„Besonders erleuchtet“: Der Papst lässt die deutschen Katholiken abwatschen
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Schluss mit Weihnachtsfriede und Neujahrshoffnung: So heftig hat der Papst die deutschen Katholiken noch nie abgewatscht!
In einem Interview mit der katholischen „Tagespost“, das NIUS vorab vorlag, ließ Papst Franziskus seinen mächtigen Präfekten der vatikanischen Glaubenskongregation (offiziell: „Dikasterium für Glaubenslehre“), Kurienkardinal Victor Manuel Fernández, vor allem den deutschen Reform-Katholiken die Leviten lesen:
O-Ton Kardinal Fernández: „Wenn man einige Betrachtungen hört, die im Kontext des deutschen Synodalen Wegs angestellt wurden, scheint es manchmal, als fühle sich ein Teil der Welt besonders ‚erleuchtet‘, um zu verstehen, was die anderen armen Tröpfe nicht zu begreifen vermögen, weil sie verschlossen oder mittelalterlich seien, und dann glaubt dieser ‚erleuchtete‘ Teil auf naive Weise, dass dank seiner die ganze universale Kirche reformiert und von den alten Schemen befreit wird.“

Kardinal Víctor Manuel Fernández
Rumms! Im Klartext: Am deutschen (Glaubens-)Wesen soll offenbar wieder einmal die Welt genesen. Doch der Kardinal, wie Franziskus ebenfalls Argentinier und ein enger Vertrauter des Pontifex, setzt noch einen echten Tiefschlag unter die Gürtellinie nach. Zu glauben, sagte der Glaubenspräfekt weiter, „dass in einem Teil der Welt die durch den sexuellen Missbrauch verursachte Krise mithilfe von Entscheidungen gelöst werden könne, die der Lehre der universalen Kirche entgegenstehen, ist meiner Meinung nach nicht einmal vernünftig begründet“.
Eure sexuellen Übergriffe haben nichts damit zu tun, dass es keine Frauen-Priester oder katholische Homo-Ehen gibt. Wegen eurer Verfehlungen dem Rest der Welt irgendwelche neuen Regeln überhelfen zu wollen, ist abwegiger Unsinn. Oder kurz: Könnt ihr vergessen!
Kardinal Fernández bezieht sich in dem Interview auch auf einen Brief von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin an die Deutsche Bischofskonferenz vom vergangenen 25. Oktober. Mit Blick auf homosexuelle Eheschließungen und Priesterweihe von Frauen verwies der Kardinal auf eine damals dem Brief beigefügten „Note“, die von seiner Glaubenskongregation verfasst worden sei. Damit habe man den deutschen Katholiken signalisieren wollen, dass es besser sei, „keine Zeit mit zwei Themen zu verlieren, in denen wir nicht weitergehen können. Das erste Thema war das Frauenpriestertum“. Soll heißen: Debatten darüber sind verschwendete Zeit. Könnt ihr vergessen. Die Segnung homosexueller Paare war in dem Brief Parolins gestattet worden, die Eheschließung weiterhin nicht. Auch diese „Lockerung“ war in etlichen Teilen der katholischen Weltkirche auf Unverständnis und Ablehnung gestoßen.

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin
Es sind vor allem die Tonlage und die für Kirchenverhältnisse drastische Wortwahl, die den Eindruck nahelegen, dass auch der als liberal geltende Papst Franziskus mit den deutschen Reform-Katholiken und ihren Sonderwegen mehr und mehr die Geduld verliert. Und so erklärt Fernández es den deutschen Glaubensbrüdern und -schwestern noch einmal in geradezu kindlicher Einfachheit: Es geht auf dieser Welt nicht nur um euch!
Und er spart die deutschen Bischöfe ausdrücklich nicht aus, weil sie offensichtlich nicht begreifen, dass ein „liberaler oder aufklärerischer Papst“ nach deutschem Gusto die katholische Weltkirche zerstören würden:
„Einige deutsche Bischöfe scheinen mir offenbar nicht recht zu verstehen, dass ein liberaler oder aufklärerischer Papst diese Gemeinschaft unter Deutschen, Afrikanern, Asiaten, Lateinamerikanern, Russen und so fort nicht garantieren könnte.“ Ein „pastoraler“ (behütender, seelsorgender – Anm. d. Verf.) Papst könne das hingegen, meint Fernández und bekräftigt: „Ein Papst, der die Lehre bewahrt, die die Kirche im Lauf der Jahrhunderte im Hören auf das immerwährende Evangelium entwickelt und bereichert hat, der jedoch auch in der Lage ist, sie in einen Dialog mit dem konkreten, oftmals so verletzten Leben der Gläubigen treten zu lassen, nicht mit dem Leben eines abstrakten ,Menschen‘, sondern dem realen Leben vieler Männer und Frauen in den unterschiedlichsten Umfeldern.“
Und im „realen Leben“ der allermeisten Menschen auf diesem Planeten spielen eure Wünsche einfach keine Rolle, so die erstaunlich harte Botschaft des Vatikans an die deutschen Katholiken. Das Dikasterium für Glaubenslehre ist übrigens aus der Römischen Generalinquisition hervorgegangen, die es vermutlich nicht beim Briefeschreiben und Interviews geben belassen hätte.
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