. Lang war darin gemeinsam mit SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil und Finanzminister Christian Lindner (FDP) vor die Kameras getreten, um die Ergebnisse der Ampel-Verhandlungen über den Autobahnausbau zu verkünden. In den Verhandlungen hatten die Grünen viele Forderungen gegenüber den Ampel-Partnern nicht durchsetzen können. Trotzdem versuchte Lang, den Verhandlungs-Misserfolg vor den Mikrofonen der Pressetraube als Erfolg zu verkaufen:
„Am Ende haben wir uns als Ampel auf diesen Weg gemacht und jetzt gehen wir die Modernisierung und die Strukturreformen an, um dieses Land voranzubringen und ich bin froh, dass wir Teil einer Regierung sind, die damit jetzt anfängt. Die sich jetzt auch wirklich auf den Weg gemacht hat, es sich nicht einfach macht, sondern die schwierigen Aushandlungen auf sich nimmt, um am Ende in der Sache wirklich auch voranzukommen.“

Spiegel-Journalist Markus Feldenkirchen
„Was für ein Floskel-Politsprech“
„Wirklich auf den Weg kommen, um in der Sache voranzukommen – was für ein Floskel-Politsprech“, kommentiert Feldenkirchen das Statement im Off-Text.
Dann endet der Einspieler, Lang fragt lachend: „Zählen wir auch, wie oft ich ‚wirklich‘ gesagt habe?“ Feldenkirchen pflichtet ihr bei: „‚Wirklich‘ sagen Sie wirklich oft.“
Der Journalist fragt: „Finden Sie es nicht auch seltsam, wenn Sie hören, was das für ein abgezirkeltes Sprechen ist? Weil, das sind ja auch nicht Sie.“
Lang nickt und reflektiert dann selbstkritisch: „Ja. Wenn ich das jetzt so höre, denk’ ich mir auch: Boa, das hört sich wirklich sehr schachtel-mäßig an, als ob man nichts gesagt hat. Das ist auch eine Lehre für mich, in Bezug auf meine eigene Partei und auf mich. Ich glaube, manchmal stecken wir so viel Arbeit rein, miteinander Wordings abzustimmen, wo sich jeder in einem kleinen Nebensatz wiederfindet, dass man vergisst, ob da draußen noch irgendein Schwein versteht, was man sagt. Und dann denkt man die ganze Zeit: Wenn ich noch den Halbsatz reinbekomme, … wenn ich noch dieses Wort reinbekomme, … dann werden die da draußen merken, dass da eigentlich das und das gemeint ist. Aber stattdessen merken die gar nichts mehr. Die stehen davor und sagen: SO redet doch kein Mensch.“

Für die Doku „Konfrontation – Markus Feldenkirchen trifft Ricarda Lang“ begleitete der Journalist die Politikerin über viele Monate hinweg.
„Einfach mal zugeben, dass es grad gar nicht so einfach ist“
Diese Erfahrung habe sie auch nach den Wahlen in Brandenburg gemacht, als sie ein Video machen sollte. „Ich stand da vor der Kamera und habe zu meinem Team gesagt: Ganz ehrlich: Ich habe keinen Bock, mich hier jetzt hinzustellen und zu sagen: Wir müssen nur eins, zwei, drei machen und dann wird alles wieder gut. Ich weiß auch grad nicht, was eins, zwei, drei ist und glaube nicht, dass irgendjemand es weiß. Man sollte dann vielleicht auch einfach mal zugeben, dass es grad gar nicht so einfach ist.“
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