Nach Verbot nehmen Linke in Neubrandenburg Abschied: Requiem für die Regenbogenflagge
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Trauer in Neubrandenburg. Zumindest bei den Freunden der Regenbogenfahne, die bis vor wenigen Stunden noch am Bahnhof im Wind flatterte. Sie wurde abgenommen, nachdem die Stadtvertreterversammlung das LGBTQ-Symbol an öffentlichen Gebäuden verboten hatte. Nun fand eine Mahnwache für die verbannte Fahne statt, NIUS war vor Ort.
Das Verbot der Regenbogenflagge war am Mittwochabend beschlossen worden und sorgte umgehend für Aufruhr in der drittgrößten Stadt Mecklenburg-Vormpommerns. Bürgermeister Silvio Witt (parteilos) kündigte nach dem Verbot seinen Rücktritt an. Er war für seinen aktivistisch anmutenden Einsatz für die queere Community im Vorfeld mehrfach in die Kritik geraten.
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Trauer am verwaisten Fahnenmast, Warnung vor „Faschisten“
Zur Mahnwache für die Regenbogenflagge erscheint Bürgermeister Witt am Freitag nicht. Es versammeln sich jedoch rund 150 Neubrandenburger am verwaisten Fahnenmast vor dem Bahnhofsgebäude: linke Aktivisten und Stadtvertreter, Mitglieder der queeren Community der Gegend, auch viele Normal-Bürger. Am offenen Mikrofon wird vor Faschismus gewarnt, mit Kreide werden Regenbögen auf den Asphalt gemalt.
In einer Ansprache nennt Initiator Tobias Hecht die Mahnwache „Trauerveranstaltung für eine zerstörte Idee“. Viele Menschen und Akteure hätten jahrlelang für die Regenbogenflagge in der Stadt gekämpft. Hecht: „Das Flaggenverbot reiht sich ein in eine immer länger werdende Liste gesellschaftlichen Versagens, die wir uns von Faschisten und Ewiggestrigen aufzwingen lassen.“ Hecht sitzt für die Gruppe „Cannabis und Bürgerrechte“ in der Neubrandenburger Stadtvertretung, zuvor war er Mitglied der Linken-Fraktion.

Nachdem die Regenbogenfahne merhmals gestohlen worden und durch Nazi-Flaggen ersetzt worden war, besuchte Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) im Jahr 2023 Neubrandenburg und Bürgermeister Silvio Witt.
Traurige Gesichter, Umarmungen
Nach einer Schweigeminute für die Flagge wird John Lennons Hymne „Imagine“ abgespielt. Das Requiem für die Regenbogenfahne. Traurige Gesichter, Umarmungen. Dann ist die Kundgebung beendet. Beim Abschied spricht man sich gegenseitig Mut zu: „Habt ein schönes Wochenende, sammelt Kraft, wir werden sie brauchen.“

Szene der Mahnwache
„Das ist politische Gewalt“
NIUS hakt nach seiner Rede bei Kommunalpolitiker Tobias Hecht nach: Hält er die 15 Stadtvertreter, die für das Verbot der Regenbogenfahne gestimmt haben, tatsächlich für Faschisten? Hecht: „Wenn die Stadtvertreter öffentlich Zeichen setzen gegen Toleranz und gegen Gleichberechtigung und dagegen sind, dass Leute hier glücklich werden können, dann ist das eben genau das, was man als Faschismus bezeichnen kann. Ein Verbot für eine Regenbogenfahne auszusprechen, ist politische Gewalt.“
Auf den Einwand, dass an einem Bahnhof doch eigentlich Fahnen hängen sollten, die für alle Bürger der Stadt sprechen, behauptet Hecht: „Ja, und das tut die Fahne.“

Der Initiator der Regenbogen-Mahnwache: Tobias Hecht, Stadtvertreter der Gruppe „Cannabis und Bürgerrechte“
Das Argument, dass die Regenbogenfahne aus Sicht vieler Menschen längst nicht mehr für Toleranz steht, sondern von der Trans-Ideologie für ihre Zwecke gekapert wurde, hält Hecht für absurd: „Diese Fahne kann gar nicht zweckentfremdet werden. Jeder Mensch lädt die Flagge in seinem persönlichen Kontext mit Bedeutung auf, das stimmt. Aber daraus abzuleiten, die Regenbogenflagge sei ein Symbol für Sodom und Gomorrha, das ist falsch.“
Das Verbot der Regenbogenfahne, die seit Längerem und dauerhaft am Neubrandenburger Bahnhof hing, hatte die Stadtvertretergruppe „Stabile Bürger NB“ beantragt und mit Stimmen der AfD und des Bündnis Sahra Wagenknecht durchgesetzt. Hecht und seine Gruppierung wollen jetzt in der Stadtvertreterversammlung beantragen, dass die Fahne wieder gehisst werden darf.
Simone Schamann
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