„Mulmiges Gefühl“ und „Angst vor aggressivem Verhalten“: Warum Zahnärztinnen den nächtlichen Notdienst verweigern
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Zahnärztinnen im Kreis Heilbronn lehnen es ab, nachts allein in ihrer Praxis Notfälle zu behandeln, da sie Angst vor aggressiven und übergriffigen Patienten haben. Wie der SWR berichtet, gebe es mehrere, die nachts nicht mehr in die Praxis fahren, um einen Notfall zu behandeln.
Julia Palm, seit zwölf Jahren Zahnärztin in Heilbronn, beschreibt das Problem wie folgt: „Man geht da schon mit einem mulmigen Gefühl in die Praxis. Man weiß natürlich nicht, was einen dort erwartet.“ Es könne sein, dass Patienten etwa alkoholisiert seien oder schlechte Laune haben. „Es muss gar nicht viel passieren und die Patienten werden schon aggressiv und ungehalten.“
Patienten sind in den letzten Jahren aggressiver geworden
Inzwischen würde sie nicht mehr mitten in der Nacht allein in die Praxis fahren, um einen Notfall zu behandeln, so die Zahnärztin. Zur Sicherheit werde sie von ihrem Ehemann begleitet, erzählt sie. Eigentlich wolle sie künftig aber gänzlich auf den nächtlichen Notdienst verzichten: „Wir in der Praxis haben es so organisiert, dass eigentlich immer, wenn es geht, mein Kollege auf Abruf bereit ist, damit weder ich noch meine Kollegin da nachts alleine raus müssen.“

Manche Zahnärztinnen wollen Nachtschichten nur noch in Begleitung ihres Mannes antreten.
Die Dentistin beobachtet ebenfalls, dass Patienten in den letzten Jahren schneller aggressiv reagierten. Einmal sei sogar jemand unter Drogeneinfluss in ihre Praxis gekommen, habe laut herumgeschrien und eine sofortige Behandlung verlangt, erzählt sie.
Konflikte treten teilweise auch bei Patienten und Patientinnen mit schlechten Deutschkenntnissen auf. Palm und ihr Team versuchen, mit digitalen Übersetzungsprogrammen zu kommunizieren. Doch nicht immer sei dies möglich: „Der Patient hat nicht verstanden, dass wir bei ihm nur eine reine Schmerzbehandlung machen dürfen. Er wollte aber dann über das Maß hinaus noch mehrere Behandlungen haben. Er ist dann sehr, sehr laut geworden.“
Mögliche Gründe sind „Ungeduld“ und „überhöhte Erwartungen“
Die Vorfälle bestätigt auch der Sprecher der Kreiszahnärzteschaft Heilbronn, Andreas Volk. „Der Ton wird rauer. Das ist durchaus zu hören“, so Volk. Er berichtet von Zahnärztinnen, die den Notdienst nicht mehr übernehmen möchten, weil sie sich bei einem Notfall nachts nicht mehr allein in die Praxis trauen.
Auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZV) bestätigt den Trend und sieht die Gründe in „Ungeduld“ der Patienten und „überhöhten Erwartungen“. Zwar wisse man von konkreten körperlichen Übergriffen nicht, aber bestätigt, dass landesweit Zahnärzte gibt, die den Notdienst nicht mehr übernehmen möchten. Vor Ort wird dann nach individuellen Lösungen gesucht. Versorgungslücken entstünden dadurch jedoch nicht.

Notdienste beim Zahnarzt mit unzureichenden Deutschkenntnissen: „Die Stimmung wird rauer.“
Das Fachblatt Der freie Zahnarzt berichtet, dass es besonders während der Notdienste zu aggressivem Verhalten und bedrohlichen Situationen kommt, sodass sich vor allem Zahnärztinnen und Berufsanfänger in diesen Schichten unsicher fühlen und Angst haben.
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