NIUS war an Bord: Durch drei Stahltüren geht es in die geheimste Kammer des Atom-U-Boots
Ein Beitrag von
- Faszination U-Boot: NIUS ging exklusiv bei der französischen Marine an Bord eines Jagd-U-Boots.
- Im Video: So leben 80 Personen für Monate auf engstem Raum.
- Außerdem: Die Details zum Nuklear-Antrieb, der für maximale Unabhängigkeit sorgt.
Können Sie auf einem Baumstamm balancieren? Sehr ähnlich ist das Gefühl, wenn man die Füße zum ersten Mal auf die Oberfläche eines U-Boots setzt. Ich, als NIUS-Reporter auf U-Boot-Mission, musste mich schon beim Betreten der Boots-Oberfläche überall da festgehalten, wo ich nur konnte. Denn durch die Rundungen hat man einen schweren Stand, es ging in alle Richtungen stürmisch schnell abwärts gen Wasser.
Das Boot, auf dem ich stehe, ist schon knapp 40 Jahre alt – es wurde 1986 als Jagd-U-Boot der Rubis-Klasse in den Dienst gestellt. Eine dicke Stahl-Luke an der Oberfläche ist geöffnet und deutet den Weg ins Innere.

Die Außenhülle ist rau und optimiert für die Vermeidung von Sonar-Reflektionen. Eine vertikale Trittleiter mit vierzehn Stufen führt ins Innere des U-Boots.
NIUS nimmt Sie mit! Hier ist das Video vom Ortsbesuch:
Kapitän Manuel Bienvenu führt durch das enge Innere des Schiffs. „Wir können für sehr lange Zeit mit sehr hohem Tempo fahren. Das ermöglicht uns auch, Einsätze weit entfernt von unseren Heimathäfen innerhalb von kurzer Zeit durchzuführen“, erklärt der Kapitän, der übrigens genauso alt ist wie sein Schiff.
Typische Aufgaben eines U-Boots: orten und zerstören
Angekommen auf dem Oberdeck des U-Boots, stehen wir praktisch schon in der Offiziersmesse. Es sieht eigentlich aus wie ein enges Esszimmer im Dachgeschoss einer Studenten-WG. Doch Kapitän Bienvenu sagt: Zehn Offiziere nehmen hier gleichzeitig ihre Mahlzeiten ein!
Wenige Schritte und eine Stahltür weiter Richtung Bug folgt der Kommandostand. Hier ist nichts mehr, wie es bei der Jungfernfahrt des Schiffes einmal war. Überall Computer. Für Kapitän Bienvenu alltägliches Werkzeug, dessen tödliche Wirkung beinahe in Vergessenheit gerät. „Wir verfolgen hier die typischen Aufgaben eines Jagd-U-Boots: Wir orten andere Schiffe und U-Boote. Dabei sammeln wir Informationen über Größe, Standort, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung. Und die zahlreichen Computer helfen uns dabei“, erklärt der Seemann. Im Falle des Falles sind dann natürlich auch alle anderen „Handlungen möglich“.

Kapitän Manuel Bienvenu mit NIUS-Reporter Philippe Fischer (links)
Drei Stahltüren trennen den Eingang von der Waffenkammer
Direkt hinter dem Kommandoraum befindet sich die Waffenkammer. Vier Torpedo-Rohre stehen für den Einsatz bereit. Wir dürfen uns die Waffenkammer aus der Nähe anschauen, aber … Fotos und Videos? Streng verboten! Militärgeheimnis! Doch bekannt ist: 14 Torpedos oder Raketen passen in das Arsenal, werden über eine spezielle Rampe mit Kränen in das U-Boot geladen. Jeder Torpedo ist ein Baumstamm im Baumstamm. Denn jeder Torpedo hat einen Durchmesser von 55 Zentimetern und wiegt mehrere Tonnen. Das U-Boot selbst hat einen Durchmesser von circa 8 Metern.
Schöne Erinnerung an alte Zeiten auf See: Die Tauf-Glocke des Bootes, ein Original aus 1986, hängt bis heute in der Waffenkammer. Sie habe aber nur noch symbolische Bedeutung, stellt der Kapitän klar.

Das U-Boot im Hafen von Toulon. Größer durfte der Bildausschnitt nicht sein, denn direkt nebenan testete die französische Marine einen geheimen Prototypen.
Zwei Monate auf engstem Raum – die Mannschaft muss sich kennen und zusammenhalten
Vor jedem Einsatz probt die gesamte Crew ihren Einsatz in einem Simulator. Ein Seemann verrät: „Auf so engem Raum kann es schnell zu Konflikten kommen. Deshalb sind besonders die Vorgesetzten besonders sensibilisiert, selbst die kleinsten Veränderungen in der Atmosphäre zwischen den Seeleuten wahrzunehmen. Probleme und Meinungsverschiedenheiten werden dann sofort angesprochen, um Dinge zu klären und den Druck aus dem Kessel zu nehmen.“
Das Leben unter der Meeresoberfläche ist geprägt von Routine und enger Gemeinschaft. „Die Verhältnisse hier sind schon etwas eng – das Gegenteil will ich jetzt mal nicht behaupten. Doch wir können damit gut arbeiten“, erklärt Kapitän Bienvenu, als er auf dem Unterdeck den Speisesaal zeigt. „Hier machen wir alle Briefings mit der gesamten Besatzung. Hier nimmt die Mannschaft auch ihre Mahlzeiten ein und die Freizeit verbringen die meisten ebenfalls hier.“ Trotz der beengten Verhältnisse sorgt die hohe Qualität der Mahlzeiten für gute Stimmung und Moral, eine entscheidende Zutat für den Zusammenhalt der Crew.

Archivfoto eines französischen Jagd-U-Boots der Rubis-Klasse.
Französische U-Boote bei gemeinsamem NATO-Manöver
Während wir mit dem Kapitän noch über sein Lieblingsessen (hausgemachte Pizza Unterwasser) diskutieren, werden die ersten Vorräte in die Kühlkammer gebracht und eingelagert. Ein Marine-Offizier erklärt, dass die Besatzung mit sehr hochwertigen Lebensmitteln versorgt wird. Denn Tageslicht und Ausgleich könne man in einem U-Boot nur bedingt gewähren – da muss das Essen einfach passen.
Die Einlagerung erfolgt nicht ohne Grund. Denn das U-Boot bereitet sich auf einen großen Einsatz vor, wird für mehrere Monate unterwegs sein. Aktuelles Ziel: Mittelmeer. Dort führt die NATO unter dem Projektnamen „Neptun Strike“ noch bis zum 10. Mai ein großangelegtes Manöver durch (Flugmanöver sogar im gesamten europäischen Luftraum). Dafür stellt Frankreich neben U-Booten auch Flugzeugträger zur Verfügung, die direkt unter NATO-Befehl agieren. Deutschland ist ebenfalls in geringerem Umfang beteiligt.
„Noch nie waren die Stärke und die Geschlossenheit der Nato so wichtig“, schrieb Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier kürzlich in einem Brief an die NATO anlässlich des 75. Jubiläums des Verteidigungsbündnisses. Man wolle laut Steinmeier seinen Verpflichtungen nachkommen. Bis dahin verlässt sich Deutschland auf seine Verbündeten.
Philippe Fischer
Artikel teilen
Kommentare