Aus „humanitären Gründen“: Vertreter von Putins Bluthund Kadyrow darf in Deutschland bleiben
Ein Beitrag von
Eine Recherche des Spiegel beleuchtet die Rolle eines Mannes, der in Deutschland lebt, Geschäfte betreibt – und zugleich als enger Vertrauter von Putins Bluthund, dem tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow, gilt. Die Rede ist von Khuseyn Agaev. Sicherheitsbehörden stufen ihn als potenziell gefährlich ein – dennoch darf er dauerhaft in der Bundesrepublik bleiben.
Im Zentrum der Recherche steht Khuseyn Agaev, ein russischer Staatsbürger mit Wohnsitz in Hamburg. Nach Einschätzung deutscher Sicherheitskreise fungiert er als inoffizieller Statthalter Kadyrows in Deutschland – faktisch als Repräsentant des Regimes gegenüber der tschetschenischen Diaspora. Öffentlich inszenierte Nähe zu Kadyrow, unter anderem bei Familienfeiern im Nordkaukasus, untermauert diese Rolle.
Offiziell weist Agaev jede politische Funktion zurück. Über seinen Anwalt lässt er erklären, der Kontakt zu Kadyrow sei lediglich flüchtig und unpolitisch. Sicherheitsbehörden bewerten das anders. Sie gehen davon aus, dass Agaev dem Regime Loyalität schuldet und Teil eines Systems ist, mit dem Tschetschenen im Ausland kontrolliert und eingeschüchtert werden sollen.
Unbefristete Aufenthaltserlaubnis
Diese Sorge ist nicht unbegründet. Menschenrechtsorganisationen dokumentieren seit Jahren, dass Kritiker Kadyrows auch in Europa bedroht oder angegriffen werden. In mehreren Fällen kam es zu Mordanschlägen auf tschetschenische Dissidenten. Das Bundeskriminalamt warnte bereits vor staatsterroristischen Aktivitäten aus dem Umfeld des Regimes.

Russlandexperten sehen Kadyrows Loyalität eher bei Putin persönlich als bei der Russischen Föderation.
Trotzdem genießt Agaev in Deutschland einen besonderen Status. Seit 2019 verfügt er über eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis aus „humanitären Gründen“. Als Asylbewerber war er zwar nicht anerkannt worden, eine Abschiebung unterblieb jedoch – zunächst wegen des Kriegs in Tschetschenien, später aufgrund fortlaufend festgestellter Abschiebungsverbote. Auffällig: Repressionen durch das Regime drohen ihm offenkundig nicht, zumal er sich öffentlich als Kadyrow-loyal präsentiert.
Gegen Agaev laufen diverse Ermittlungsverfahren
Hinzu kommen strafrechtliche Vorwürfe. Gegen Agaev laufen mehrere Ermittlungsverfahren, unter anderem wegen schweren Raubes, mutmaßlicher Bandenhehlerei und Körperverletzung. Verurteilt ist er bislang nicht, die Vorwürfe weist er zurück. Gleichwohl vermerken Behörden inzwischen, dass von ihm eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit nicht ausgeschlossen werden könne.
Besonders sensibel ist sein wirtschaftliches Umfeld. Nach Recherchen des Spiegel und der Plattform The Insider ist Agaev oder sein Umfeld an Sicherheits- und Logistikfirmen beteiligt. Einige dieser Unternehmen operieren in Bereichen, die aus Sicht von Verfassungsschützern besonders anfällig für Ausspähung sind – etwa an logistischen Knotenpunkten. Russische Nachrichtendienste, so die Einschätzung von Experten, könnten dabei gezielt auf regimenahe Tschetschenen zurückgreifen.
Der Fall ist nicht einzigartig. Bereits Agaevs Vorgänger als Kadyrow-Vertreter in Deutschland hatte sich als angeblich Verfolgter anerkennen lassen und später offen eingeräumt, dass dies eine gängige Strategie regimetreuer Tschetschenen sei. Auch er konnte jahrelang unbehelligt in Deutschland leben, bevor er nach Russland zurückkehrte.
Mehr NIUS:
Medienbericht: Ministerpräsident Voigt soll Holocaust-Gedenkrede mit KI geschrieben haben
Ein Nachmittag der Absurditäten: NIUS undercover beim Würmer-Parlament
Grüne verhandeln umstrittene Parteireform: Zu viel Macht für Funktionäre?
Die Schlacht der langen Männer
Wie Al Gores apokalyptische Doku die Welt in die Klima-Angst hypnotisierte
Weil er sich in einer ZDF-Doku kritisch äußerte: Bremen feuert Jobcenter-Mitarbeiter Fred Göcken
Sogar von Grünen kommt Kritik: Aufstand gegen NIUS-Zensur bei der BVG
Die wahre Putin-Partei ist die SPD
Mehr NIUS:
Die Schlacht der langen Männer
Wie Al Gores apokalyptische Doku die Welt in die Klima-Angst hypnotisierte
Weil er sich in einer ZDF-Doku kritisch äußerte: Bremen feuert Jobcenter-Mitarbeiter Fred Göcken
Sogar von Grünen kommt Kritik: Aufstand gegen NIUS-Zensur bei der BVG
Die wahre Putin-Partei ist die SPD
Warum die Politik den Majestätsbeleidigungsparagraphen gar nicht abschaffen will
CSU blamiert sich mit „Frohnleichnahm“-Doppelfehler: Krah wurde Fake vorgeworfen, doch er hatte recht
CDU sagt Präsidiumsklausur in Sachsen-Anhalt ab
Redaktion
Artikel teilen
Kommentare