Neue Rätsel um den englischen „Bill Gates“: Milliardärs-Yacht sank in nur 60 Sekunden
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Was geschah an Bord der Super-Yacht des britischen Tech-Milliardärs Mike Lynch?
Die Yacht Bayesian war am Montagmorgen nahe Palermo im Sturm gesunken (NIUS berichtete). Die Leiche von Mike Lynch wurde am Mittwoch gefunden, ebenso die seiner Tochter Hannah (18). Videos zeigen, dass das Schiff innerhalb von 60 Sekunden gesunken ist. Der Yacht-Experte und Bootsbauer Jan Maas sagte in der FAZ: „Ein intaktes Schiff würde sicherlich nicht ohne Weiteres auf die Seite kippen oder sinken.“ Es könne aber selbst eine Luxus-Yacht wie die Bayesian einer Windhose zum Opfer fallen.

Der britische Milliardär Mike Lynch
Mit der Yacht gingen 22 Menschen vor der Küste von Porticello unter, 15 konnten gerettet werden, insgesamt sechs von sieben Vermissten wurden tot geborgen. Die zunächst vermissten und inzwischen gefunden Personen sind der Präsident von Morgan Stanley International Jonathan Bloomer (70), seine Frau, Lynchs Anwalt und dessen Frau.
Die Besatzung hatte keine Chance
Wie schnell die Katastrophe über die Segel-Gemeinschaft hereinbrach, zeigen zwei Videos, die von Überwachungskameras aufgenommen wurden. Gegen vier Uhr morgens peitschte der Wirbelsturm über die Bucht, in der die Bayesian (Baujahr 2008, 3000 Quadratmeter Segelfläche) lag. Der 75 Meter hohe Mast neigte sich mehr und mehr zum Wasser, dann kenterte das Schiff, sackte 49 Meter in die Tiefe. Die Besatzung hatte keine Chance. Wahrscheinlich wurden einige Personen in den Kabinen eingeschlossen und konnten sich nicht mehr befreien. Die Staatsanwaltschaft hat eine Untersuchung des Schiffbruchs eingeleitet.
Erst im Juni hatten Mike Lynch und sein Partner Chamberlain einen jahrelangen Rechtsstreit in den USA gewonnen – es ging um den Verkauf seiner Firma „Autonomy“, für die Hewlett Packard elf Milliarden Dollar gezahlt hatte. Dieser Kauf hatte sich für HP als Flop erwiesen – das Unternehmen musste fast neun Milliarden Dollar abschreiben. Es folgte ein langer Rechtsstreit mit den Engländern. Hewlett Packard behauptete, dass die Umsatzzahlen vor dem Verkauf manipuliert worden waren. Keine Beweise dafür – Freispruch. Wäre Lynch verurteilt worden, hätten ihm 25 Jahre Gefängnis in den USA gedroht.
„Es ist bizarr, aber ich habe auch ein zweites Leben“
Dieser Freispruch kam für Experten überraschend – offenbar auch für Mike Lynch. Der Sunday Times sagte er: „Wenn das hier falsch gelaufen wäre, wäre es das Ende des Lebens gewesen, wie ich es bisher kannte.“ Und: „Es ist bizarr, aber ich habe auch ein zweites Leben.“

Mit einem Aluminiummast von über 70 Metern Höhe brach die „Bayesian“ Rekorde.
Es lohnt sich, das erste Leben des exzentrischen Milliardärs Mike Lynch einmal genauer zu betrachten. Das tat die Neue Zürcher Zeitung. Sie schreibt: Sein Leben glich einer Achterbahnfahrt. „In den USA geht nur ein Bruchteil der von einem Bundesgericht verhandelten Kriminalfälle zugunsten des Angeklagten aus. Bei Lynch geschah es – er konnte seine elektronischen Fußfesseln ablegen und bekam seine 100 Millionen-Dollar-Kaution zurück.“
Fleischfressende Piranhas im Eingang
Was für ein Exzentriker, dieser Mike Lynch! Sitzungszimmer benannte er nach Bösewichten aus James-Bond-Filmen. Im Eingangsbereich seiner Firma „Autonomy“ ließ er ein großes Aquarium mit fleischfressenden Piranhas aufstellen. Gleichzeitig war er ein liebevoller Vater, der in seiner Freizeit Modelleisenbahnen baut und Karpfen züchtet.
Nun ist dieser spleenige Milliardär verschollen. Dass er noch unter den Lebenden weilt, halten Rettungsexperten für „ausgeschlossen“.
Die Tragödie um den Milliardär Mike Lynch ist aber noch nicht zu Ende erzählt. Denn zwei Tage vor der Schiffskatastrophe starb sein ehemaliger Finanzchef Stephen Chamberlain, der ebenfalls in den USA wegen Bilanzfälschung angeklagt war. Auch er kam frei. Und auch er konnte nicht das Leben genießen, das zu Hause in England auf ihn wartete. „In einem tragischen Zufall“, so schreibt es die FAZ, „ist Chamberlain beim Joggen von einem Auto angefahren worden. Er verstarb im Krankenhaus.“
Vielleicht ist die Formulierung „tragischer Zufall“ klug gewählt. Zwei Männer werden zusammen zu Milliardären. Dann scheinen Sie alles zu verlieren – aber gewinnen überraschend ihren Prozess. Und sind wieder reich, steinreich. Und jetzt sind sie – wirklich „tragisch“ – wieder vereint.
Louis Hagen
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