Rabbi fordert bei NIUS die Auslöschung der Hamas: „Israel muss den Job zu Ende bringen“
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Im Gespräch mit NIUS erläutert der amerikanische Rabbi Abraham Cooper vom Simon-Wiesenthal-Center seine Einschätzung zum Krieg Israels gegen die Hamas. Er sagt, was seiner Auffassung nach an der deutschen Migrationspolitik falsch läuft und was pragmatische Schritte hin zu einer sinnvollen Palästinenserhilfe wären.
Außerdem geht es im Exklusiv-Interview um einen Konflikt zwischen dem Simon-Wiesenthal-Center und dem deutschen Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume. Schließlich erzählt er noch eine denkwürdige Anekdote mit König Hamad vom Golfstaat Bahrain.
NIUS: Mein Beileid für das Massaker vom 7. Oktober... Wie schätzen Sie insgesamt die Lage ein beim Krieg gegen die Hamas? Nachdem erst Israel die Sympathie hatte, die Stimmung dann gegen Israel kippte und sich nun, wie ich finde, alles etwas beruhigt hat.
Rabbi Abraham Cooper: Ganz gleich, wie die Welt reagiert, Israel muss die militärischen Fähigkeiten der Hamas eliminieren. Wie auch immer die aktuelle Phase mit dem Geiseln-gegen-Terroristen-Tausch ausgehen wird: Sie wird zu einem Ende kommen. Und wenn es so weit ist, muss Israel den Job zu Ende bringen.

Rabbi Abraham Cooper im Gespräch mit NIUS in Berlin.
Ich wünschte, dass mehr Menschen die Body-Cam-Aufnahmen sehen könnten, die die Hamas gemacht hat: Wie sie die Massenvergewaltigungen gefeiert haben, Frauen in den Kopf schossen, Kinder enthaupteten und ganze Familien bei lebendigem Leib verbrannten.
Sind Juden in Deutschland sicher? „Ich bin nicht naiv.“
Ich erinnere mich auch an das Jahr 1989, als ich während einer der frühen Intifadas in die Grenzregion ging. Es gab keinen Zaun. Wir fuhren mit dem Auto nach Jabalia, wir fuhren nach Gaza-Stadt, mit einem Kamerateam, und wir redeten mit den Leuten und sie sagten da schon: Dieses ganze Land gehöre insgesamt ihnen. Jerusalem, Tel Aviv, Haifa. Sie würden „alles zurückbekommen. Alles.“

26. November: Kibbutz-Bewohner bangen beim Verfolgen der Nachrichten um Mitglieder ihrer Gemeinschaft.
NIUS: Sind Juden in Deutschland noch sicher?
Cooper: Ob ich mich hier sicher fühle? Auf Grundlage meiner Erfahrungen der letzten Tage hier in Berlin: ja. Aber ich bin nicht naiv. Wir trafen uns hier mit einer nicht unbekannten, fortschrittlichen, muslimischen Frau, gingen mit ihr im besten Hummus-Restaurant der Stadt essen. Sie wurde von 17 Personenschützern begleitet, weil ihr Leben wirklich in Gefahr ist. Es ist eine Schande, dass in Demokratien solche Menschen rund um die Uhr beschützt werden müssen, weil sie ihr Recht auf ein Leben in einer Demokratie wahrnehmen.
Meiner Meinung nach muss Deutschland einen besseren Plan für die Bildung junger Muslime in diesem Land entwickeln. Denn sie werden am Freitag in die Moschee gehen, möglicherweise predigen dort nicht alle Imame Toleranz; und in den sozialen Medien sind sie rund um Uhr mit schlimmsten Grausamkeiten gegen die Menschheit konfrontiert, mit Angriffen auf Juden und Israelis. Der deutsche Staat und die deutsche Gesellschaft müssen daher einen dynamischen pädagogischen Plan für diese jungen Menschen entwickeln.
„Simon Wiesenthal wäre heute stolz auf uns“
NIUS: Ist das alles auch eine Frage, wie Deutschland seine Grenzen sichert?
Cooper: Ich denke schon. Dazu zwei Punkte. Erstens sollte die Asylpolitik verschärft werden. Wenn ich in der Hamas wäre und die Möglichkeit hätte, nach Ägypten zu fliehen, würde ich mit dem ersten Flugzeug nach München fliegen und um Asyl bitten. Es geht hier nicht um Hamas-Unterstützer, sondern Hamas-Mitglieder selbst, das ist wirklich beunruhigend! Es ist zwar gut, dass es das Asylrecht in Deutschland gibt, aber man muss es so verschärfen, dass man seine Asylberechtigung schnell feststellen lassen muss.
Wichtig zum Beispiel: Man sollte die Migranten vor Ankunft im Land schriftlich dazu verpflichten, die Regeln der Demokratie einzuhalten. Zweitens wurde ich als Amerikaner der zweiten Generation geboren. Meine Großeltern wurden in Osteuropa geboren. Und wenn die Vereinigten Staaten die Einwanderung nicht erlaubt hätten, wäre ich wahrscheinlich nie geboren worden, wegen des Holocaust. Die amerikanische Demokratie gedeiht, weil wir eine Nation von Einwanderern sind. Jetzt, wo Deutschland so viele Migranten ins Land kommen lässt, braucht es auch hier eine parteiübergreifende, kohärente Einwanderungspolitik, die Migration nicht unterbindet, sondern sie an klare Bedingungen knüpft.

