Nicht Greta und auch keine Aktivisten: Diese Menschen tun wirklich was fürs Klima
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Indem sie der Schule fernblieb und beharrlich die Unsustainability unserer Gesellschaft kritisierte, stieg Greta Thunberg zum Superstar der Klimabewegung auf. Trittbrettfahrerin Luisa Neubauer hat es in ihrem Windschatten zumindest zu nationaler Prominenz gebracht. Die wahren Klimahelden gehen dabei völlig unter.

Bei einer Google-Suche nach „Greta Thunberg“ werden 34 Millionen Ergebnisse angezeigt. Im Vergleich dazu gibt es nur 130.000 Ergebnisse für den Namen „Jadav Payeng“. Würde man Klimakleber oder Fridays-for-Future-Demonstranten befragen, wäre es kaum anders. Fast niemand kennt Jadav Payeng, fast alle verehren jedoch Greta Thunberg. Eine junge Frau, die die Schule geschwänzt hat, um für den Klimaschutz zu protestieren. Jadav Payeng?
Der widmete Jahrzehnte seines Lebens dem täglichen Pflanzen von Bäumen auf einer Sandbank des indischen Flusses Brahmaputra in Majuli. Seine mühevolle Arbeit verwandelte karges Brachland über die Jahre in ein artenreiches Waldreservat. Es beherbergt mittlerweile eine Vielzahl von Tieren, darunter Elefanten, Tiger und Nashörner.

Jadav Payeng widmete Jahrzehnte seines Lebens dem Pflanzen von Bäumen.
Greta Thunberg, die 2019 mit dem Alternativen Nobelpreis geehrt wurde, ist zum omnipräsenten Gesicht des Klimaschutzes avanciert. Mit einem Twitter-Publikum, das die Einwohnerzahl von Dänemark übertrifft, verfügt sie über eine riesige Plattform, um ihre Botschaft zu verbreiten. Auf der anderen Seite des Spektrums steht Jadav Payeng, ein indischer Naturschützer, dessen bescheidenes Twitter-Publikum von 378 Anhängern in schmerzhaftem Kontrast zu seiner monumentalen Leistung steht. Sein bescheidenes Dasein, das er durch den Verkauf von Milch seiner kleinen Rinderherde finanziert, steht in scharfem Kontrast zur globalen Reichweite und dem politischen Einfluss von Thunberg. Seit Jahrzehnten engagiert sich Payeng aktiv im Naturschutz und packt dabei tatkräftig mit an, während Frau Thunberg nur darüber spricht.
Es geht um Selbstdarstellung
Wenn es den Millionen Greta-Fans wirklich um Naturschutz ginge, sollten sie Jadav Payeng genauso unterstützen wie ihr schwedisches Idol. Jedoch tun sie dies nicht, da es den meisten von ihnen nur um Selbstdarstellung und den bequemsten Weg geht, der Welt zu zeigen, dass sie sich für „die gute Sache“ einsetzen. Wenn Menschen sich regelmäßig im Wald treffen, um aufzuräumen oder in Zeiten starker Trockenheit Wasser für Wildtiere bereitzustellen, leisten sie wertvolle Hilfe für die Natur. Nur ist das sehr mühsam und niemand berichtet darüber. Kleben sich dieselben Menschen am Montagmorgen auf einer Straßenkreuzung fest und deklarieren das Ganze als Klimaschutzmaßnahme, verbreitet sich die Meldung wie ein Lauffeuer.

Guckt mal alle, wie toll wir sind! Klimaklebern tun nichts für die Umwelt, aber alles für die Selbstdarstellung.
Und wie viel Prozent der selbst ernannten Klimaaktivisten auf Twitter sind ehrenamtlich in Naturschutzvereinen aktiv und packen wirklich mit an, anstatt sich nur virtuell auf der Couch zu engagieren? Es würde mich wundern, wenn die Zahl mehr als einstellig wäre. Im Zeitalter von Instagram und TikTok geht es längst nicht mehr um Fleiß, Aufopferungsbereitschaft oder Können. Deshalb erreicht man in den sozialen Netzwerken mit #Greta deutlich mehr Menschen als mit #Jadav. Den meisten „Aktivisten“ geht es nicht darum, Gutes zu tun. Auffallen um jeden Preis lautet die Devise und Krawallmacher ziehen eben mehr Augenpaare an. Es wird eine Kultur gefördert, in der „je lauter, desto erfolgreicher“ zum Maßstab wird. Sogar unsere Politiker richten ihre Aufmerksamkeit nur noch auf die lautesten Schreihälse.
Diese Entwicklung ist verhängnisvoll. Denn egal, wohin man blickt: Es ist stets die schweigende Mehrheit, die den Motor am Laufen hält. Sollte diese Mehrheit eines Tages die Motivation verlieren, wird alles zusammenbrechen. Und dieser kritische Punkt könnte näher sein, als wir denken.
Ahmet Iscitürk
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