Normaler Sport oder Sexualisierung: Dürfen Kinder Pole Dance machen?
Trend-Thema und eifrig diskutiert auf Social-Media: Ist Pole Dance ein Tanz oder eine verharmloste Form des Striptease? Sollten Kinder an der Stange tanzen?
In einem Pro- und Contra-Beitrag lesen Sie hier die Meinung der NIUS-Redaktion:
Pole Dance für Kinder? Nein, danke.
Pole Dance für Kinder? Das ist kein Problem, heißt es immer wieder. Schließlich sei das nur ein normaler Stangen-Sport, eine ganz harmlose Form der Akrobatik, wie man sie etwa im chinesischen Zirkus sehen kann.
So einfach ist das leider nicht. Denn: Der Pole Dance hat sich in den letzten Jahren nicht deswegen zum Trend entwickelt, weil es in der Gesellschaft ein größeres Interesse für harmlose Stangen-Akrobatik gibt, sondern, weil es gerade angesagt ist, „sexpositiv“ zu sein.

Anfang des Jahres: Eine Teilnehmerin tanzt im Kulturhaus bei der Poledance-Meisterschaft Baden-Württemberg auf der Bühne.
Sexpositiv, das bedeutet: Unser normaler Blick auf Sexualität und die damit einhergehenden Tabus sollen aufgebrochen werden, weil man sie als reaktionär und unterdrückend betrachtet. Dabei geht es allerdings nicht nur darum, offener über Sex zu reden oder stigmatisierende Vorurteile über Lesben, Schwule und Bisexuelle abzubauen. Der Hype geht mittlerweile so weit, dass auch gewaltvolle Lack-und-Leder-Fetische und sogar Prostitution als Trends aufgewertet werden.
So gehen immer mehr junge Frauen in Großstädten in Fetisch-Kleidung feiern – nicht, weil sie dem Fetisch wirklich nachgehen, sondern weil der Striptease-Look gerade angesagt ist. Wer so ausgeht, zeigt: Guck mal, ich bin „open-minded“ und nicht so „spießig“ wie der Rest des Landes!
Das Gleiche beim Thema Prostitution: In den letzten Jahren hat sich eine „Sexarbeiter“-Lobby entwickelt, die Prostitution als völlig normale, dem reaktionären Zeitgeist entgegenwirkende Beschäftigung abfeiert. Wer Einspruch erhebt, gilt automatisch als „prüde“, „sex-negativ“ oder „Swerf“ (= Sex-Arbeiter-ausschließende Radikal-Feministin).
Und diesen Sex-Trend bekommen mittlerweile auch Kinder und Jugendliche zu spüren. So gibt es immer mehr Aufklärungsbücher, die Kinder und Jugendliche im Namen der „Diversität“ viel zu früh über sexuelle Fetische, „Sex-Arbeit“ und Pornos aufklären. Alles im Namen einer „sexpositiven Erziehung“.
Dass auch der vermehrt auftretende „Pole Dance“ ein Produkt dieses Hypes ist, wird klar, wenn man sich die Vereine anguckt, die diesen Sport anbieten: Die Posen, die man dort zu sehen bekommt, haben häufig wenig mit einer neutralen Form der Akrobatik zu tun, sondern sind eindeutig sexualisiert.
So tragen die Frauen High-Heels und sexy Unterwäsche. Häufig werden in den Vereinen auch Kurse zum Lap Dance angeboten. Unter dem Begriff „Pole Kids“ häufen sich die Videos, in denen schon 6-jährige Kinder typische Striptease-Posen nachahmen, sich auf dem Boden räkeln und mit dem Hintern wackeln. Das geht eindeutig zu weit!
Fakt ist: Wer als erwachsene Frau glaubt, die eigene Spießigkeit überwinden zu können, indem sie sich mit Plateauschuhen und Spitzenunterwäsche an einer Stange räkelt, hat dazu jedes Recht. Aber bitte, bitte: ohne die Kinder!
Pole Dance hat überhaupt nichts Anrüchiges!
von Leonie Ipati
Pole Dance wird oft missverstanden als bloßer Nachtclub-Tanz. Doch das stimmt nicht! Schon im 12. Jahrhundert nutzten Männer in Asien eine Holzstange für Yoga-Übungen. Mit der Zeit brachten chinesische Einwanderer diese Kunstform nach Amerika, wo sie sich weiterentwickelte zum heutigen Pole Dance.
Pole Dance ist nicht nur künstlerische Akrobatik, sondern auch ein anstrengendes Ganzkörper-Workout. Es beansprucht mehrere Körperregionen, insbesondere Arme, Schultern, Rücken, Bauch und Po. Diese Sportart fördert nicht nur die Kraft, sondern auch die Beweglichkeit und Koordination. Neben den physischen Vorteilen bietet Pole Dance auch psychologische Vorteile. Studien haben gezeigt, dass es das Körpergefühl positiv beeinflusst. Es geht nicht nur darum, fit zu werden, sondern auch darum, Selbstvertrauen und Selbstakzeptanz zu entwickeln.
Egal ob jung oder alt, Pole Dance ist für jeden geeignet und auch Kinder werden durch Übungen im heimischen Keller, im Wohnzimmer oder beim Sportverein nicht sexualisiert. Man lernt bei diesem Sport nie aus und es dauert Jahre, bis eine Choreographie flüssig eintrainiert ist.
Und wer früh mit diesem Sport anfängt, steht vielleicht irgendwann als Weltmeisterin oder Weltmeister ganz oben auf dem Treppchen.
Leonie Ipati
Judith Sevinç Basad
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