1920: Italienische Immigranten kommen in New York an. Rabbi Abraham Cooper verdankt seine Existenz der Einwanderungspolitik der USA.
NIUS: Kommen wir auf den Antisemitismus-Beauftragten Michael Blume zu sprechen. Ich fand es irgendwie faszinierend, fast unwirklich, wie er darauf reagiert hatte, in der Antisemitismus-Top-10 des Simon-Wiesenthal-Centers gelandet zu sein. Blume behauptete dann ernsthaft, es gäbe ein „echtes“ Simon-Wiesenthal-Zentrum in Österreich und ein gefälschtes in den USA. Was sagen Sie dazu?
Cooper: Ich musste lachten, weil er jemand ist, der mit der Realität nicht klarkommt. Ich habe nun also die letzten 46 Jahre meines Lebens damit verbracht, vom ersten Tag an im Simon-Wiesenthal-Center zu arbeiten. Ich hatte die Ehre, Herrn Wiesenthal 29 Jahre lang zu kennen und mit ihm zusammenzuarbeiten. Er war ein brillanter Mentor, ein mutiger Aktivist. Ich denke, wir haben viel von ihm gelernt. Das erwartete er von uns. Es ging nicht um Beschäftigung mit der Vergangenheit, sondern auch mit aktuellen Themen. Und ich denke, wenn er heute noch am Leben wäre, dann wäre er ziemlich stolz auf die Bilanz des Simon-Wiesenthal-Centers.
Nun, die Antwort auf die Frage, ob es ein echtes Simon-Wiesenthal-Center und ein falsches gibt…, die müssen wir der Öffentlichkeit überlassen. Ich hoffe jedenfalls auf die kommende Welt. Wenn ich das Glück habe, Herrn Wiesenthal zu sehen, werde ich ihn fragen, für welches Simon Wiesenthal Center wir arbeiten. [Wir lachen.]

Der Antisemitismus-Beauftragte Baden-Württembergs liegt im Clinch mit dem Simon-Wiesenthal-Center.
NIUS: Wir schicken eine Menge „humanitäre Hilfsgelder“ an die Palästinenser in den Gaza-Streifen, obwohl sich jeder denken kann, dass man diese Gelder nicht kontrollieren kann – weil dort die Hamas herrscht. Weshalb unser Geld in Waffen gegen Israel verwandelt wird…
Cooper: Man sollte diese Gelder auf ein gesondertes Konto legen. Sagen Sie den Palästinensern, dass Sie Ihre eigenen Schulen einrichten, weil Sie bereits über den Lehrplan verfügen und dann erhalten sie die Gelder abhängig davon, ob die Lehrpläne ok sind.
Iranische Revolutionsgarden auf Terrorliste setzen
Wer allerdings wirklich etwas verändern will in Sachen Terrorismusbekämpfung muss über den Iran reden. Das Wichtigste wäre, die iranische Revolutionsgarde sofort auf die Liste der Terroristen zu setzen. Es ist ein Rätsel, dass die deutsche Politik, die hier zu Recht versucht hat, Generationen über den Holocaust aufzuklären, das iranische Regime nicht für die Leugnung des Holocaust anprangert. Ich denke, der Hauptgrund muss geschäftlicher Natur sein. Es sollte sehr viel mehr über den Iran geredet werden.
NIUS: Sie scheinen viel in der Welt herumzukommen, auch in den Golfstaaten, wie ich gehört habe. Wollen Sie zum Schluss vielleicht noch eine Anekdote erzählen?
Cooper: Seit Jahrzehnten bereise ich die Welt. Warum? Ich suche die Normalen. Ich suche Menschen aus anderen Kulturen, meistens anderer Religionen, die die Welt zu einem besseren Ort machen wollen und die ebenso nach Normalen suchen, die bei bestimmten Themen gemeinsame Sache machen. Und das hat mich nach Indonesien geführt. Es hat mich, ob Sie es glauben oder nicht, in den Sudan geführt.
Es hat mich zu vielen interessanten Orten geführt. Auf diesen Reisen habe ich gelernt: Überall gibt es Menschen, mit denen man, wenn man Respekt zeigt, zusammenarbeiten kann. Ich würde sagen, dass für mich vielleicht einer der interessantesten Momente meine erste Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate war. Für mich als Jude war es so wichtig, mit der arabischen Gesellschaft in Berührung zu kommen und einige Stereotypen abzubauen und umgekehrt. Wenn man jemandem von Angesicht zu Angesicht begegnet, ist es etwas schwieriger, ihn zu hassen.

