Jeder Fünfte findet seinen Job sinnlos, sagt eine neue Studie
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In einer aktuellen quantitativen Studie der Universität Zürich, die knapp 2000 Menschen in den USA zur Sinnhaftigkeit ihrer Arbeit befragte, antworteten 19 Prozent, sie würden ihre Tätigkeit „nie“ oder „selten“ als sinnstiftend wahrnehmen. Das ist ungefähr jeder Fünfte.
Langeweile im Job kennt fast jeder. Und auch ein gewisses Maß an repetitiven Aufgaben lässt sich in kaum einem Beruf vermeiden. Wenn diese jedoch die Arbeit dominieren, kann man von einem „Bullshit-Job“ sprechen. Einem Job, der sinnentleert und stupide ist, dem Arbeitenden das Gefühl gibt, nichts Wertvolles zur Gesellschaft beizutragen.
„Bullshit-Job“ geht zurück auf amerikanischen Publizisten David Graeber
Der Begriff „Bullshit-Job“ geht zurück auf den amerikanischen Publizisten und Kulturanthropologen David Graeber, der 2018 ein gleichnamiges Buch veröffentlichte. Er definierte drei Kriterien, die ein Job erfüllen muss, um zu einem „Bullshit-Job“ zu werden. Erstens: Es handelt sich um ein bezahltes Angestelltenverhältnis. Freiberufler bezieht er also nicht mit ein. Zweitens: Der Arbeitnehmer empfindet die Tätigkeit als „sozial sinnlos“ und drittens: Der Angestellte hat das Gefühl, so tun zu müssen, als sei dies nicht der Fall.

2018 ist das Buch von Graeber erschienen.
Im Rahmen einer neuen Studie wurden 1811 Menschen aus 21 Berufen befragt
Eine neue Studie der Universität Zürich hat sich nun näher mit dem Phänomen auseinandergesetzt. Der Studien-Autor Dr. Simon Walo, wissenschaftlicher Mitarbeiter am soziologischen Institut, untersuchte dazu das subjektive Sinn-Empfinden von 1811 Menschen aus 21 verschiedenen Berufsfeldern. Die zwei weiteren Kriterien nach Graeber ließ er außen vor. Die Ergebnisse wurden im Fachjournal „Work, Employment and Society“ publiziert.

Dr. Simon Walo ist der Autor der Studie.
Signifikant: Besonders Angestellte im Finanzwesen, Vertrieb oder Management empfinden ihren Job als sinnlos. Warum? „Menschen haben hier eher das Gefühl, sie arbeiten für das Kapital, nicht für die Gesellschaft“, sagt Simon Walo. „Besonders Führungskräfte kreieren außerdem selbst oft weitere sogenannte Bullshit-Jobs“, würden lediglich Aufgaben hin- und herschieben. Angestellte im öffentlichen Dienst haben, entgegen der Erwartung, häufiger das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. „Das sagt ja der Name schon: Sie arbeiten für den öffentlichen Sektor, also für die Gesellschaft“, so Walo.
Bürojobs machen häufiger krank
Insgesamt lässt sich feststellen, dass Menschen in Bürojobs häufiger unzufrieden sind mit ihrer Arbeit als Angestellte im sozialen Bereich oder im Handwerk. Vorausgesetzt die Arbeitsbedingungen sind nicht zu prekär. Die Unzufriedenheit wirkt sich direkt auf die Gesundheit der Arbeitnehmer aus. Man kann also die Aussage wagen: Bürojobs machen eher krank.
Die Entstehung des „Bullshit-Jobs“ geht laut Walo zurück in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der der Finanzsektor an Einfluss gewann. „Selbst im mittelalterlichen Feudalismus konnte man schon Vorläufer des „Bullshit-Jobs“ erkennen: Ein Hofherr, der seine Gefolgschaft beschäftigt hält und sei es mit nutzlosen Tätigkeiten.
Im Zusammenhang mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz stellt sich die Frage, ob zukünftig mehr Menschen sinnentleerten Jobs nachgehen müssen. „Von 2005 bis 2015 hat man diesbezüglich keine Zunahme festgestellt“, sagt Simon Walo. Man könne sich genauso gut vorstellen, dass, je mehr die KI uns abnimmt, letztlich sogar nur die sozialen Berufe übrigbleiben, denen am meisten Sinn beigemessen wird. Es also zu einem Aufschwung des Sinnempfindens im Job kommen könnte.
Emilie Brummel
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