NIUS Live: „Ich möchte gern über die Opfer sprechen. Die ganze Stadt ist ein Opfer. Wir alle"
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Der Terror von Solingen erschüttert noch immer das Land. Über den mutmaßlichen Täter aus Syrien wird in Politik und Medien gesprochen, über ihn ist inzwischen einiges bekannt. Unter anderem, dass er gar nicht mehr in Deutschland hätte sein dürfen. Über die Opfer der Bluttat – die drei Menschen, die ihr Leben verloren und diejenigen, die im Krankenhaus noch immer um ihr Leben kämpfen, wird hingegen NICHT gesprochen. Warum?
Bei NIUS Live analysieren Publizistin Birgit Kelle und Reporterin Zara Riffler, weshalb die Politik lieber über Messerverbote sinniert, statt die Angehörigen der Opfer zu besuchen.
So sind die Opfer „nur eine Zahl in der Statistik“
„Bei rechtsextremen Anschlägen kriegen wir, zu Recht, immer wieder die Namen der Opfer, die Gesichter“ zu hören und zu sehen, stellt Riffler fest. Kelle daraufhin: „Ich halte das inzwischen wirklich für Taktik. So sind die Leute nur eine Zahl in der Statistik“. Gäbe es ein Gesicht, ein Bild zu den Verstorbenen, „hätte man ja schließlich ein menschliches Schicksal“ vor Augen und müsste sich positionieren. „Sonst wird immer alles dramatisiert, aber wenn wir hier Terror-Opfer haben von Islamisten, dann versucht man immer, es zu deckeln“, so die Publizistin.
Für sie habe die Tat weitaus drastischere Auswirkungen als auf den ersten Blick sichtbar. „Die ganze Stadt ist auch ein Opfer. Wir alle.“ Schon längst habe sich der Lebensstil verändert, schon längst fürchteten Menschen öffentliche Orte. „Wird irgendein Solinger diesen Sommer noch unbeschwert in die Stadt gehen? Werden Eltern ihre Teenager-Kinder noch rauslassen? Ich bin auch Mutter von Kindern, ich würde mir jetzt massiv Sorgen machen“, so Kelle bei NIUS Live. Zara Riffler stimmt zu: „Diese Tat hat die ganze Stadt, das ganze Land verändert“.
„Olaf Scholz hat den Bezug verloren zum Volk“
Es sei bemerkenswert, wie auch Kanzler Olaf Scholz bei seinem Besuch in Solingen der eigenen Verantwortung auswich und den Kontakt zu den Bürgern auf ein Minimum reduzierte, erzählt die NIUS-Reporterin. „Der Kanzler sprach vor Ort erst mit Rettungskräften, aber nicht mit Bürgern. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Er ging also nicht zu betroffenen Familien“. Als er sich den Fragen der Presse stellte, hätte nur ein kleiner Teil von Journalisten hinter die Absperrung gedurft. Die Solinger, die gern gehört hätten, wie es nun weiter geht, welche Konsequenzen Olaf Scholz aus dem Messer-Terror zieht, wurden abgespeist. „Olaf Scholz hat den Bezug verloren zum Volk. Er ist nur seiner Macht nahe“, ist Zara Riffler überzeugt. „In dem Moment, in dem er sich mit den Opfern zeigt, offenbart sich seine ganze Politik.“
Solange aus dem „Betroffenheitskult“ keine Handlungen abgeleitet werden, lasse man das Volk „sehenden Auges ins Messer rennen“, resümiert Birgit Kelle.
Die ganze Sendung NIUS Live gibt es hier:
Redaktion
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