Izchak Herzog hat im Dezember 2022 als erster Präsident Israels den Golfstaat Bahrain besucht. Seit 2020 gibt es einen Friedensvertrag zwischen beiden Staaten.
Eines Sonntagmorgens, gegen 5 Uhr morgens, erhielt ich einen Anruf vom stellvertretenden Außenminister Bahrains. Wir wurden dorthin eingeladen: mein Chef, Rabbi Marvin Hier, und ich arbeiten seit 48 Jahren zusammen. Das ist eine lange Zeit. Er baute das Simon-Wiesenthal-Center mit auf. Das Interessante ist, dass wir beide schon einmal Könige getroffen hatten. Wir waren immer der Meinung, ob es nun ein Papst ist oder die Protokollperson, die vorbeikommt und erklärt, wie Sie, Sie wissen schon… Sie strecken Ihre Hand nicht zuerst aus, sondern Sie verneigen sich. Es gibt also bestimmte Protokolle. Rabbi Hier ist nicht sehr gut in Protokollen.
„Was noch nie zuvor passiert ist“
Schließlich befanden sich der Rabbi und der König in der Mitte des Raumes. TV-Kameras waren da, denn der ganze Auftritt sollte in den Iran ausgestrahlt werden. Der König wollte ein Statement machen, was uns aber erst hinterher klar wurde. Der Rabbi streckt seine Hand aus. Der König streckt seine Hand aus. Was macht der Rabbi? Er nimmt seine zweite Hand und legt sie über die des Königs. Und dann hat er einen Segen auf Hebräisch rezitiert, und ihn dann übersetzt.

Rabbi Marvin Hier bei einer denkwürdigen Begegnung mit König Hamad in Bahrain, 2017..
Später erfuhr ich über eine Person, die ich Ihnen nicht nennen kann, Folgendes: Sie ging zum König und sagte: „Sehen Sie, Majestät, ich kenne Sie. Wir beide kennen uns, seitdem wir Teenager waren. Sie haben Rabbiner getroffen, bevor Sie jüdische Führer getroffen hatten. Was ist das mit Ihnen und Rabbi Hier? Sie haben sich beide sofort verstanden.“ Und das taten sie. Es stellte sich sogar heraus, dass beide Fans von Frank Sinatra waren. Es war wirklich unglaublich. Dann antwortete Seine Majestät: „Sie haben Recht. Aber heute ist etwas passiert, was noch nie zuvor passiert ist. Mir als ein König reichte jemand die Hand, nicht um etwas zu erbitten, sondern um mir einen Segen zu geben. Das war das erste Mal in meinem Leben, dass so etwas passierte.“
Diese Begegnung führte dazu, dass das Simon-Wiesenthal-Center schließlich 24 Gäste aus Bahrain in Jerusalem willkommen hieß. Sie führte dazu, dass der König eine „Erklärung zu religiöser Toleranz“ schrieb. Ein wunderbar symbolisches Statement. Von einem arabischen Staat.
Es kann also sehr viel Großartiges entstehen, wenn man bereit ist, seine Vorurteile einmal abzulegen – ohne sie zu leugnen, denn wir alle haben Vorurteile, was ok ist. Legt man sie aber mal beiseite und testet einfach, wie warm das Wasser ist, können gute Dinge passieren.
Felix Perrefort
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