Siemens-Bahnchef Michael Peter: Von Berlin nach München in drei Stunden
Ein Beitrag von
Siemens Mobility ist mit 12,4 Milliarden Euro Umsatz und mehr als 43.400 Mitarbeitern einer der größten Bahntechnikanbieter der Welt. Michael Peter ist Chef von Siemens Mobility. Er sagt in der Süddeutschen Zeitung: „Wir sind klarer Technologieführer im Eisenbahnbereich. Wir sind bereit für neue Aufträge und haben die notwendigen Ressourcen und Kapazitäten in Deutschland aufgebaut.“ Von Siemens kommt nicht nur der Großteil der ICE-Flotte, sondern auch Signaltechnik und anderes.
Wie kann die Deutsche Bahn unter der neuen Bahnchefin Evelyn Palla schnell besser werden? Michael Peter hat konkrete Vorschläge: „Die Strecke Berlin – München wäre in drei Stunden möglich“, sagt er. Zurzeit schaffen es die schnellsten ICE-Sprinter in knapp unter vier Stunden, in den vergangenen Wochen waren es wegen Baustellen aber teilweise über sechs Stunden. Drei Stunden seien mit weniger oder gar keinen Haltestellen zu schaffen, so Peter. Damit würde die Attraktivität der Verbindung zwischen Berlin und München, die auch für Geschäftsreisende interessant ist, weiter steigen.
Um die Pünktlichkeit kurzfristig zu verbessern, könnten weniger Züge helfen, so Peter. Die durchschnittliche Auslastung im Fernverkehr sei ohnehin gering. „Langfristig liegt die Lösung in intelligenten Systemen und Software, die eine optimale Auslastung und flexible Ticketing-Modelle ermöglichen“, sagt Peter. Das würde Effizienz und Komfort steigern, bedeute aber auch: Passagiere müssten in bestimmten ICEs immer einen Sitzplatz reservieren, auch bei kurzfristigen Reisen.

Auch in Spanien fahren Siemens-Velaro-Züge
Der neue Siemens-Velaro fährt in den USA mit Tempo 360
Siemens werde auch bei künftigen Hochgeschwindigkeitszügen nicht auf Stufen an allen Einstiegen verzichten, betont Peter. Der Grund seien die angetriebenen Drehgestelle mit Achsen und Motoren, die bei Siemens-Hochgeschwindigkeitszügen unter dem gesamten Zug verteilt sind. Das sei aerodynamischer, effizienter, energiesparender und vor allem auch schneller, sagt Peter.
Siemens-Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ Velaro sind nicht nur in Deutschland, sondern auch unter anderem in Spanien, in der Türkei, in Ägypten und unter dem Ärmelkanal unterwegs. Der Velaro Novo, der Geschwindigkeiten von bis zu 360 Kilometern pro Stunde ermöglicht, wird künftig auch in den USA fahren.
Das Konzept von Siemens ist ähnlich wie das bei Flugzeugen von Airbus: Außen und bei der Technik sind die Züge weitgehend baugleich, bei der Innenausstattung soll alles nach Wunsch des Käufers möglich sein. „Im Trend sind echte Business-Class-Plätze und weniger Gegenüber-Plätze“, sagt Peter, denn: „Viele Fahrgäste legen mehr Wert auf ihre Privatsphäre.“ Abteile seien so gut wie gar nicht mehr gefragt.
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare