„Peinlich für uns“: So regelmäßig verschweigen ARD und ZDF Hintergründe ihrer Interviewpartner
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Wenn Journalisten Passanten befragen, wollen sie „die neutrale Sicht der Bürger“ zeigen. Nicht mehr ganz so neutral ist das dann, wenn die zufälligen Passanten gar keine sind. Sondern Politiker, parteinahe Funktionäre oder Journalisten-Kollegen. Und das nicht gekennzeichnet wird.
Es ist längst kein Einzelfall, denn mal wieder steht ein öffentlich-rechtlicher Sender unter Rechtfertigungsdruck, weil sich eine „zufällig angesprochene Passantin“ in der Tagesschau als WDR-Mitarbeiterin entpuppte. Als die junge Frau die „wahren Preise“ von Penny mit all den Umweltkosten auch noch als Einzige für lobenswert befand, war der Shitstorm perfekt.
Die Tagesschau manipuliere Beiträge mit ausgewählten Stimmen in die gewünschte Richtung, so der Vorwurf von Kritikern.
„Passiert ist ein saublöder Fehler“, gab WDR-Chefredakteur Stefan Brandenburg nun kleinlaut zu, nachdem die Sache aufflog. „Die Kollegin ist zufällig nach ihrer Frühschicht in der Umfrage angesprochen worden.“ Anschließend sei es zu Verständigungsproblemen gekommen. Ihre Aussage „Ich komme gerade vom WDR-Radio“ habe der Reporter im Supermarkt-Stimmengewirr als „ich habe es im WDR Radio mitgekriegt“, verstanden haben. „So banal, so ärgerlich und peinlich für uns“, fasst es der WDR-Chefredakteur zusammen.
Selbst wenn Brandenburg in diesem Fall die Wahrheit sagt: Sein Sender hat ein Glaubwürdigkeitsproblem, das kaum aus der Welt zu schaffen ist. Denn solche Fälle von „zufälligen Begegnungen“ mit Politikern oder Lobby-Vertretern häufen sich. NIUS dokumentiert ein paar dieser Fälle:
Als ein Leipziger Bio-Supermarkt ein Hirseprodukt aus ihrem Sortiment nahm, weil ein Macher des Produkts AfD-Politiker war, wollte ein Kamerateam des ZDF bei Kunden genauer nachfragen. Hat der Supermarkt richtig gehandelt? Eine anwesende Frau zeigte sich begeistert von der Aussortierung. Wenn die Hirse noch im Sortiment gelistet wäre, würde sie Gefahr laufen, diese aus Versehen zu kaufen, begründete die als Monika Lazar vorgestellte Person. Sie wolle keine „AfD-Hirse“ kaufen. Das ZDF sparte jedoch den Hinweis aus, dass es sich hierbei um die grüne Bundestagsabgeordnete Monika Lazar handelt. Als der Skandal aufflog, löschte das ZDF peinlich berührt ihr Video aus der Mediathek.
Auch der RBB ging vor zwei Jahren in der Hauptstadt auf Entdeckungstour: Wie bewerten die Berliner eigentlich die Gefahrenlage für Radfahrer? „Es gibt mehr und mehr Popup-Radwege. Das finde ich super. Aber wir brauchen noch so viel mehr“, freute sich ein vorbeiradelnder Mann in die Kamera. Was der Zuschauer nicht erfuhr: Der Mann auf dem Fahrrad war der Berliner Abgeordnete Georg Kössler von den Grünen. Auch hier flog der Schwindel auf. Der Sender bedauerte anschließend den „handwerklichen Fehler“ und löschte den Beitrag kleinlaut aus der Mediathek.
In einer weiteren Umfrage kurz vor der Berlinwahl wollte das ZDF wissen: Wie sehen die Hauptstädter eigentlich das Verkehrskonzept in der bekannten Einkaufsmeile Friedrichstraße? Über eine autofreie Straße freute sich vor allem eine Passantin namens Marie Heidenreich. Dass sie als Grünen-Politikerin für den Landtag in Mecklenburg-Vorpommern kandidierte, blieb dabei außen vor.
Immer wieder scheinen sich die Zufälle in der Hauptstadt zu häufen: Nach den wiederholten Ausschreitungen in Berliner Freibädern führte der Senat im Juli 2023 Ausweiskontrollen ein. Ganz zum Ärger vieler Linker, die vor dem Columbiabad in Neukölln demonstrierten. Der RBB befragte bei der Veranstaltung eine Frau nach ihren Gründen des Protests. Unerwähnt blieb: Sie war Mitarbeiterin der grünen-nahen Heinrich-Böll-Stiftung.
Björn Harms
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